Landschaftsökologin Kathrin Knüppe Osnabrückerin erforscht Streit um Wasser

Landschaftsökologin Kathrin Knüppe von der Uni Osnabrück erforscht, wie Menschen weltweit mit dem Rohstoff Wasser umgehen. Foto: Elvira PartonLandschaftsökologin Kathrin Knüppe von der Uni Osnabrück erforscht, wie Menschen weltweit mit dem Rohstoff Wasser umgehen. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Wie gehen Menschen weltweit mit der Ressource Wasser um? Welche Interessen prallen aufeinander und wie lassen sich solche Konflikte auflösen? Fragen wie diesen geht Wissenschaftlerin Kathrin Knüppe am Lehrstuhl Ressourcenmanagement des Instituts für Umweltsystemforschung an der Universität Osnabrück nach. Europa, Südafrika, China und demnächst auch Australien stehen dabei im Fokus ihrer Forschungstätigkeit.

Das Besondere an ihrer Arbeit: Sie befasst sich nicht allein mit ökologischen Faktoren, sondern nimmt zugleich auch soziale Umstände mit in den Blick.

„Kommunen, Landwirtschaft und Industrie verfolgen jeweils eigene Interessen, was die Wasserverteilung angeht“, sagt Knüppe. China beispielsweise sei „auf dem Papier“ sehr engagiert, was den schonenden Umgang mit Ressourcen angeht. Aber dort sei die Lobby der Industrie so stark, dass Kanäle und Staudämme gebaut werden, die ganze Regionen austrocknen. In Südafrika dagegen gebe es nach dem Ende der Apartheid ein großes Problem mit Verantwortlichkeiten, erklärt die 31-Jährige. Hinzu kommen vermeintlich vorrangige Themen wie die sanitäre Versorgung, Bildung, Gesundheit und soziale Ungerechtigkeit.

Auf ihren Forschungsreisen spricht die Landschaftsökologin mit Politikern, Industriellen, Umweltverbänden und Landwirten. „Manche sind natürlich sehr reserviert, was Gespräche über Umweltfragen angeht“, berichtet sie. Auch in Deutschland habe sie schon Absagen etwa von Unternehmen aus der Kohleindustrie erhalten. „Im Tagebau wird neben der Landwirtschaft sehr viel Wasser verbraucht“, so Knüppe. Schärfere Vorschriften seien aber nicht in Sicht, da hier starke Lobbyinteressen wirken. Andernorts fehle es schlicht an Kontrollen, so etwa bei der Einhaltung der Gülleverordnung in der deutschen Landwirtschaft.

Reisen um die Welt

Nachhaltiges Wassermanagement vor der Herausforderung des globalen Klimawandels ist ihr aktuelles Forschungsprojekt, für das sie sich Deutschland, die Niederlande und Spanien als Schwerpunkte ausgesucht hat. „Klimabedingte Hochwässer sind in der Wahrnehmung der Menschen hierzulande weitaus präsenter als Dürren“, konstatiert sie. Nach dem milden Winter mit wenig Schnee fehle es aktuell aber an Wasser in den Flüssen. „Auch in Nordeuropa nimmt die Trockenheit nachweislich zu. Schon bei mir zu Hause im Münsterland kann man beobachten, wie Felder schon im Frühjahr künstlich bewässert werden.“

Wenn sie nicht auf Forschungsreisen ist oder Interviews vorbereitet, hält Knüppe Lehrveranstaltungen im deutschlandweit einmaligen Masterstudiengang „Umweltsysteme und Ressourcenmanagement“, der sich aus den Disziplinen Systemwissenschaft, Mathematik und Informatik sowie einem Wahlfach wie Biologie, Chemie, Physik, Wirtschaftswissenschaften, Sozialwissenschaften, Geografie, Geoinformatik oder Psychologie zusammensetzt. Ihr nächstes Ziel: die Habilitation zur Professorin.


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