Landkreise feiern 15 Jahre Osnabrück und Olsztyn: Partner sind jetzt Freunde

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Osnabrück. Es klingt immer so dröge, wenn Kommunalpolitiker aus dem Kreis Osnabrück von „gelebter Partnerschaft“ mit den Polen aus dem Partnerkreis Olsztyn (Allenstein) reden. Ist es aber nicht – und das liegt nicht nur am Wodka. Man herzt sich aufrichtig, dankt einander für gegenseitige Gastfreundschaft und klopft sich auf die Schulter für 15 Jahre Partnerschaft. So geschehen jetzt bei einem Besuch deutscher Delegationen von Kreistag und Caritas in Olsztyn.

Was sich aus einem schriftlich fixierten Abkommen in diesen 15 Jahren entwickelt hat, ist beachtlich. 15000 Polen und Deutsche seien sich begegnet, sagt Landrat Michael Lübbersmann beim offiziellen Höhepunkt der Reise, einer gemeinsamen Kreistagssitzung in Olsztyn.

Manch einer witzelte auf der Reise durch den Kreis über die großen weißen Projektschilder, die vor den vielen Baustellen im Landkreis Allenstein stehen und auf EU-Förderprogramme hinweisen – egal ob bei der Restaurierung von Gebäuden oder dem Bau von Straßen und Promenaden.

Doch wer sich mit denen unterhält, die seit Jahren aus dem Osnabrücker Land nach Allenstein fahren, spürt auch die Anerkennung dafür, was der Beitritt Polens zur EU bewirkt hat. „Früher war das eine Rüttelei ohne Ende im Bus“, sagt etwa Anna Schwegmann (CDU) im Reisebus. „Jetzt sind die Straßen in einem Top-Zustand.“

Was gleich geblieben ist, sind die landschaftliche Idylle und die Herzlichkeit der Polen. Beides erleben die Deutschen während ihres Besuchs zu Genüge, etwa beim Besuch der Fleischwerke Warmia in Biskupiec. Nachdem sich alle Kreistagsmitglieder die Hauben, Schutzmäntel und Schuh-Überzieher angelegt und lachend ausgiebig fotografiert haben, geht es vom Wurstlager bis zur Fleischzerlegung. Kritische Untertöne bleiben dabei nicht aus. 600 bis 700 Euro verdienen die Zerleger im Monat, erfahren die Deutschen – manch einem vergeht der Appetit auf die anschließende herzlich angebotene Kostprobe. Und noch etwas hängt in der Luft: der Konflikt in der Ukraine. Was sich dort abspiele sei „höchst gefährlich“, sagt etwa der deutsche Botschafter in Warschau, Rolf Nikel, als er die Delegation empfängt. „In vielen Ländern der EU gibt es nationalistische Tendenzen“, warnt auch der polnische Landrat Miroslaw Pampuch bei der gemeinsamen Kreistagssitzung. „Es ist sehr wichtig, dass ein Pole und ein Deutscher gemeinsam an einem Tisch sitzen und sich unterhalten. Da sollte es auch Platz geben für den ukrainischen Staat.“

Die idyllischsten Seiten des Partnerkreises erlebt die deutsche Reisegruppe bei einem Ausflug in die Johannisburger Heide (Krutynia): Sanfte Hügel, dichte Wälder und dazwischen grüne Wiesen, auf denen friedlich Pferde weiden. „Herrlich hier“, „traumhaft“, schwärmen alle. Touristisch ist die Region wegen der komplizierten Anfahrt noch lange nicht so erschlossen wie das benachbarte Masuren. Doch das ist nur eine Frage der Zeit, meint der deutsche Partnerschaftsbeauftragte Carlo Finkemeyer. „Sowohl im touristischen Bereich als auch in der Wirtschaftskraft sind die Polen uns ebenbürtig.“


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