Alte westjiddische Musik im Nussbaum-Haus Simkhat Hanefesh spielt Hits des 16. und 17. Jahrhunderts

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Das Ensemble Simkhat Hanefesh. Foto: Egmont SeilerDas Ensemble Simkhat Hanefesh. Foto: Egmont Seiler

Osnabrück. Das Ensemble Simkhat Hanefesh spielte im Felix-Nussbaum-Haus alte westjiddische Musik – ein Vergnügen.

Ein Ensemble für alte Musik ist immer eine stark spezialisierte Truppe. Nicht speziell genug allerdings für Simkhat Hanefesh, denn dieses Ensemble spielt alte westjiddische Musik. Doch was da im Felix-Nussbaum-Haus zu hören ist, sind die „Hits des 16. und 17. Jahrhunderts“, erklärt Diana Matut, die Gründerin des Ensembles. „Auf den Straßen, Gassen, in den Häusern und Palästen“ habe man damals diese Lieder gesungen.

Simkhat Hanefesh besteht aus insgesamt fünf Musikern, James Hewit, Dietrich Haböck, Erik Warkenthin und Nora Thiele sind mit Barockgeige, Viola da Gamba, Laute und Percussion dabei und präsentieren sich alle auch als großartige Solisten.

Diana Matut selbst spielt Blockflöte und singt mit feiner, angenehm klarer Stimme, sehr deutlich artikuliert und ganz natürlich. Außerdem greift sie hin und wieder zu einem merkwürdigen Streichinstrument, der Nyckelharpa.

Vor allem aber hat sie geforscht und damit dieses Konzert überhaupt erst möglich gemacht, denn gedruckt wurde diese Musik nie. Von den einstigen Hits sind nur verstreute Handschriften übrig geblieben – Gegenstand ihrer Doktorarbeit. Die meisten Stücke des Programms hat sie aus der berühmten historischen Bücherei der Universität Oxford, der Bodleian Library.

Diana Matut erklärt viel während des Konzerts. Was ist überhaupt westjiddisch? Da gebe es schon Einflüsse verschiedenster Sprachen, aber noch keine slawischen, die kamen erst später. Besonders spannend sind vielleicht die Querverbindungen zwischen jüdischer und christlicher Musiktradition, die Diana Matut offenlegt. So gibt es für das Lied „Ain schen lid fun Josef hazadik“ 14 christliche Strophen, die dann um 89 jiddische ergänzt wurden. Simkhat Hanefesh spielt aber nur eine Auswahl. Es ist also lehrreich, doch es ist auch ein Vergnügen. Simkhat Hanefesh bedeutet übersetzt nämlich „Freude der Seele“ und diese Freude glaubt man Diana Matut gern, wenn sie beim Singen strahlt.

Was es aber mit Simkhat Hanefesh wirklich auf sich hat, erfährt man nach der Pause: Es ist der Titel des allerersten Druckes jiddischer Musik, erschienen 1727 in Fürth. Die Musik darin ist also deutlich jünger als die vor der Pause, und das hört man auch, typische barocke Klänge sind darin zu finden – und es geht schon mal deftig zu. Wie in einem fränkischen Biergarten fühle sie sich bei einem Lied für den Schabbat, meint Diana Matut. Doch auch wenn es darin um Essen und Trinken geht und die Violine „betrunkene“ Soli spielt: Das muss schon ein recht kultivierter Biergarten sein.


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