Georgs Kutsche hält zum Tee Welfen-Ausstellung „Verraten & verkauft“ in Osnabrück


Osnabrück. Was haben die Royals mit Osnabrück zu tun? Unter anderem das zeigt die Ausstellung „Verraten & verkauft“ im Kulturgeschichtlichen Museum.

Die Deko der jüngeren Zeit ist von der höfischen Kultur von damals beeinflusst. Museumsdirektorin Dr. Eva Berger kann das an einer Anekdote zur Ausstellung „Verraten & verkauft“ über die Welfen in Osnabrück bezeugen. Als eine Studentin die Figuren der Porzellanmanufaktur Fürstenberg gesehen habe, die in der Ausstellung ab Sonntag im Kulturgeschichtlichen Museum gezeigt werden, habe sie gesagt: „Solche hat meine Oma auch.“

Weil „Oma“ zu der Zeit noch gar nicht gelebt hat, kann Eva Berger damit deutlich machen, worum es ihr mit der Ausstellung unter anderem geht. „Ich finde es spannend, dass Geschichte es möglich macht, die Gegenwart besser zu verstehen“, sagt sie. In diesem Fall erfahren die Besucher etwa, wer das Osnabrücker Schloss gebaut hat und was die englische Königsfamilie mit der Stadt verbindet. Das alles hat mit den Welfen zu tun, die mit Georg I. 1714 den englischen König stellten.

Die Ausstellung setzt ein halbes Jahrhundert früher an, als Ernst August I. und Sophie von der Pfalz die Herrschaft im Hochstift Osnabrück übernahmen. Das Fürstenpaar baute auch das Schloss in der Stadt. Ernst August und Sophie wurde die Herrschaft durch eine Regelung im Westfälischen Friedensvertrag, der „alternativen Sukzession“, ermöglicht. Die schrieb vor, dass auf einen katholischen Fürstbischof im Hochstift Osnabrück ein evangelischer folgte und umgekehrt.

Ernst August gehörte zu den drei evangelischen Bischöfen aus dem Welfenhaus zwischen 1661 und 1802, der Zeit also, um die es in der Ausstellung geht.

Dokumentiert wird das unter anderem an Objekten wie einem Tafelservice von Ernst August, an Münzen, Karten und Gemälden. Ernst August und Sophie pflegten die höfische Kultur in ihrer Osnabrücker Residenz, bis sie 1679 nach dem Erbe des Fürstentums Calenberg nach Hannover zogen. 1692 wurde Ernst August außerdem Kurfürst von Hannover.

Außerdem prangt ein Porträt von Georg I. an der Wand des Museums. Er war der Sohn von Ernst August und Sophie und übernahm den britischen Thron, weil seine Mutter 1701 durch den Act of Settlement zur designierten Thronfolgerin der Monarchie geworden war.

Mit seinem Aufstieg zum britischen König begann vor 300 Jahren die Personalunion zwischen Hannover und England, die auch Einfluss auf das Fürstbistum Osnabrück hatte. Zum Gedenkjahr der Personalunion gibt es die Veranstaltungsreihe „Süße Früchte, schwarzer Tee. Barocke Lebenslust im Osnabrücker Land“, zu der die Ausstellung gehört.

In Hannover gibt es natürlich auch zahlreiche Veranstaltungen zum Thema. So stellt die Hannoversch Britische Gesellschaft die Reise Georgs zu seiner Krönung originalgetreu nach. Das beschert der Ausstellungseröffnung hohen Besuch: Denn die Reise führt durch Osnabrück, sodass Georgs Kutsche pünktlich zur Teatime am Sonntag vor dem Museum anrollen wird.

„Verraten & verkauft“ im Kulturgeschichtlichen Museum wird am Sonntag, 4. Mai, um 16.30 Uhr eröffnet und ist bis Sonntag, 20. Juli, zu sehen. Öffnungszeiten: Di.–Fr. 11 bis 18 Uhr, Sa./So. 10 bis 18 Uhr und an jedem ersten Donnerstag im Monat von 11bis 20 Uhr.


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