Protest vor Flüchtlingshaus Brief kam zu spät: Keine Abschiebung aus Osnabrück

Von Rainer Lahmann-Lammert

Knapp 100 Unterstützer sammelten sich vor der Flüchtlingsunterkunft an der Petersburg, um die Abschiebung eines Flüchtlings aus Pakistan zu verhindern.  Foto: Lahmann-LammertKnapp 100 Unterstützer sammelten sich vor der Flüchtlingsunterkunft an der Petersburg, um die Abschiebung eines Flüchtlings aus Pakistan zu verhindern. Foto: Lahmann-Lammert

Osnabrück. Ein junger Pakistaner sollte am Mittwochmorgen von Osnabrück nach Ungarn abgeschoben werden. Vor der Flüchtlingsunterkunft an der Petersburg versammelten sich knapp 100 Menschen, um das zu verhindern. Doch es passierte nichts. Bei der Ausländerbehörde hatte es ein Problem mit der Zustellung des Briefes gegeben.

Den Bescheid erhielt der junge Mann am Mittwoch gegen 9 Uhr vom Hausmeister der Unterkunft. Da war der Abholungstermin längst überschritten: Um 6.30 Uhr solle er sich vor dem Haus zur Abholung bereithalten, heißt es im Schreiben der Ausländerbehörde. Ob jemand zur fraglichen Zeit vor der Tür stand, ist nicht bekannt. Der zur Abschiebung bestimmte Flüchtling fürchtet nun, dass seine Abwesenheit ihm Ärger mit der Behörde bereiten könnte.

Unterstützer, die sich gegen 10.30 Uhr vor dem Wohnheim versammelten, beruhigten ihn: Er habe es doch nicht zu verantworten, dass ihm das amtliche Schreiben zu spät ausgehändigt wurde. Über eine Telefonkette hatten sich die Abschiebungsgegner untereinander informiert. Innerhalb kurzer Zeit sammelte sich eine bunte Traube von Menschen vor dem ehemaligen Behördenhaus, über dessen Eingang ein Relieff mit dem Antlitz von Johann Wolfgang Goethe humanistische Werte verkörpert.

Am Freitag vergangener Woche hatte die Anwesenheit von mehr als 70 Demonstranten die Abschiebung eines jungen Somaliers in die Niederlande verhindert. Doch dieses Mal blieb es bei der symbolischen Solidaritätsbekundung für die Flüchtlinge, aber nichts geschah.

Etwas ratlos blickten sich die Unterstützer an, bis sich Philipp Ströhle von der Arbeitsgruppe Flüchtlinge des Rosenplatzquartiers vor das Säulenportal stellte und erklärte, warum der Alarm ausgelöst worden war. Gegen 11 Uhr löste sich die Versammlung langsam auf.

Der Adressat des Bescheids wird wohl demnächst einen neuen Termin bekommen. Er ist über Ungarn nach Europa gekommen und soll deshalb in dieses vermeintlich sichere Drittland abgeschoben werden. Gegenüber unserer Zeitung erklärte der junge Pakistaner, er habe keine guten Erinnerungen an Ungarn. Als Flüchtling sei er dort gleich ins Gefängnis gesteckt worden, und das blühe ihm jetzt wohl auch.