Sammlung für Baby-Notarztwagen in Osnabrück Spendenaktion der Steiger-Stiftung irritiert

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Matthias Herkenhoff zeigt, dass die Rettungswagen in Osnabrück mit Transport-Inkubatoren ausgestattet werden, wenn es einen Baby-Notfall in Osnabrück und der Umgebung gibt. Foto: Michael GründelMatthias Herkenhoff zeigt, dass die Rettungswagen in Osnabrück mit Transport-Inkubatoren ausgestattet werden, wenn es einen Baby-Notfall in Osnabrück und der Umgebung gibt. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Die Björn-Steiger-Stiftung ist wegen einer fragwürdigen Spendenaktion in Osnabrück in Bedrängnis geraten. Ein Repräsentant der seit 45 Jahren tätigen Stiftung warb im „Allfrisch“-Supermarkt an der Lotter Straße für einen Baby-Notarztwagen in Osnabrück, obwohl es dafür in Stadt und Landkreis nach Angaben des Christlichen Kinderhospitals Osnabrück (CKO) und des städtischen Rettungsdienstes überhaupt keinen Bedarf gibt.

Der Mann, der am Montag im Eingangsbereich des Supermarktes Spenden einwirbt, ist sehr engagiert. Als seine Gegenüber das Spendenformular dennoch nicht vor Ort ausfüllen möchten und sich vor einer Spende lieber noch einmal im Internet über die Stiftung und ihr Anliegen informieren möchten, sagt er, dass das Geld dann aber nicht mehr zweckgebunden für einen Osnabrücker Baby-Notarztwagen eingesetzt werde, sondern für einen Baby-Notarztwagen irgendwo in Deutschland. Die potenziellen Spender sollten bedenken, dass die Mitnahme von Säuglingen auch abgelehnt werden könne. Er selbst habe so etwas schon einmal erlebt. Eines seiner drei Kinder sei fast dabei ums Leben gekommen, als er es selbst ins Krankenhaus habe bringen müssen. Seitdem arbeite er für die Stiftung.

Der Geschäftsführer des CKO, Michael Winkler, kommentiert, dass so etwas in Osnabrück und in der Region ausgeschlossen sei, weil das CKO als sogenanntes „Level-1-Zentrum“ die Verpflichtung zu einer 24-Stunden-Transportbereitschaft habe. Die beschriebene Spendenaktion der Steiger-Stiftung hält er für „Schmu“. Bevor überhaupt Spenden für einen Baby-Notarztwagen in Osnabrück eingeworben werden, müsste sowohl beim Rettungsdienst der Stadt als auch beim CKO nachgefragt werden, ob überhaupt der Bedarf bestehe. Bei zuletzt 36 Baby-Transporten pro Jahr aus Osnabrück und der Umgebung sei die Unterhaltung eines solchen Baby-Notarztwagens viel zu teuer. Da es laut Winkler und der ärztlichen Leiterin des Rettungsdienstes der Stadt Osnabrück, Nicole Steinsiek, im Vorfeld nicht einmal ein Gespräch mit der Stiftung gegeben habe, werde es keinen Baby-Notarztwagen geben, selbst wenn das von einem Stiftungsvertreter als Verwendungszweck versprochen worden sein sollte. In Osnabrück und der Region gebe es dafür keinen Bedarf, weil die regulären Notarztwagen bei Säuglingsnotfällen mit mobilen Inkubatoren ausgestattet würden, die beim Transport von Frühgeborenen und schwer erkrankten Neugeborenen notwendig sind. Zudem gebe es einen gedämpften Tragetisch, der die Erschütterungen reduziere. Ein Unterschied sei, dass im Steiger-Baby-Notarztwagen die Babys quer und nicht längs transportiert würden, doch es sei nicht hinreichend belegt, dass das Transportrisiko dadurch geringer sei. Eine Anfrage unserer Zeitung zu der Spendenaktion ließ die Stiftung unbeantwortet.


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