Toleranz und Versöhnung lernen Das neunte Afrika-Festival startet Freitag in Osnabrück

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Gruppenbild mit Gustav: das Organisationsteam des Afrika-Festivals mit Cover-Mann Alfa Traore (3.v.l.), Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (4.v.l.) und dem Cover-Zwerg Gustav (liegend). Foto: Jörn MartensGruppenbild mit Gustav: das Organisationsteam des Afrika-Festivals mit Cover-Mann Alfa Traore (3.v.l.), Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (4.v.l.) und dem Cover-Zwerg Gustav (liegend). Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Das neunte Afrika-Festival kehrt die Perspektive um: Diesmal steht nicht der europäische Blick auf Afrika im Mittelpunkt. Stattdessen geht es darum, wie Zuzügler aus Afrika unsere westliche Welt wahrnehmen.

Für Alfa Traore bildet das Afrika-Festival ein wichtiges Forum, auf dem sein Kontinent „Anerkennung, Toleranz und Akzeptanz“ erfährt, wie er sagt. Der 49-Jährige weiß, wovon er spricht: Geboren in Togo , glaubt er, Afrika gelte in der öffentlichen Meinung nach wie vor als rückständig, als primitiv. Dabei kann Europa sehr wohl von Afrika profitieren: In Sachen „Toleranz und Versöhnung können wir ganz viel lernen“, sagt Reinhard Stolle vom Aktionszentrum 3. Welt . Zwischen den Konfliktparteien in Nordirland vermittelten zum Beispiel ANC-Berater aus Südafrika, sagt er.

„At home abroad – zu Hause in der Welt“ steht diesmal als Motto über dem Festival. Deshalb wurde Traore auch zum Cover-Mann des Festival-Magazins: Er kam als Flüchtling nach Osnabrück, ist, nachdem er die zu Hause eingeschlagene akademische Karriere abbrechen musste, Krankenpfleger geworden – und Aktivist in eigener, afrikanischer Sache. Dafür arbeitet er seit 1997 beim Afrika-Festival mit; deshalb posiert er jetzt zusammen mit einem Klischeedeutschen auf der Titelseite des Programmheftes: mit einem Gartenzwerg, der mittlerweile auf den Namen Gustav hört.

Das Festivalprogramm sei trotz widriger finanzieller Umstände einigermaßen umfangreich geraten, sagt Organisatorin Katharina Opladen vom Büro für Friedenskultur. So gehören Ausstellung, Schulveranstaltungen, Film und Musik zu den integralen Bestandteilen des Festivals. Beim Höhepunkt betreten die Organisatoren allerdings Neuland: Mit „ Afridyssey “ wird am 3. Juni ein Tanztheaterprojekt der südafrikanischen Choreografin Jessica Nupen in de Osnabrückhalle gastieren. „Das Stück greift genau unser Thema auf: Es handelt von Afrikanern, die nach Europa flüchten“, sagt Opladen. Dabei versucht die Choreografie, die Perspektive der Betroffenen, also der Flüchtlinge, einzunehmen (3. Juni, 20 Uhr).

Ein zweiter Höhepunkt behandelt eine traurige Realität in afrikanischen Ländern – und die, die diese Realität am härtesten trifft: „Ich krieg dich – Kinder in bewaffneten Konfikten“ heißt eine Foto- und Text-Ausstellung, die in der Filiale Neumarkt der Sparkasse Osnabrück gezeigt wird (Eröffnung: 4. Juni, 17.15 Uhr).

Zum ersten Wochenende des Festivals pflegt das Festival aber eine Tradition, die von jeher gut ankommt: Samstag und Sonntag werden Theater- und Domvorplatz von 10 bis 18 Uhr (nicht wie im Programmheft für Samstag angegeben von 10 bis 20 Uhr) zum afrikanischen Markt für Kunsthandwerk, Schmuck, Musikinstrumente und Essen. Am Samstag mündet der Markt direkt ins Open-Air-Konzert Afrikamie – diesmal allerdings nicht umsonst und draußen auf dem Marktplatz , sondern gegen Eintritt im Innenhof vom Haus der Jugend. Der Grund: Zwei Sponsoren sind abgesprungen; damit fehlt ein fünfstelliger Betrag. Der städtische Beitrag blieb mit 36000 Euro gegenüber 2012 unverändert.

Afrika-Festival: 30. Mai–26. Juni. Weitere Infos: www.osnabrueck.de/afrika


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