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Freiraum nicht geräumt Kulturverein Petersburg lässt Ultimatum verstreichen

Von Sebastian Stricker

Der Kulturverein Petersburg hat die Aufforderung der Zion GmbH missachtet, seinen „Freiraum“ auf dem ehemaligen Güterbahnhof bis Freitagmittag zu räumen. Foto: Michael GründelDer Kulturverein Petersburg hat die Aufforderung der Zion GmbH missachtet, seinen „Freiraum“ auf dem ehemaligen Güterbahnhof bis Freitagmittag zu räumen. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Der Kulturverein Petersburg hat am Freitag ein Ultimatum der Zion GmbH verstreichen lassen, seinen „Freiraum“ auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände bis 12 Uhr mittags zu räumen. Die Eigentümerin reagierte scheinbar gelassen auf die missachtete Aufforderung und unternahm vorläufig nichts.

Zwar tauchte kurz nach Ablauf der Frist tatsächlich ein Radlader im Außenbereich des angrenzenden Probenraumzentrums auf und sorgte für Aufregung. Schnell stellte sich aber heraus, dass das Baufahrzeug nicht im Auftrag von Zion, sondern auf Bestellung von dessen Mieter Carsten Gronwald angerollt war, um einen schweren Generator zu transportieren. Gronwald und Zion GmbH streiten sich gegenwärtig vor dem Landgericht um die Räumung des Probenraumzentrums. Ein Urteil wird Ende Mai erwartet.

Auch im weiteren Verlauf des Nachmittages blieb es ruhig am Freiraum Petersburg – was darauf schließen lässt, dass Zion GmbH mit Geschäftsführer Ralf Gervelmeyer und Kulturverein möglicherweise hinter den Kulissen weiter nach einer Lösung suchen, die beide Seiten ihr Gesicht wahren lässt. Dem Kulturverein käme diese Art der diplomatischen Konfliktbeilegung sicher zupass, gewänne er dadurch doch wertvolle Zeit: Am Samstag, 24. Mai, soll nämlich am Freiraum Petersburg das Festival „Living Inter! Culture“ steigen – eine Veranstaltung, die das Thema „Migration, Asyl und Leben in Osnabrück“ in den Mittelpunkt stellt. Bei einer Räumung des Geländes wäre das Festival gefährdet – was unter anderem auch die Stadt Osnabrück, die Menschenrechtsorganisation „terre des hommes“ und das Hilfswerk HelpAge als Mitorganisatoren in Bedrängnis bringen würde.

Vor genau diesem Hintergrund ist jedoch auch eine andere Erklärung für Zions Stillhalten am Freitag denkbar: Möglicherweise will Gervelmeyer die Stadt in dieser Frage bewusst nicht düpieren – schließlich hat er mit ihr noch wichtige Fragen im eigenen Interesse zu klären. Unter anderem plant die Evangelische Freikirche „Lebensquelle“, bei der Gervelmeyer Mitglied ist, auf dem ehemaligen Güterbahnhof die Errichtung einer Versammlungsstätte mit einem Fassungsvermögen von bis zu 3000 Menschen. Dafür bedarf es eines entsprechenden Bebauungsplanes, den nur Rat und Verwaltung aufstellen können. Außerdem liegen Zion GmbH und Stadt im Clinch über den vertraglich vereinbarten Kauf eines Grundstücksteils, der den Durchstich zum Hauptbahnhof ermöglichen soll.


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