Insolvenzverfahren beendet Neustart für Bäckerei Middelberg mit altem Eigentümer

Neustart für Bäckerei Middelberg mit altem Eigentümer: Das Amtsgericht Osnabrück hat das Insolvenzverfahren aufgehoben. Foto: Gert WestdörpNeustart für Bäckerei Middelberg mit altem Eigentümer: Das Amtsgericht Osnabrück hat das Insolvenzverfahren aufgehoben. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück/Bad Iburg. Neustart für die zuletzt finanziell angeschlagene Bäckerei Middelberg: Das Amtsgericht Osnabrück hat jetzt das Insolvenzverfahren über die regionale Großbäckerei mit Sitz in Bad Iburg aufgehoben. Das Unternehmen musste in den vergangenen Monaten rund 40 unrentable Filialen schließen und 100 Arbeitsplätze abbauen.

Der Neustart soll nun mit 112 Filialen, insgesamt 540 Mitarbeitern und einem neuen Eigentümer gelingen. Dieser heißt Wilhelm Middelberg, der schon in früheren Jahren den Ton im Unternehmen angab. Einen entsprechenden Kaufvertrag hatte er einer Mitteilung zufolge bereits im Dezember 2013 unterzeichnet. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden. Für das Inkrafttreten war neben der Zustimmung der Gläubiger auch die Freigabe des Amtsgerichts nötig. Dies ist nun mit Wirkung zum 30. April geschehen.

„Die Bäckerei Middelberg geht als saniertes und neu aufgestelltes Unternehmen aus dem Verfahren hervor“, sagt Geschäftsführerin Anja Meister. Sachwalter Rüdiger Wienberg, der die Erfüllung des Insolvenzplans überwacht, wertet die Entscheidung des Amtsgerichts als „eindrucksvollen Vertrauensbeweis für den Sanierungsplan und den neuen Eigentümer“.

Wilhelm Middelberg hatte das Familienunternehmen 1991 mit damals acht Mitarbeitern in dritter Generation übernommen. Bis ins Jahr 2001 wuchs die Bäckerei auf 22 Filialen, im Jahr 2002 ging das Selbstbedienungs-Konzept „Baking Friends“ mit zunächst 15 Läden an den Start. Es folgte ein weiterer Ausbau des Filialnetzes.

Als Grund für die finanzielle Schieflage, die im September 2013 eintrat, führt das Unternehmen eine Expansionsstrategie unter Führung eines Finanzinvestors an, die nicht wie geplant aufgegangen war. Auch seien die Kosten für Rohstoffe und Energie signifikant gestiegen – durch höhere Preise sei dies nicht kompensierbar gewesen. Zudem habe sich der Wettbewerb deutlich verschärft: Mittlerweile gibt es bei den meisten Lebensmittel-Discountern billige Brötchen an eigenen Backstationen.

Von Aufstieg und Fall der Bäckerei Middelberg zeugen die Bilanzen der vergangenen Jahre. Zu besten Zeiten zählte Mittelberg insgesamt 183 Verkaufsstellen, vor allem in Nordrhein-Westfalen wurde die Erweiterung vorangetrieben. Zunächst ging der Plan offensichtlich auf: Von 2005 bis 2008 stieg der Umsatz von 12,5 auf 20,7 Millionen Euro, die Jahresabschlüsse weisen einen Gewinnanstieg von 944.000 Euro auf 2,9 Millionen Euro aus.

Nach dem Einstieg des Investors, der Deutschen Private Equity, im Januar 2009, zählte Middelberg schließlich zur Calvario Vermögensverwaltungsgesellschaft mit Sitz in Bad Iburg. Die wirtschaftliche Lage drehte sich rasch ins Negative: In den Büchern für das Jahr 2011 stand schließlich ein Minus von 5,9 Millionen Euro bei einem Umsatz von 33,9 Millionen Euro.

Zur „Sicherung des Fortbestandes“ vereinbarten die Gesellschafter schließlich im Juli 2011, vier Millionen Euro in die Kapitalrücklage einzuzahlen; außerdem erklärten sie einen Rangrücktritt ihrer Forderungen in Höhe von 14,6 Millionen Euro. Auch die Sparkasse Osnabrück gewährte später eine befristete Tilgungsaussetzung für einen Kredit in Millionenhöhe. Ende 2012 musste ein umfangreiches Restrukturierungskonzept aufgestellt werden, geht aus den Bilanzen hervor.

Der damalige Plan sah vor, 40 unrentable Filialen bis Ende 2015 zu schließen und im gleichen Zug 55 neue Standorte zu öffnen. Die finanzielle Schieflage konnte dies offensichtlich nicht mehr bremsen: Im vergangenen September musste die Bäckerei ein Schutzschirmverfahren, eine besondere Form des Insolvenzverfahrens, beantragen – nach der Sanierung soll nun der Neustart unter neuer alter Führung gelingen.

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