Christian Campe ist neuer Personalchef auf dem Mainzer Lerchenberg Von den Stadtwerken Osnabrück zum ZDF

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Osnabrück. Christian Campe schaut gerne ZDF. Er informiert sich mit den heute-Nachrichten und lacht herzlich bei Satireshows wie „Die Anstalt“, „Pelzig hält sich“ oder der „heute-show“. Während er früher nur als Zuschauer auf dem Sofa saß, ist er seit Anfang April noch näher dran. Denn Christian Campe, verheiratet, 47 Jahre, hat seinen Job gewechselt. Der leidenschaftliche Posaunenspieler ist der neue Personalchef des Zweiten Deutschen Fernsehens.

Für den Juristen mit Osnabrücker Wurzeln war es ein großer Sprung. Von Osnabrück ging es nach Mainz, von der Hase an den Rhein, von den Stadtwerken zum Marktführer der deutschen Fernsehlandschaft. Zuvor war er als Leiter Personal und Recht und Prokurist der Osnabrücker Stadtwerke für 1500 Mitarbeiter verantwortlich, am Lerchenberg kümmert er sich nun um 10000 Arbeitnehmer. Auch seine Abteilung hat sich vergrößert. Jetzt zählen 128 Kollegen zu seinem Team, zu Osnabrücker Zeiten waren es nur 40.

Doch der Abschied von der Friedensstadt fiel Christian Campe nicht leicht. „Ich hatte in Osnabrück tolle Kollegen. Das Team der Stadtwerke ist wunderbar“, schwärmt er. Dennoch habe ihn die Stelle beim ZDF sehr gereizt. Nachdem ein Headhunter ihn angeworben hatte, absolvierte er mehrere Auswahlrunden. Am Ende stand er als neuer Personalchef fest und bezog ein Büro auf dem Mainzer Medienberg.

Wer sich nun fragt, wie ein Wechsel von einem regionalen Wasser- und Energieversorger zu einer der größten Sendeanstalten Europas möglich ist, erhält von Christian Campe prompt eine Antwort. Er macht die Entscheidung für sich an den Parallelen zwischen den Stadtwerken und dem Fernsehsender fest. „Wenn Sie Strom brauchen, ist dieser immer da, und ihre Glühbirne geht an“, erklärt der Personaler. „Beim ZDF ist es genauso. Hier gibt es immer Programm, es wird rund um die Uhr produziert.“ Davon sei auch die Personalpolitik betroffen. Beide Unternehmen sind technisch geprägt, Campe befasst sich mit Arbeitszeit- und Vergütungsmodellen sowie Schichtplänen. Trotzdem erwarten ihn neue Strukturen und spannende Herausforderungen. „Beim ZDF freue ich mich, wieder mehr vor die Haustür zu kommen“, gesteht Campe. „Der Sender ist überall vertreten, hier bin ich vernetzter unterwegs.“

Einen kurzen Kontakt zum ZDF hatte er bereits im Sommer 2011 und erlebte, wie das Team der Stadtwerke Showluft schnupperte. Bäderchef Wolfgang Hermle, ein guter Freund von Christian Campe, zettelte für die letzte „Wetten, dass..?“-Ausgabe mit Thomas Gottschalk eine Wette an. In der Sommershow auf Mallorca dehnte das Team eine Badekappe so weit, dass fünf Menschen darin sitzen konnten. Die gewonnene Wette wurde gefeiert, und zur Krönung setzte sich Thomas Gottschalk eine Badekappe der Stadtwerke Osnabrück auf den Kopf. Noch heute fahren Busse des Energieversorgers mit Gottschalks Konterfei samt Badekappe durch die Straßen Osnabrücks. Das Ende des ZDF-Flagschiffs werde im Sender sehr betrauert, erzählt Campe. „Aber der Markt für diese Samstagabendshows verändert sich, das müssen wir akzeptieren.“

Für seinen Neuanfang beim ZDF hat sich der 47-Jährige noch keine speziellen Ziele gesetzt. Zunächst müsse er ankommen, erst wenn er alle Abläufe kennengelernt habe, könne er konkrete Ideen entwickeln. Ein Part ändere sich im Personalwesen aber nie: „Es geht immer um den richtigen Menschen am richtigen Ort.“ Um das zu verstehen, schaut Christian Campe gerne mal in die Berufe seines Unternehmens hinein. So machte er in der Stadtwerke-Fahrschule seinen Bus- und Anhängerführerschein. Am Lerchenberg wiederum begleitete er in den ersten Tagen die Produktion des Wetters. „Es war sehr spannend, das Zusammenspiel zwischen Kameramann, Tontechniker, Redakteur und Ausleuchter zu beobachten“, berichtet Campe, der als seine Jobstärken gutes Zuhören und Verständnis für andere angibt.

Auch wenn Christian Campe nun über 350 Kilometer von Osnabrück entfernt lebt, den Austausch mit seinen alten Kollegen will er nicht missen. Auch mit Ingo Hannemann, dem technischen Leiter der Stadtwerke, verbindet ihn eine tiefe Freundschaft. „Wir haben früher jeden Freitag telefoniert und machen das auch jetzt noch“, erzählt Campe und lacht. „Dann fragen wir uns gegenseitig: Na, wie war deine Woche?“

Christian Campe ist mit Osnabrück eng verwurzelt, er hat hier nicht nur viereinhalb Jahre in einem Posaunenchor musiziert, sondern vor seinem Start ins Berufsleben Rechtswissenschaften und BWL studiert. Da sein Vater gebürtig aus Osnabrück stammt, lebt auch ein Großteil seiner Familie in der Stadt an der Hase. „Alle Campes, die im Osnabrücker Telefonbuch stehen, sind mit mir verwandt“, erzählt er. Und schon nach seiner ersten Woche auf dem Lerchenberg hat er Osnabrück einen Besuch abgestattet. Über mangelnde Einladungen seiner Freunde und Kollegen kann er sich nicht beschweren. „Ich habe am Nettebad bei Wolfgang Hermle gewohnt“, sagt Campe. „Eine Übernachtung im Hotel kam überhaupt nicht infrage.“


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