230 Arbeitsplätze fallen weg Valmet Automotive dünnt Standort Osnabrück aus

Bei Verdeckhersteller Valmet im Fledder informierte sich im März 2012 der damalige Oberbürgermeister Boris Pistorius (l.). Durchs Werk geführt (v.r.) vom damaligen Geschäftsführer Michael Hannemann, damaligen Produktionschef Hermann Buschermöhle und damalige Geschäftsführer Holger Schramm. Foto: Uwe LewandowskiBei Verdeckhersteller Valmet im Fledder informierte sich im März 2012 der damalige Oberbürgermeister Boris Pistorius (l.). Durchs Werk geführt (v.r.) vom damaligen Geschäftsführer Michael Hannemann, damaligen Produktionschef Hermann Buschermöhle und damalige Geschäftsführer Holger Schramm. Foto: Uwe Lewandowski

Osnabrück. Neue schlechte Nachrichten für Mitarbeiter des Autozulieferers Valmet Automotive in Osnabrück: Auf einer außerordentlichen Betriebsversammlung verkündete die Geschäftsführung des Verdeckbauers und -entwicklers am Montagmittag seinen Mitarbeitern, dass von den 330 Arbeitsplätzen spätestens in den nächsten Jahren 230 abgebaut werden sollen.

Valmet begründete die Entscheidung mit dem Rückgang im Cabrio-Geschäft sowie aktuell fehlenden Projekten. Ende 2010 hatte Valmet die Dachsparte aus der Karmann-Insolvenz übernommen. Insgesamt sollen 230 von 330 Arbeitsplätzen wegfallen.

Das ist die Kernnachricht, die die überraschten Mitarbeiter am Montagnachmittag aus einer außerordentlichen Betriebsversammlung mit nach Hause nahmen. Bereits seit dem Jahresbeginn hatte der finnische Automobilzulieferer in Osnabrück 70 Arbeitsplätze abgebaut. Dies geschah durch Eigenkündigungen und durch etwa 20 Aufhebungsverträge mit älteren Mitarbeitern, wie Geschäftsführerin Martina Lupberger unserer Zeitung erläuterte.

Sie sprach von zwei möglichen Wegen, die Pläne der Geschäftsführung in Finnland umzusetzen. Der grundsätzliche Plan sei der Auslauf der Fertigung der Verdeckproduktion in Osnabrück zum mit den Kunden der Automobilindustrie – so genannten OEMs – vereinbarten Zeitpunkt. Das könnte nach Schätzungen von Insidern ein Produktionsaus ungefähr zum Jahr 2017 bedeuten. Der zweite Weg sei eine Produktionsverlagerung der Osnabrücker Aufträge ins polnische Werk nach Zary, sagte Lupberger. Das würde nach Einschätzung von Experten ein sehr viel früheres Aus der Valmet-Produktion in Osnabrück bedeuten.

Für die Valmet-Mitarbeiter in der Hasestadt gilt noch bis zum Ende des laufenden Jahres ein Ergänzungs- und Zukunftssicherungsvertrag. Dieser sieht seit der Übernahme der ehemaligen Karmann-Mitarbeiter einen Verzicht auf fünf Prozent des Entgeltes sowie die Streichung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld vor.

Die Osnabrücker Valmet-Geschäftsführung begründete die angedachten Schritte mit dem Rückgang des Cabriomarktes in den letzten Jahren. Das mache eine Auslastung der zwei Fertigungsstandorte nicht möglich. Künftig würden Verdecksysteme daher nur noch in Zary gefertigt. Um weiterhin am Markt bestehen zu können, seien weitere große Anstrengungen notwendig. Das Management werde daher die Abläufe, Prozesse und Strukturen im Unternehmen neu ordnen.

Mit weiterhin etwa 100 Mitarbeitern bleibe die Entwicklung von Verdecksystemen einschließlich Musterbau und Versuch weiterhin in Osnabrück, heißt es in einer Mitteilung der Geschäftsführung. Durch die Maßnahmen solle Osnabrück auch in Zukunft Technologiestandort von Valmet sein.

Gewerkschaft und Betriebsrat reagierten enttäuscht und empört auf die Nachrichten bei Valmet. Betriebsratschef Lazar Kustudic zeigte sich kämpferisch: „Für ein Sterben auf Raten stehen wir nicht zur Verfügung“, erklärte er. Viele hätten noch nicht einmal die Karmann-Insolvenz verdaut, und nun das, sagte er weiter. Der Osnabrücker IG-Metall-Vize Stephan Soldanski erläuterte unserer Zeitung, die Valmet-Mitarbeiter seien wütend gewesen.

Valmet hatte im Jahr 2010 Teile des insolventen Karosserie-und Verdeckspezialisten Karmann übernommen. Die Verdeckfertigung erfolgt seitdem vorrangig mit ehemaligen Karmann-Mitarbeitern an den Standorten Osnabrück und Zary (Polen). In Osnabrück stellt der Betrieb Verdecksysteme für offene Versionen von Daimler, Bentley, Renault und Porsche her. In Zary werden Verdecke für die Kunden BMW, Mini und Audi gefertigt.

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