Kampf dem Analphabetismus Osnabrücker VHS holt alle Beteiligten an einen Tisch

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Die Bildungsforscherin Anke Grotlüschen von der Universität Hamburg. Foto: Michael GründelDie Bildungsforscherin Anke Grotlüschen von der Universität Hamburg. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. 7,5 Millionen Deutsch sprechende Erwachsene können nur eingeschränkt lesen und schreiben. Das Ergebnis der internationalen PIAAC-Studie (Pisa-Test für Erwachsene) hat viele Menschen aufgeschreckt. Was das Regionale Grundbildungszentrum (RGZ) an der Volkshochschule Osnabrück dagegen unternehmen kann, stand im Mittelpunkt einer Veranstaltung mit Prof. Dr. Anke Grotlüschen.

Die Bildungsforscherin und Professorin für lebenslanges Lernen an der Universität Hamburg hat an der repräsentativen Haushaltsbefragung teilgenommen. In 8436 Haushalten wurden mithilfe eines „Rätselheftes“ die Schreib- und Lesekompetenzen abgefragt. Mit dem Ergebnis, d dass die Deutschen beim Lesen unter dem OECD-Durchschnitt liegen . In der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sind 34 Staaten zusammengeschlossen.

Eine schlechte Lesekompetenz hat laut Grotlüschen direkte Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung. Sie hat errechnet, dass „ein Land, das bei der Lesekompetenz ein Prozent über dem Durchschnitt liegt, andere Länder bei der Arbeitsproduktivität um 2,5 Prozent und beim Brutto-Inlandsprodukt um 1,5 Prozent übertrifft“.

Funktionale Analphabeten können zwar einzelne Sätze lesen oder schreiben, nicht jedoch zusammenhängende – auch kürzere – Texte. Allerdings, so sagte Grotlüschen, handelt es sich bei den Betroffenen keineswegs mehrheitlich um arbeitslose und sozial weitgehend isolierte Personen ohne Schulabschluss: „Mehrheitlich stehen die Betroffenen im Berufsleben, haben weit überwiegend einen Schulabschluss und sind nicht in erkennbarem Maße stärker sozial isoliert als andere Teile der Gesellschaft.“

Beim Kampf gegen den funktionalen Analphabetismus sieht die Professorin strukturelle Probleme: die Trennung zwischen dem Sozialministerium und dem für die Bildung zuständigen Kultusministerium. Während bei persönlichen Problemen die Menschen zur Schuldnerberatung, der Migrationsberatung oder zur Erziehungsberatung geschickt würden, „kennt keiner die Bildungsberatung“, sagte Grotlüschen.

Um das zu ändern, wurden in Niedersachsen mit Förderung des Ministeriums für Wissenschaft und Kultur Regionale Grundbildungszentren (RGZ) eingerichtet. Eines davon entstand an der Volkshochschule Osnabrück , wo es seit 1985 Alphabetisierungskurse gibt. Im ersten Semester dieses Jahres fanden 23 Alphabetisierungskurse mit 269 Teilnehmern statt, 123 mit der Erstsprache Deutsch, 146 Zuwanderer mit Zweitsprache Deutsch.

Um noch mehr Menschen zu erreichen, hat die VHS nach Auskunft von Fachbereichsleiterin Astrid Dinter ein Netzwerk für Alphabetisierung und Grundbildung aufgebaut. Dazu wurde eine Kontaktstelle Alphabetisierung eingerichtet, die Kontakt mit den Netzwerk-Partnern pflegt, und zudem potenzielle Kursteilnehmer berät und ihnen Hilfestellung bei Anträgen bietet. Die Volkshochschule Osnabrücker Land plant ebenfalls den Aufbau eines Netzwerkes Alphabetisierung.


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