Afrikaner in Osnabrück: Diplom-Übersetzerin Joyce Noufélé ist an der Hase heimisch geworden Die Sprache ist der Schlüssel

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Osnabrück: #Afrikaner in Osnabrück während des Afrikafestivals/hier Joyce Noufélé in der VHS. Foto: Jörn MartensOsnabrück: #Afrikaner in Osnabrück während des Afrikafestivals/hier Joyce Noufélé in der VHS. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. In Osnabrück ist Joyce Noufélé heimisch geworden, sagt sie. Seit etwa drei Jahren lebt die Diplom-Übersetzerin an der Hase. Sie kommt aus einem Land, in dem über 240 Sprachen gesprochen werden. Sich mit anderen Menschen aus anderen Kulturen verständigen zu können, das ist für die Kamerunerin der Schlüssel in andere Welten. Und genau das ist der Job der Fachbereichsleiterin für Fremdsprachen bei der Osnabrücker Volkshochschule.

Vor 14 Jahren landete Joyce Noufélé in Deutschland. Ihre Schwester studierte damals schon Berlin. Sie hat sie auf die Idee gebracht, im Land der Dichter und Denker zu studieren. „Im Kamerun gibt es nicht so viele Angebote“, sagt die 34-Jährige.

Zunächst hat Joyce Noufélé ein Jahr in der Bundeshauptstadt gelebt, eine Sprachprüfung abgelegt und schließlich in Braunschweig ein Wirtschaftsstudium aufgenommen. Nach drei Semestern hat sie jedoch gemerkt, dass das nichts für sie ist. Also ging sie in die Provinz nach Germersheim. Dort, mitten in der Pfalz, konnte sie endlich an der Universität Mainz Sprachen studieren.

Den Kulturschock habe sie sich schon in Berlin abgeholt, erzählt Joyce Noufélé lachend. Die groß gewachsene Frau lacht viel und schaut ihren Gesprächspartner dabei mit offenen, neugierigen Augen an. Dies sei bei vielen Menschen im Kamerun so. „Da sind die Leute offener. Es ist viel einfacher, dort jemanden anzusprechen als hier.“ In Berlin sei das anders gewesen. „Die Menschen wirkten kühl, ihre Gesichter waren verschlossen“, beschreibt sie ihre ersten Eindrücke. Und dann kam auch noch die Sahne dazu. Ihre Schwester warnte sie. „Sie hat mir gesagt, dass in Deutschland viel mit Sahne gekocht wird und das Essen fad sei“, erzählt Joyce Noufélé. Zuhause im Kamerun stand eher würziges und scharfes Essen auf dem Tisch.

Doch die junge Afrikanerin hatte ihren Kulturschock schnell überwunden. In der Pfalz traf sie auf offene Menschen und absolvierte ihr Studium zur Diplom-Übersetzerin. Und auch in Osnabrück wurde sie mit offenen Händen und Gesichtern aufgenommen. „Hier an der VHS ist man darauf eingestellt, mit Menschen aus vielen Kulturen umzugehen.“ Die berühmte Sturheit der Osnabrücker ist ihr zum Glück erspart geblieben.

Durch ihre zwei Kinder hat sie viele Osnabrücker kennen gelernt. „Ich fühle mich wohl hier“, sagt Joyce Noufélé. Dennoch stellt sie sich jeden Tag die Frage, ob sie eines Tages mal in ihre Heimat zurück kehren wird. Eine Antwort hat sie noch nicht gefunden. In den Ferien besucht sie ihre Familie in der Hauptstadt des Kameruns, in Jaunde. „Aber wenn ich dort zu lange bin, vermisse ich Deutschland.“

Neben der fröhlichen Art von Joyce Noufélé ist auffällig, dass sie mit wenig Akzent Deutsch spricht. „Die Sprache ist mein Alltag geworden“, sagt sie. Nun will sie anderen Menschen die Möglichkeit geben, Sprachen zu lernen, aber auch Kindern von Migranten zu verhelfen, die Muttersprache ihrer Eltern richtig zu lernen. Im Graf-Stauffenberg-Gymnasium und in Melle erhalten türkische Jugendliche Unterricht in türkisch. Wer zudem Chinesisch, Persisch, Latein oder 15 andere Sprachen erlernen möchte, der sollte mit Joyce Noufélé an der VHS sprechen.


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