Aktion vor der Ausländerbehörde Flüchtlinge bitten: Lasst uns bleiben

Vor dem Stadthaus mit der Ausländerbehörde demonstrierten am Donnerstagnachmittag Flüchtlinge und baten darum, in Deutschland bleiben zu dürfen.Foto: Jörn MartensVor dem Stadthaus mit der Ausländerbehörde demonstrierten am Donnerstagnachmittag Flüchtlinge und baten darum, in Deutschland bleiben zu dürfen.Foto: Jörn Martens

Osnabrück. „Keine Grenzen, keine Nationen, keine Abschiebungen“, riefen die Flüchtlinge. In einer spontanen Aktion baten Asylbewerber aus Osnabrück, denen die Abschiebung droht: „Bitte tun Sie etwas für uns!“

Unterstützt von der migrationspolitischen Initiative „No Lager“ Osnabrück, protestierten 60 Menschen gegen drohende Abschiebungen. Da sie über andere Länder nach Deutschland eingereist sind, sollen sie nach dem EU-Dublin-Abkommen in das Land abgeschoben werden, in dem sie zuerst registriert wurden.

Der 22-jährige Cabdi aus Somalia lebt seit sieben Monaten in Osnabrück und soll im kommenden Monat die Stadt wieder in Richtung Italien verlassen. Er ist über Lampedusa eingereist. Bleiben darf seine Frau, die im sechsten Monat schwanger ist. Die junge Familie würde auseinandergerissen, ohne zu wissen, wann und wo sie sich wiedersehen.

Hassim ist aus Pakistan geflüchtet. Bei seiner Ankunft in Europa wurde sein Fingerabdruck in Griechenland registriert. Wegen „schwerwiegender Mängel“ im Asylsystem schiebt Deutschland seit einigen Jahren keine Asylbewerber zurück nach Griechenland. Deshalb soll der junge Pakistani nach Ungarn geschickt werden. Dort, so erzählt er von den Erfahrungen anderer pakistanischer und afghanischer Flüchtlinge, gebe es keine ausreichenden Unterkünfte. Deshalb würden Flüchtlinge für mehrere Monate in Haft genommen.

Einige der Flüchtlinge zogen im Bürgeramt eine Nummer und überreichten den Mitarbeitern, wenn sie aufgerufen wurden, einen Zettel mit folgendem Text: „Wir wollen hier leben, bitte helfen Sie uns! Wir alle haben große Probleme! Wir sind auf schwierigem Weg hierhergekommen und möchten nicht in ein anderes Land abgeschoben werden! Wir sind alle Menschen, und bitte tun Sie etwas für uns!“

Eine Streife der Polizei ließ die friedlichen Demonstranten gewähren, obwohl die Kundgebung nicht angemeldet war. Die beiden Beamten vermittelten allerdings, als die gesamte Gruppe im Stadthaus 1 mit Vertretern der Ausländerbehörde das Gespräch suchte.

Mitarbeiter Horst Bleischwitz bat um Verständnis, dass wegen des Umbaus der Platz begrenzt sei und nicht für alle reiche. Daraufhin trugen acht Asylsuchende Vertretern der Ausländerbehörde ihr Anliegen vor, die anderen setzten ihre Kundgebung vor dem Stadthaus fort.

In zwei Demonstrationen haben sich zahlreiche Osnabrücker in den vergangenen Wochen für ein Bleiberecht der Flüchtlinge eingesetzt. Im Rosenplatz-Quartier, in dem viele Flüchtlinge leben, hat sich eine Initiative zur Unterstützung der Neubürger gebildet. Anwohner, Mitglieder der katholischen Kirchengemeinde St. Josef und der Sportverein Raspo bemühen sich, den Asylbewerbern das Einleben zu erleichtern, und bieten unter anderem ehrenamtlich Deutschunterricht an.

Im März hatten Mitglieder von „No Lager“ und Anwohner eine Abschiebung verhindert, indem sie die Tür zur Flüchtlingsunterkunft An der Petersburg blockierten.


6 Kommentare