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Start in Kunsthalle Dominikanerkirche Osnabrücker Gesprächsreihe: „Wer ist der Autor der Kunst?“

Die Kunsthalle Dominikanerkirche in Osnabrück. Foto: ArchivDie Kunsthalle Dominikanerkirche in Osnabrück. Foto: Archiv

Osnabrück. Sind nur die Künstler Autoren der Kunst? Oder teilen sie diesen Status mit anderen Vertretern der Szene? Darüber wurde am Donnerstagabend in der Kunsthalle Dominikanerkirche kontrovers diskutiert. Mit „Wer ist der Autor der Kunst?“ begann eine dreiteilige Gesprächsreihe in der Kunsthalle.

Am Abend der Diskussion sind noch alle Türen offen. Bis Freitagabend durften die Osnabrücker bei dem Projekt „24/7“ in ihrer Kunsthalle selbst schöpferisch sein. Passend zur bunten Ausstellung nehmen die drei Diskutanten auf einem improvisierten Podest auf Sesseln und Freischwinger aus dem Fundus des Theaters Osnabrück Platz . Hinter ihnen ragt die aus bemalten Leinwänden bestehende Installation „Holy Wood“ bis fast an die Decke. Dem Künstler Ruppe Koselleck, der mitdiskutiert, gefällt die Öffnung der Kunsthalle . Er sieht in dem Projekt nicht viele einzelne, sondern ein einziges Kunstwerk. Schöpferin ist für ihn Kunsthallenchefin Julia Draganovic .

Damit sind Koselleck, Draganovic und Stefan Lüddemann, Kulturredakteur von NOZ Medien, mitten in der Kontroverse. Sie streiten darüber, wer Urheber (Autor) der Kunst ist. Auf dem Podium sind dazu Künstler (Koselleck), Kuratorin (Draganovic) und Kritiker (Lüddemann) zusammengekommen.

Für Letzteren sind alle drei Autoren der Kunst. Denn die Kunstwelt sei nicht mehr nur auf das Werk begrenzt . Vielmehr gehöre immer stärker die Reflexion über die Bedeutung dazu, so Stefan Lüddemann. Kritiker seien deshalb „Mitautoren der Kunst“, die „Visionen erschaffen, wie Kunst zu verstehen ist, aber selbst keine Künstler sind“.

„Ich bin keine Autorin“, widerspricht Julia Draganovic . Sie sieht ihre Aufgabe darin, eine Art „Geburtshelferin“ der Kunst zu sein. Als Kuratorin sei sie nicht schöpferisch tätig. Doch dadurch, dass sie Ausstellungsobjekte auswähle, mache sie Kunst sichtbar, meint Draganovic. Ruppe Koselleck ist es wichtig, dass die Autorschaft bei den Künstlern bleibt. Die ist für sie wirtschaftlich und rechtlich notwendig. Künstler, die sie abgeben, würden ihre Existenzgrundlage verlieren. „Mir ist daran gelegen, dass diese Rechte gewahrt werden“, erklärt er.

Autorenrechte sind auch durch das Internet gefährdet. Abhilfe schafft die Verwertungsgesellschaft Bild, mit deren Ausschüttungen Koselleck sein Atelier finanziert. Doch Julia Draganovic sieht deren Zukunft gefährdet. „Haben Sie Ideen?“, wendet sie sich ans Publikum, um zu erfahren, wie die Existenz von Künstlern gesichert werden könne. Ein Grundgehalt für Künstler wie in Norwegen, schlägt eine Zuhörerin vor.

Überhaupt kommen aus dem Publikum Fragen und Einwände. Sind etwa auch Ausstellungsbesucher Mitautoren der Kunst? Da gibt es verschiedene Meinungen. Der ehemalige Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip findet außerdem, dass mit dem Projekt „24/7“ ein Anfang für eine neue Kunsthalle gemacht sei. „Ich würde mich aber freuen, wenn wir weiter in einen Denkprozess einsteigen“, sagt er.

Draganovic stimmt zu. Sie wird häufig gefragt, wie sie in ihrer vor Kurzem begonnenen Ära die Kunsthalle prägen will. Das Projekt sei ein Anfang, sagt sie. „Wir sind auf der Suche danach, was möglich ist“, sagt sie. Schließlich sind allein durch den Ausstellungsraum Dominikanerkirche bestimmte Vorgaben da.

Die dreiteilige Gesprächsreihe „Drei Fragen an Julia Draganovic“ geht im September weiter. Die Kunsthallenleiterin und Stefan Lüddemann sind ständige Diskutanten. Dazu laden sie immer einen Gast.


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