Schätze des Grafikers Rolf Hahnel Jakob Bartnik entdeckt alte Kinoplakate

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Zwischen Marika Rökk und Walter Müller: Jakob Bartnik in seinem neuen Atelier. Foto: Jörn MartensZwischen Marika Rökk und Walter Müller: Jakob Bartnik in seinem neuen Atelier. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Kinoarchäologie in Osnabrück: Mit einem Zufallsfund eröffnet Jakob Bartnik sein neues Atelier. Beim Renovieren entdeckte der Künstler verloren geglaubte Fragmente aus dem Schaffen des Osnabrücker Kinoplakatmalers Rolf Hahnel aus den 50er Jahren.

Osnabrück.

„Mädchen ohne Moral“ locken! Mitten im Raum weckt eine Tafel mit elegantem Schriftzug die Neugierde auf einen längst vergessenen Film aus dem Jahr 1952. Und auch sonst geht es nostalgisch zu im neu eröffneten Atelier des Osnabrücker Künstlers Jakob Bartnik in einem Hinterhaus in der Lotter Straße.

In einer Ecke durchleuchten die strahlenden Augen des Operettenfilmstars Walter Müller den frisch gestrichenen Raum, auf der anderen Seite blickt dem Betrachter Marika Rökk entgegen. Anderswo im Raum sind Fragmente des bearbeiteten Plakats zu „Hotel Adlon“, einem Melodram von 1955, zu erblicken. Tafeln an einer Wand verkünden die Spielzeiten von „Dick und Doof“-Filmen, dem Historiendrama „Rasputin“ oder „ Robin Hood, König der Vagabunden “.

Entdeckt hat Bartnik diese Kinomemorabilien beim Renovieren einer früheren Wohnung, die nun zu seiner neuen Wirkstätte umgebaut wurde: „Die Plakate waren früher auf Pappholz-Trennwänden befestigt, die den Raum teilten“, sagt Bartnik. Die Überraschung, plötzlich in das Auge von Filmstars zu blicken, war dabei groß. Schnell fand Bartnik jedoch heraus, dass es sich um Fragmente des Werkes von Rolf Hahnel handeln musste. 1910 geboren, verzierte der ausgebildete Gebrauchsgrafiker in den 50er-Jahren die Fassaden der Kinos „ Ritz “, „Roxy“ und „ Rosenhof “ mit den übergroßen Konterfeis der Filmstars jener Zeit. Bislang ging man davon aus, dass keines seiner Werke überlebt hat.

Umso schöner die Wiederentdeckung, die nun als leicht lädierte Zeugnisse von einer längst vergangenen Osnabrücker Kinoalltagskultur künden. Wobei die Patina der Plakate, gelegentliche Löcher sowie viele Nagelspuren die Bilder in die Nähe der Pop-Art rücken, wie sie in den 60er-Jahren Andy Warhol prägte, oder an die Decollagen des Italieners Mimmo Rotella erinnern. Fragmente früherer Kinoträume, die mit Sprühpistole und Pinsel aufgetragen wurden, strahlen nun als Farbtupfer auf den weiß gestrichenen Wänden und verleihen dem Raum eine poetische Kraft. Früher nur Wegwerfgrafik, verwandelt die schöne Hängung sie nun in Kunst. Und versetzt einen perfekt in Kinonostalgie. Vorhang auf!

Besucht werden kann die Galerie nach Vereinbarung, die Kontaktdaten sind auf der Homepage von Jakob Bartnik zu finden. Web-Adresse: jakobundmanila.de


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