Stadtteilkultur-Serie (4) Haste zwischen Tradition und Popkultur

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Technisch-ökologischer Lernort: Beim Familienfest 2013 an der Nackten Mühle in Haste faszinierte die große Säge die Besucher. Foto: Gert WestdörpTechnisch-ökologischer Lernort: Beim Familienfest 2013 an der Nackten Mühle in Haste faszinierte die große Säge die Besucher. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Kirche, Karneval und aktuelle Jugendkultur treffen in Haste aufeinander. Im vierten Teil unserer Serie „Stadtteilkultur“ stellen wir Haste vor, den fünftgrößten Stadtteil Osnabrücks.

Das Kloster Nette an einem Ende, der Hyde Park am anderen, dazwischen ein rege frequentierter Stadtteiltreff, der ökologische Lernort Nackte Mühle oder der Sportverein TuS Haste mit seiner äußerst aktiven Karnevalsabteilung: Der nordöstliche Stadtteil hat zwischen Tradition und Popkultur einiges zu bieten.

Wenn sich im Stadtteiltreff Haste die Breakdance-Gruppe trifft, schallen groovende Hip-Hop- und Soulklänge durch das Gebäude, zu denen die Tänzer ihre „Moves“ einüben, ihre Figuren, die sie mit „Backspin“ oder „Airtwist“ bezeichnen. Beschaulicher geht es beim Nähkurs für Frauen zu, derweil im bunt gestalteten „Toberaum“ die Jüngsten ihren Spaß haben. „Wir setzen auf offene Kinder- und Jugendarbeit“, erklärt Leiter Markus Fischer-Kiepe. Seit 20 Jahren arbeitet er in dem von der Familien-Bildungsstätte Osnabrück, kurz FaBi genannt, betriebenen Zentrum. Offen, das bedeutet, dass man sich als Nutzer nicht anzumelden braucht, sondern die flexibel betreuten Angebote zwanglos besuchen kann.

Nicht weit von dem Stadtteiltreff entfernt befindet sich ein weiterer Anziehungsort: die Nackte Mühle. Ob Kinder, die in Gummistiefeln unter der kundigen Anleitung von Betreuern den Bach und seine Lebewesen erkunden oder die sich mit ihren Eltern beim „Schausägen“ die historische wasserbetriebene Sägemühle erklären lassen, seit 1996 wird der technisch-ökologische Lernort regelmäßig zum Publikumsmagneten. „Wir haben unser Geschäft zwar gerade aufgegeben“, erklärt Eigentümer August Böhne, der hier mit seinem Bruder Hubert einen Handel mit Düngemitteln und Sämereien betrieb. Doch der Lernort soll – wohl mit anderen Partnern – unbedingt weitergeführt werden, so Böhne.

„Haste ist eine Karnevalhochburg“, betont derweil Erhard Fricke vom Bürgerverein Haste. Er verweist auf die Karnevalsabteilungen des Sportvereins TuS Haste und des Männergesangvereins Liederkranz Haste sowie auf den äußerst aktiven Spielmannszug Haste, der natürlich auch unterwegs ist, wenn die Narren rufen. Und im Kaffeehaus Osterhaus, früher ein beliebtes Ausflugslokal, trifft man sich, um den Schönklängen des Frauenchores Viva La Musica zu lauschen. Mit sakraler Kunst beschäftigt sich Dominikus Witte, ein echter Hasteraner, dessen Familie schon seit mehreren Generationen hier tätig ist. Sein Vater Willi Witte hat beispielsweise die Portalfiguren des Osnabrücker Doms St. Peter geschaffen, derweil Großvater Ludwig Nolde und Enkel Dominikus für die Missionsschwestern im Kloster Nette tätig waren. So hat Dominikus Witte den gerade feierlich geweihten Altar und den Tabernakel der Hauskapelle am neuen Exerzitienhaus gestaltet. Für kunstinteressierte Besucher öffnet er gerne seine Ateliertore an der Bramstraße.

Dagegen fällt die Kultur im Hyde Park am anderen Ende des Stadtteils eher unheilig aus, denn der Rock’n’Roll, der hier bei Live-Konzerten zelebriert wird, kommt oft recht ruppig und immer lautstark daher. Erst seit der Jahrhundertwende gehören Diskothek und Livehalle zum Stadtteil Haste. Der vorherige Standort des Hyde Parks auf der anderen Seite des Fürstenauer Wegs gehörte noch zum Osnabrücker Hafen.


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