Eigener Parcours Biker gehen am Osnabrücker Piesberg in die Luft

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Osnabrück. Von oben sieht es aus, wie ein ganz normales Waldstück. Von unten auch. Ab und zu aber leuchten bunte Helme zwischen den Baumstämmen hervor. Blitzschnell verschwinden sie wieder. Denn ihre Träger sausen auf Fahrrädern ins Tal, über einen Parcours, den sie selbst gebaut haben. Am Piesberg sind Downhill-Biker unterwegs.

Bergrunterfahrer, so heißt der Sport aus dem Englischen übersetzt. Das klingt natürlich nicht halb so spannend wie „Downhill-Biker“. Und ein sperriges Wort wäre für diese Art der Fortbewegung sicherlich nicht das Richtige: Mit einem Affenzahn rasen die Biker den Hang herab, gehen in weitestmöglicher Schräglage in die Kurve und düsen über bis zu drei Meter hohe Rampen, um möglichst weit zu springen und sich dabei auch noch zu drehen oder andere Figuren zu kreieren. Und das alles zwischen Bäumen.

„Man fühlt sich einfach frei“, sagt Tobi Klein. Der 18-Jährige hat seinen Helm in den Nacken geschoben und hockt lässig auf seinem Bike, während er versucht, seine Begeisterung in Worte zu fassen. „Jede Fahrt ist anders, auch wenn es dieselbe Strecke ist“, ergänzt er dann. Seit acht Jahren ist er Biker und jedes Wochenende am Berg, auch wenn es regnet. Denn dann wird geschraubt oder an den Hindernissen gearbeitet. Meistens zumindest. „Zurzeit haben wir kein Material“, seufzt der junge Mann, der seine Begeisterung fürs Biken auch beruflich auslebt: Er ist Zweirad-Mechaniker.

„Das erste Mal ist so 14 bis 15 Jahre her“, sagt Johannes Kottwitz, der mit seiner Initiative die Anlage gründete und sie heute leitet. Damals kurvte der heute 24-Jährige das erste Mal mit einem Rad den Hang in Lechtingen direkt am Rundwanderweg des Piesbergs herunter. Eine offizielle Erlaubnis gab es damals nicht. Und so ließ die Stadt die ersten Rampen und Schanzen entfernen, die Kottwitz und seine Mitstreiter damals aufgebaut hatten.

Der Stadt gehört das 1500 Quadratmeter große Gelände, genauer, der Osnabrücker Beteiligungsgesellschaft. Ihre große Sorge: Was, wenn sich einer von ihnen dort verletzt? Die Biker waren nicht versichert. Wer kommt dann für Schäden auf?

Dieses Problem ist inzwischen gelöst. Die Biker sind über eine Mitgliedschaft im TuS Bramsche versichert. „Peter Rohde, der Vorsitzende, war sehr offen für unsere Vorschläge“, sagt Johannes Kottwitz. Die Mitgliedschaft kostet jeden Biker laut Kottwitz 28 Euro im Quartal. Aber auch spontane Fahrten sind im Bikepark Piesberg möglich: Das kostet pro Tag drei beziehungsweise fünf Euro. Erreichbar ist das Gelände über einen der Parkplätze an der Straße „Zum Gruthügel“ in der Nähe des Lechtinger Schützenhauses.

Dank des Einsatzes von Josef Thöle, Vorsitzendem des Osnabrücker Stadtrats, dürfen die Biker nun auch legal auf dem Gelände bauen, die Parcours dürfen stehen bleiben. „Ich unterstütze das gern. Es trägt zur Attraktivitätssteigerung des Piesbergs bei“, sagt Thöle, während er über das Gelände stapft. Ganz oben hüpft ein junger Mann auf einem Trampolin. „Da werden Figuren geübt“, erläutert Johannes Kottwitz den doch etwas seltsamen Anblick: Der Biker springt mit einem Fahrrad ohne Räder in die Höhe. Der Rahmen ist unten mit Tape umwickelt, damit er nicht das Trampolin zerstört. Es ist eine Spende. „Das Trampolin sollte eigentlich auf den Müll“, sagt Tobi Klein.

Nicht nur für den Bau von Rampen suchen die Biker Sponsoren. Sie planen eine offizielle Eröffnung mit einigen Aktionen Ende des Sommers oder im kommenden Jahr, erläutert Johannes Kottwitz, der auch ohne Bikepark am Piesberg einen vollen Terminkalender hat. Er ist kürzlich Vater geworden und hat einen fordernden Job – natürlich in der Zweiradindustrie: „Ich konstruiere Fahrräder.“

Deshalb wird er im Bikepark Piesberg inzwischen von Lenard Feuerstein unterstützt. Den jungen Mann führt er langsam an immer mehr Verantwortung heran. Denn das ist auch sein Anliegen: jungen Leuten eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung zu bieten, bei der sie sich nicht nur sportlich ausprobieren und weiterentwickeln können. „Alkohol gibt’s hier nicht“, sagt Tobi Klein. Die etwa 30 Biker – der jüngste ist 14, der älteste Ende 40 – sind inzwischen zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen. Zum Bauen der Schanzen und Rampen oder auch für andere Treffen verabreden sie sich über Facebook auf der Seite „Bikepark Piesberg“.

Günstig ist ihr Hobby nicht gerade. Schon allein die Räder kosten neu zwischen 2000 und 3000 Euro. Dazu kommt ein Helm, Kostenpunkt zwischen 80 und 700 Euro. Klamotten und Protektoren. „Helm ist bei uns Pflicht. Die anderen Protektoren sind freiwillig“, erläutert Kottwitz. Und was ist mit Verletzungen? Gebrochen habe sich noch keiner etwas, betonen alle. Aber Schrammen und Prellungen, die habe jeder schon mal gehabt. Das gehöre einfach dazu.


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