Das Hoffen auf den Aha-Effekt Kinder-Werk der Universität Osnabrück eröffnet

Die Neugier muss ständig geweckt werden: Das zeigte Hartmut Wedekind während seines Vortrags. Foto: privatDie Neugier muss ständig geweckt werden: Das zeigte Hartmut Wedekind während seines Vortrags. Foto: privat

Osnabrück. Es ist ein Ort, an dem Kinder, Pädagogen sowie angehende Erzieher und Lehrer gemeinsam forschen und lernen können. Profitieren sollen sie alle davon – Neugier wecken heißt bei den Kleinen das Ziel, Praxiserfahrung im Umgang mit Kindern sammeln sollen dagegen die Lehramtsstudenten. Jetzt ist in der Johannisschule das Kinder-Werk eröffnet worden. Es ist die vierte Hochschulwerkstatt der Universität Osnabrück im Fachbereich Erziehungs- und Kulturwissenschaften.

Das Angebot richtet sich an Kinder von drei bis zehn Jahren. Bisher konnten zwar nur welche aus dem Kindergarten und der Grundschule in Riemsloh dafür gewonnen werden. Das soll sich aber bald ändern. „Es sollen noch Kinder aus anderen Einrichtungen dazukommen. Wir wollen diesen neuen Lernort nun auch in der Stadt Osnabrück bewerben“, so Ulrike Graf, Professorin am Institut für Erziehungswissenschaft an der Uni. Sie hat sich für das Kinder-Werk eingesetzt, es wesentlich mitkonzipiert und – wie Hilmar Hoffmann vom Fachgebiet Elementarpädagogik/Frühkindliche Bildung betonte – „das Ganze fast im Alleingang gestemmt.“

Neben zahlreichen Helfern aus Studenten- und Dozentenschaft unterstützte sie dabei das Präsidium der Uni, das eine Anschubfinanzierung bewilligte, sowie die Stadt Osnabrück, die es ermöglicht hat, das Kinder-Werk in der Johannisschule einzurichten. Dort werden nun die Kinder zusammen mit Studenten lernen und experimentieren können – drei Seminare an der Uni sind bisher an das Kinder-Werk angedockt, die Teilnehmer werden regelmäßig den neuen Lernort besuchen, um mit den Kindern bestimmte Lernmethoden zu erproben. Weitere Seminare sollen bald noch folgen.

Voneinander lernen

Den Kindern beim Lernen zu helfen und ihre Neugier zu wecken ist nur ein Aspekt bei dieser neuen Einrichtung. Vielmehr sollen auch die Studierenden einen wertvollen Nutzen aus der Begegnung mit den Kleinen ziehen. „Es ist eine Bereicherung für die Studierenden. Die Erfahrung mit den Kindern kann für sie sehr prägend sein“, so Ingrid Kunze, die Vorsitzende des Zentrums für Lehrerbildung an der Uni Osnabrück. In die gleiche Kerbe schlug auch Ulrike Graf. Die Studierenden können wertvolle Erfahrungen sammeln und ihren Umgang mit den Kindern anschließend reflektieren. Das Kinder-Werk biete eine hervorragende Gelegenheit für die Kinder und die angehenden Lehrer und Erzieher, voneinander zu lernen. „Wir schaffen eine Umgebung, in der es möglich ist, Fragen zu stellen und sich über Erkenntnisse und Erfahrungen auszutauschen“, erklärte Graf.

Auch Esther Diekers-Brümmers ist von den Vorteilen des Konzeptes überzeugt. Die 22-Jährige studiert Erziehungswissenschaften im zweiten Mastersemester. Zwar hat sie schon durch ein Praktikum im Kindergarten Praxiserfahrung sammeln können. Dennoch hält sie eine Einrichtung wie das Kinder-Werk für „unabdingbar“ für die zukünftigen Lehrer und Erzieher. „Man kann sein theoretisches Wissen dadurch auch in der Praxis ausprobieren. Vielleicht führt das bei manchen zu einem Aha-Effekt.“

Fortbildungen geplant

Doch nicht nur Kinder und Studierende sollen durch dieses neue Angebot angesprochen werden. Es sind Fortbildungen und Workshops geplant, an denen auch ausgebildete Lehrer und Erzieher teilnehmen sollen. „So können sich Studenten mit Personen austauschen, die bereits im Beruf stehen“, erzählte Hilmar Hoffmann.

Die Eröffnung des Kinder-Werkes markierte auch den Auftakt zur ersten Fortbildungsreihe für Elemtar- und Primarfachkräfte. Bis zum 1. Juli finden alle zwei Wochen Workshops statt, die sich unter anderem mit den Themen „Mathematik schon vor der Schule?“ und „Was erwartet mich als Schulkind?“ beschäftigen.

Zum Auftakt der Reihe sprach Hartmut Wedekind von der Alice-Salomon-Hochschule über „Das Phänomen als Lernanlass“. Seine Ausführungen gaben einen guten Vorgeschmack darauf, wie das gemeinsame Lernen im Kinder-Werk aussehen soll. Für ihn beginne das Verstehen nicht damit, dass ein Kind Formeln herunterbeten kann. Vielmehr müssen die Neugier und das Interesse der Kinder am Anfang stehen. „Sie lernen etwas, wenn sie sich selbst eine Frage zu einem Phänomen stellen und diese versuchen, dann zu beantworten. Lernen beginnt mit Verwundert-Sein“, so der Experte. Der Prozess des Verstehens gehe somit immer von dem einzelnen Kind aus, das sich versucht, die Welt auf eigene Faust zu erklären. Es sei eine wichtige Aufgabe für die Lehrer und Erzieher, die Neugier der Kinder ständig neu zu wecken und ihnen damit Lust aufs Lernen zu machen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN