Diskussionsreihe zur aktuellen Kunst Kunsthalle Osnabrück soll Treffpunkt sein



Osnabrück. Julia Draganovic macht alles neu. Die Kunsthalle Osnabrück steht vor dem Start in eine neue Ära. Im Interview erläutert die Kunsthallen-Leiterin ihre Pläne.

Sie haben die leere Kunsthalle eine Woche lang für jedermann geöffnet. Nun beginnt der große Umbau. Beginnen Sie Ihre Zeit als Leiterin der Kunsthalle mit dem großen Kehraus?

Nein, mit einem großen Hereinholen neuer Projekte. Die Kunsthalle ist ausgeräumt, aber sie steht nun den Bürgern und Gästen offen, nicht nur, um sie zu besichtigen, sondern auch um herauszufinden, was in diesem Raum alles verwirklicht werden kann. Allerdings wird danach hier ab- und aufgeräumt. Das betrifft vor allem die Holzwände, die abgenommen werden. Das Material wird für künstlerische Arbeit in einem Upcycling zur Verfügung gestellt.

Das sind die Platten, die jetzt noch über den Heizungselementen angebracht sind?

Ja, das sind Tischlerplatten. Ein gutes Material, das wieder verwendet werden kann.

Was passiert, wenn die Kunsthalle sieben Tage lang durchgehend geöffnet sein wird? Hier lesen Sie nähere Informationen.

Sie gestalten eine neue Kunsthalle für Osnabrück. Was werden die Besucherinnen und Besucher davon haben?

Ich gestalte eine neue Kunsthalle - das ist ein großes Wort. Ich möchte vor allem das Profil verändern. Ich möchte das Haus weiter öffnen. Und nun haben wir den Moment, der das erlaubt. Die Kunsthalle soll auch ein Treffpunkt werden, ein Treffpunkt, an dem man sehen und wahrnehmen, aber auch diskutieren kann. Ich wünsche mir eine Plattform für den Diskurs.

Ein Treffpunkt vielleicht auch für diejenigen, die den Austausch suchen, aber nicht sofort Kunst sehen möchten?

Heutzutage ist es schwer zu definieren, was Kunst eigentlich ist. Natürlich geht es hier immer um Kunst, aber für mich ist Kunst mit dem Leben eng verbunden. Kunst ist ein Instrument dafür, sich selbst und seine Lebenswelt besser zu verstehen. Dafür kann man aus ganz unterschiedlichen Richtungen kommen.

Ab dem 5. Juni beantworten Sie an drei Abenden „Drei Fragen an Julia Draganovic“. Worum geht es dabei?

Es geht um drei Themenkomplexe, die dazu dienen sollen, Kunst besser zu verstehen. Dabei sollen vor allem jene Menschen zu einer Beschäftigung mit Kunst ermutigt werden, die bislang das Gefühl hatten, dass dafür ein ausgesprochenes Expertenwissen erforderlich ist. Jeder hat die Mittel, eine eigene Position zur zeitgenössischen Kunst einzunehmen. Wir haben deshalb versucht, einfache Themen in den Vordergrund zu stellen. Am 5. Juni beginnen wir mit der Frage danach, wer denn Autor der Kunst ist. Die Thematik passt deshalb besonders gut, weil die Kunsthalle zur gleichen Zeit im Zeichen des Projektes „24/7“ für die unterschiedlichsten Autoren geöffnet ist. Wir laden jedermann ein, hier als Autor selbst aufzutreten. Diese Erfahrung soll mit der Diskussion noch einmal akzentuiert und in den Vordergrund gerückt werden.

Was können wir von der Beschäftigung mit aktueller Kunst erwarten. Hier lesen Sie eine Einführung in die Diskussionsreihe „Drei Fragen an Julia Draganovic“.

Kunst hat doch eigentlich etwas mit Sehen zu tun? Warum braucht man aber gerade das Gespräch, um aktuelle Kunst zu verstehen?

Kunst hat immer mit Sehen und Erfahrung zu tun. Das Gespräch bereichert die Erfahrung. Ich bin begeistert von dem Gedanken Heinrich von Kleists, nach dem sich der Gedanke beim Sprechen entwickelt. Dadurch kann jeder sein eigenes Verständnis der Kunst vertiefen.

Gegenwartskunst ist vielen Menschen ein Rätsel. Warum trägt sie dennoch dazu bei, dass wir unser Leben besser verstehen?

Das Leben ist doch auch ein Rätsel. Das hat das Leben mit der Kunst gemein. Wir könnten es alle gut gebrauchen, wenn wir uns den Rätseln des Lebens besser stellen würden. Die Kunst ist zuweilen kantig und unverständlich. Ich hoffe, dass viele Menschen, die die Kunsthalle besuchen, feststellen, dass es nicht so schlimm ist, wenn man nicht alles versteht. Wir haben dennoch die Mittel, uns Dingen anzunähern, die uns auf den ersten Blick unverständlich erscheinen.

In Ihrer ersten Ausstellung ab September lassen Sie Installationskünstler Michael Beutler die Kunsthalle inszenieren. Warum haben Sie sich für Beutler entschieden?

Ich habe mich an Michael Beutler gewendet, weil ich schon einmal das Glück hatte, eine seiner Installationen in Neapel zu zeigen. Beutler hat ein ausgezeichnetes Gefühl für den Raum. Er besitzt auch die Fähigkeit, seine Ideen selbst umzusetzen, weil er handwerklich ausgesprochen gut ausgebildet ist. Zudem kommt dieser Künstler aus Niedersachsen. Das kommt meiner Absicht entgegen, meinen Fokus auch wieder mehr auf Deutschland zu richten. Ich zeige übrigens nicht nur Beutler. Der Künstler hat sich den Architekten Etienne Descloux dazu geladen. Es wird eine Doppelausstellung geben. Beide werden die Renovierung der Kunsthalle gleichsam fortsetzen. Beutler schafft für die Kunsthalle eine Installation, die die Dauer der Ausstellung überleben wird. Dafür arbeitet er mit einem Architekten zusammen, der eine reiche Erfahrung in der Gestaltung von Kunsträumen besitzt. Der Titel der Ausstellung lautet: Michael Beutler - Architekt, Etienne Descloux - Künstler.

Was macht die Kunst von Michael Beutler aus? Hier lesen Sie, wie seine Ausstellungen in Bielefeld und Krefeld aussehen.

Was wird das Ergebnis für die Besucher sein?

Dieses Projekt wird die Kunsthalle aus einer neuen Perspektive zeigen. Der Raum der Kunsthalle präsentiert sich nach 20 Jahren auch ein wenig erschöpft, ein wenig mit den Spuren der Abnutzung. Wir haben das große Glück, dass die Renovierung schon vor meinem Amtsantritt geplant war. Beutler und Descloux wollen das weiter vorantreiben. Ihre Installation soll dazu beitragen, die Kunsthalle zu einem Treffpunkt zu machen. Der Raum wird wieder in den Blickpunkt gerückt.

Was kommt nach Michael Beutler?

Nach Michael Beutler kommt eine Reihe von Performances. Mehr verrate ich noch nicht. Aber es wird spannend.

Hand aufs Herz: Ihr Lieblingsort in Osnabrück außer der Kunsthalle?

Mein Zuhause. Es gibt aber natürlich noch viele Orte, die mir gut gefallen. Das Heger Holz zum Beispiel. Da gehe ich spazieren. Ich besuche gern das Lieblings-Café. Und ich mag die Stadtgalerie, auch jenseits meiner beruflichen Bezüge wegen ihrer angenehmen Bewirtung durch die Heilpädagogische Hilfe Osnabrück.


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