Giftstoffe aus Parkett freigesetzt Zion GmbH bekommt Ärger mit Stadt Osnabrück

Von Rainer Lahmann-Lammert

Hier dringen Giftstoffe aus dem Parkettboden aus: Für die Vertreter von Stadt, Gewerbeaufsicht und Polizei ein Anlass, sofort gegen die Zion GmbH vorzugehen. Foto: Elvira PartonHier dringen Giftstoffe aus dem Parkettboden aus: Für die Vertreter von Stadt, Gewerbeaufsicht und Polizei ein Anlass, sofort gegen die Zion GmbH vorzugehen. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Der unsachgemäße Umgang mit giftigen Substanzen auf dem Güterbahnhof in Osnabrück bringt der Zion GmbH Ärger mit den Behörden ein.

In der ehemaligen Montagehalle hinter der Kulturfabrik Petersburg wurde am Montag eine Baustelle stillgelegt. Krebserregende Ausdünstungen werden als Gefahr für Nutzer der benachbarten Proberäume und des Freigeländes angesehen.

Es geht um die große Halle mit den zerdepperten Fensterscheiben neben dem Freiraum Petersburg. In den vergangenen Jahren hatten dort auch Konzerte und Tangopartys stattgefunden. Das ist vorbei, seit die Zion GmbH auf dem Güterbahnhofsgelände ein strenges Regiment führt.

Die Gefahr klebt unter einem unscheinbaren Holzpflasterboden, der wohl aus den 50er- oder 60er-Jahren stammt. Der teerhaltige Kleber enthält krebserregende Bestandteile, die nicht entweichen können, solange der Boden in seinem Gefüge bleibt. Am Freitag wurde das Holzparkett zu einem großen Teil mit einem Bagger herausgerissen. Hinter der Aktion steht die Zion GmbH, die offensichtlich eine neue Nutzung für die Halle anstrebt. Aber jetzt ist die Luft angereichert mit den berüchtigten PAK, das sind polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, von denen verschiedene Gesundheitsgefahren ausgehen. Nicht nur in der Halle riecht es nach Teer, auch draußen ist der markante Duft sofort wahrzunehmen.

Für die Stadt Osnabrück ein Anlass, sofort zu handeln. Nach einem Ortstermin mit Vertretern der Polizei und Gewerbeaufsicht erklärte Stadtbaurat Frank Otte auf Anfrage, auf der Baustelle sei gegen Vorschriften und Auflagen verstoßen worden. Wegen der Gesundheitsgefährdung dürfe die Angelegenheit nicht verharmlost werden. Deshalb werde die Stadt der Zion GmbH eine kurze Frist setzen, um das Austreten der Gase zu verhindern.

Vor allem ins Nachbargebäude , in dem Musiker und Künstler Räume angemietet haben, dürften die Schadstoffe nicht weiter eindringen. Deshalb sei kurzfristig eine Abschirmung anzubringen. Aber auch Besucher des Freigeländes müssten vor dem austretenden Gift geschützt werden. Otte erinnerte daran, dass dort noch am Samstag eine genehmigte Veranstaltung des Kulturvereins Petersburg stattgefunden habe.

Nach dem Willen des Baudezernenten soll unverzüglich ein Fachunternehmen mit diesen Aufgaben betraut werden. Falls die Zion GmbH nicht kurzfristig den Auftrag erteile, werde die Stadt es tun, kündigte er an. Auch die Entsorgung der teerhaltigen Parkettbestandteile sei eine Angelegenheit zertifizierter Profis. Wie bei der Asbestentsorgung sei es unerlässlich, die teerhaltigen Bestandteile unter Einhaltung der Sicherheitsvorschriften zu entsorgen. Die Gewerbeaufsicht wurde hinzugezogen, weil dabei erhöhte Anforderungen an den Arbeitsschutz gelten.

Stadtbaurat Otte kündigte an, dass die Halle wegen der PAK-Belastung nicht weiter genutzt werden dürfe. Bei der Stadt seien keine Bauarbeiten angezeigt oder beantragt worden. Für das Güterbahnhofsgelände gilt eine Veränderungssperre bis zum 27. September. Sie wird voraussichtlich bis zum Inkrafttreten eines Bebauungsplans verlängert. Bauliche Änderungen erfordern deshalb die Zustimmung der Stadt.

Aus den Kreisen der Petersburg wird berichtet, die Zion GmbH wolle ein Lager in der ehemaligen Montagehalle einrichten. Von Zion-Geschäftsführer Ralf Gervelmeyer konnten wir dazu aber bislang keine Stellungnahme bekommen.


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