Uni-Präsident will keine Schneise Ohne Lebensgefahr über den Neuen Graben in Osnabrück


Osnabrück. Wer aus dem Schloss ins Freie tritt, kommt schnell unter die Räder. Mit Tempo 50 rasen die Autos am Torbogen vorbei, oft sogar noch schneller. Uni-Präsident Wolfgang Lücke setzt sich dafür ein, dass Passanten den Neuen Graben überqueren können, ohne sich in Lebensgefahr zu begeben. Die Stadt zeigt sich nicht abgeneigt.

„So ein schöner Campus“, sagt Präsident Lücke, und meint damit die Uni-Einrichtungen und die Mensa rund um das Schloss, aber ausgerechnet dort, wo sich der einstige Palast der Osnabrücker Fürstbischöfe von seiner schönsten Seite zeigt, zerschneide eine fünfspurige Fahrbahn die repräsentative Blickachse.

Lücke nennt den Neuen Graben eine „Behelfsautobahn“, und es stört ihn, dass Fußgänger auf dem 250 Meter langen Abschnitt zwischen der Stadthalle und der Lyrastraße nur erwünscht sind, wenn sie dem Autoverkehr nicht in die Quere kommen. „Das müsste heute nicht mehr sein“, vermerkt der 57-jährige Professor aus Göttingen, der im vergangenen Jahr an die Spitze der Osnabrücker Universität gewählt wurde.

Dem Präsidenten liegt es fern, den Individualverkehr infrage zu stellen, aber mit seinem unbefangenen Blick sagt er sich, dass die breite Schneise zwischen Schloss und Ledenhof nicht nur das universitäre Leben behindert, sondern auch die Stadtentwicklung.

Eingebettet zu sein in das städtische Leben, das mache doch gerade einen Campus aus, vermerkt Lücke. Ohne das kulturelle und gastronomische Umfeld bleibe die Universität ein Fremdkörper im Stadtbild. Leider sei in Osnabrück ausgerechnet die direkte Verbindung zur Redlingerstraße und zur Osterberger Reihe gekappt.

Auch auf dem zum Mauerblümchendasein verurteilten Ledenhof könnte mehr Leben sein, findet er: „Die Studierenden würden sich auch auf den Platz setzen“. Aber nicht, so lange sie mit eisernen Barrieren am Überqueren der Straße gehindert würden. Eine „gewisse Verkehrsberuhigung“ werde sich an einer so exponierten Stelle doch wohl realisieren lassen, gibt der Uni-Präsident zu bedenken. Eine „Brücke zur Stadt“ wäre ein Gewinn für alle, nicht nur für die Uni, wie er hinzufügt.

Mit seiner Forderung, die Demarkationslinie zu entschärfen, stößt Lücke auch bei Stadtbaurat Frank Otte auf offene Ohren. Am Neuen Graben werde sich demnächst ohnehin etwas verändern, sagt der Chef der Bauverwaltung. Die Umgestaltung des Neumarkts mache zum Beispiel eine Buswende am Ostflügel des Schlosses erforderlich.

Über die Reduzierung der Fahrspuren, die Entfernung der Barrieren und eine Durchlässigkeit für Fußgänger lohne es sich nachzudenken, sagt Otte. Aber dabei sei zu berücksichtigen, dass die Parkhäuser erreichbar bleiben müssten und dass der Bau des Einkaufszentrums am Neumarkt ebenfalls manches verändern werde.

Otte will jetzt Gespräche mit der Universität, dem Center-Investor mfi, den Evangelischen Stiftungen (sie betreiben das Altenheim am Ledenhof) und anderen Beteiligten führen. Seine Botschaft: Die Stadt nehme den Vorschlag des Uni-Präsidenten ernst und werde sich mit ihm um eine Lösung bemühen.


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