Lebhafte Kunstmusik Konzert des oh ton-ensembles in Osnabrück

Von Tom Bullmann


Osnabrück. Das oh ton-ensemble spielt „Junge Wilde“, hieß es in der Ankündigung. Was dann tatsächlich im Theater- und Konzertsaal des Instituts für Musik (IfM) der Hochschule Osnabrück passierte, kann man auch als Konzert des Oldenburger Ensembles für Neue Musik bezeichnen, das dem Publikum sechs Kompositionen zeitgenössischer Komponisten präsentierte.

Wie „wild“ sich diese Musik gebärdet, bekommt man gleich zu Beginn zu spüren: Ein Musiker greift zu einer Weihnachtsbaumkugel, holt aus und zerschmettert sie auf dem Fußboden. Der durchaus aggressive Akt bildet das Intro zu der Komposition „Rundumschlag“ von Brigitta Muntendorf . Mit Flöte, E-Gitarre, Piano, Perkussion und Violoncello loten die Musiker des oh ton-ensembles aus, wie man Musik mit anderen Kunst- und Ausdrucksformen verbinden kann.

So steht Cellistin Marie Schmit beispielsweise plötzlich auf, steigt auf eine Leiter und lässt als Gegenentwurf zu den teilweise schweren Tönen eine Feder zu Boden schweben.

Die „Study for String Instrument #3“ von Simon Stehen-Andersen sprengt nicht nur den Rahmen akustischer Hörgewohnheiten, sondern auch die Behandlung der Instrumente: Cello und E-Gitarre werden auf den Kopf und zur Seite gedreht.

Dass man gar keine konventionellen Instrumente braucht, um Musik zu machen, beweisen Schlagzeuger Michael Pattmann, Saxofonist Mark-Lorenz Kysela und Pianist Thomas Hell mit dem Stück „Shopping 4“. Mit drei präparierten, blauen Luftballons erzeugen sie mithilfe von Holzstäbchen und Schwämmen Quietsch- und Rubbel-Töne, die sich zu einem rhythmischen Gefüge vereinen, bei dem man das Gefühl bekommt, sogar die Tonhöhen seien vorgegeben.

Ali Gorji und Professorin Irmgard Brockmann , die das Studienprofil Komposition, Musiktheorie und Gehörbildung am Institut für Musikleiten, haben das oh ton-ensemble aus Oldenburg eingeladen, um Studierenden und Musikinteressierten lebhafte Beispiele für die verschiedenen Facetten zeitgenössischer Kunstmusik vorzustellen.

Mit Kompositionen von Karin Haussmann, Daniele Bravi und Jagyeong Ryu werden sie diesem Anspruch gerecht. So zeugt Bravis Stück „Metempsicosi“, dargeboten von Flötistin Keiko Murakami, von der Motivation, den Raum mithilfe von Tönen zu erforschen und dessen Grenzen auszuloten.


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