Demonstranten schützen Somalier Osnabrücker verhindern Abschiebung von Flüchtling

Von Ulrike Schmidt


Osnabrück. Mehr als 70 Demonstranten haben am Freitagmorgen die Abschiebung eines somalischen Flüchtlings verhindert. Sie blockierten die Eingänge zum Asylbewerberheim An der Petersburg. Die Polizei und Mitarbeiter der Braunschweiger Außenstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge zogen unverrichteter Dinge wieder ab.

Ahmed aus Somalia sollte um 9 Uhr abgeholt und in die Niederlande überstellt werden. Während sich der 26-Jährige mit anderen Bewohnern an der Petersburg im Wohnheim aufhielt, sammelten sich ab 8 Uhr auf der Straße Demonstranten, um die beiden Zugänge zu dem Wohnheim zu blockieren. Wie bei den beiden Demonstrationen gegen Abschiebung setzte sich auch am Freitagmorgen die Gruppe vor dem Wohnheim bunt zusammen: Vertreter von kirchlichen und sozialen Einrichtungen waren ebenso dabei wie Anlieger und junge Leite aus der migrationspolitischen Initiative „No Lager“ .

Beim Eintreffen der Polizei kurz vor 9 Uhr hatten sich die Reihen vor dem Haupt- und dem Hintereingang fest geschlossen. Philipp Stroehle von der Arbeitsgruppe Flüchtlinge des Rosenplatzquartiers meldete kurzerhand eine Versammlung an. Mit der Versicherung, dass die Aktion friedlich bleibe und die Demonstranten nicht die Straße blockierten, zog sich die Polizei wieder zurück. Auch ein Wagen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, in dem Ahmed abgeholt werden sollte, fuhr an dem Wohnheim nur vorbei.

Der junge Somalier konnte danach wieder lachen und fiel seinen Mitbewohnern und den Unterstützern in die Arme. In den Niederlanden müsste er vielleicht auf der Straße leben, sagte Anke Jacobsen, grüne Ratsfrau und Vorsitzende des Sozialausschusses, die sich den Demonstranten angeschlossen hatte. Nach ihren Informationen setzten die niederländischen Behörden Flüchtlinge, deren Asylbegehren abgelehnt wurde, ohne finanzielle Hilfe auf die Straße. „Was tun die ihrem Land an, wenn sie damit Kriminalität geradezu herausfordern?“, sagte sie kopfschüttelnd.

Die Demonstranten waren über eine Telefonkette über die angekündigte Abschiebung informiert worden, die die Arbeitsgemeinschaft Flüchtlingshilfe im Rosenplatzquartier organisiert hat. Rund um die Rosenplatz , wo rund 100 Asylsuchende einquartiert wurden, haben sich Bürger, Kirchenvertreter und der Raspo Sportverein zusammengeschlossen, um die Flüchtlinge willkommen zu heißen und ihnen das Einleben in Osnabrück zu erleichtern.

Nachdem bekannt geworden war, dass 80 Flüchtlinge nach dem Dubliner Abkommen wieder abgeschoben werden sollte, formierte sich Widerstand. Bereits im März war eine Abschiebung in Osnabrück verhindert worden. Das Dubliner Abkommen schreibt vor, dass nur in dem Land Asylanträge bearbeitet werden dürfen, in das die Flüchtlinge zuerst eingereist sind. Da Deutschland mitten in Europa liegt, kommen die meisten Asylbewerber über Drittländer hierher. Anmeldungen für die Telefonkette sind möglich unter der E-Mail-Adresse philipp.stroehle@mail.de .

Der NDR will in der Sendung „Hallo Niedersachsen“ am kommenden Montag um 19.30 Uhr über das Thema Abschiebungen und dabei auch über die Aktion vor dem Osnabrücker Flüchtlingswohnheim berichten.