Stadtteil ohne gemeinsames Zentrum Stadtteilkultur (6): Darum-Gretesch-Lüstringen

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Osnabrück. Was fehlt, ist die gemeinsame Mitte: Der Stadtteil Darum-Gretesch-Lüstringen ist eine Mixtur dreier Gemarkungen, die im Zuge verschiedener Gebietsreformen zunächst zusammengefasst, dann der Stadt Osnabrück zugeschlagen wurden.

Osnabrück. Was fehlt, ist die gemeinsame Mitte: Der Stadtteil Darum-Gretesch-Lüstringen ist eine Mixtur dreier Gemarkungen, die im Zuge verschiedener Gebietsreformen zunächst zusammengefasst, dann der Stadt Osnabrück zugeschlagen wurden. Diese Entwicklung spiegelt das kulturelle Leben des Stadtteils wider: An der Peripherie haben sich Spuren der Tradition erhalten, deren gemeinsamer Fortschreibung es allerdings eines Zentrums ermangelt. Dominiert war die Entwicklung lange von einem großen Industriebetrieb, Säule bürgerschaftlicher Entfaltung ist heute vor allem das Vereinsleben.

Darum-Gretesch-Lüstringen ist der flächenmäßig größte Stadtteil Osnabrücks mit einer der niedrigsten Bevölkerungsdichten im Stadtgebiet. 1966 wurden die drei bis dato selbstständigen Kommunen zusammengefasst, 1972 Osnabrück angegliedert. Gemeinsam ist den drei Gemeinden der Hintergrund einer ländlich-bäuerlichen Tradition, die sich durch die Jahrhunderte zurückverfolgen lässt. „Erst ab den 1950er-Jahren entstanden hier reine Siedlungsgebiete“, erklärt Helmut Riecken vom Heimatverein Darum-Gretesch-Lüstringen . Grund für den strukturellen Umbruch: die Papierfabrik Schoeller. Zwischenzeitlich Weltmarktführer, habe Schoeller „phasenweise das Geld mit Schubkarren in der Gemeinde verteilt“, so Riecken. Ergebnis: In den 1960er-Jahren stieg Gretesch zur vorübergehend reichsten Gemeinde Deutschlands auf, das Unternehmen investierte in Infrastruktur und Siedlungsbau, um den Ort seinen Mitarbeitern zu erschließen.

Dessen Besiedlung bezeugen seit Jahrtausenden verschiedene Großsteingräber. Für Lüstringen belegt ist die Existenz einer alten germanischen Versammlungsstätte, der Langödingsbank. Archäologische Grabungen wiesen den Standort der Burg Gretesch unweit der Papierfabrik nach. Am bis heute als Gretescher Turm bekannten Areal an der Mindener Straße fand sich einst ein Grenzposten der Landwehr.

Geht es nach einigen Mitgliedern des Heimatvereins, sollen die dortigen Räumlichkeiten künftig Mittelpunkt des kulturellen Lebens im Stadtteil werden: „Wir haben hier eine funktionierende Ökumene und ein vitales Vereinswesen, das sich gegenseitig unterstützt“, so Riecken. „Es fehlt allerdings ein Zentrum, an dem Kultur in unserem Stadtteil zur Entfaltung kommen kann.“ Die Räumlichkeiten der ehemaligen Gaststätte Gretescher Turm böten Potenzial, bedürften allerdings der Renovierung. Moderne Zeugnisse kulturellen Lebens im Stadtteil sind beispielsweise der Gretescher Männerchor, der alle zwei Jahre zum Weihnachtskonzert in die Stadthalle bittet. Zudem ist mit der „Fattoria Musica“ in einem alten Kotten im äußersten Osten von Darum ein renommiertes Aufnahmestudio für Musiker entstanden.


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