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47000 Unterschriften übergeben „Deutschland kann mehr als 1000 Flüchtlinge aufnehmen“

Von Rainer Lahmann-Lammert | 02.03.2017, 13:02 Uhr

Deutschland sollte mehr Flüchtlinge aus Griechenland aufnehmen, lautet die Forderung von Pro Asyl und der Osnabrücker Initiative „50 aus Idomeni“. In Berlin übergaben 40 Aktivisten 47200 Unterschriften an das Innenministerium.

Das trostlose Schicksal von Flüchtlingen, die in Griechenland an der mazedonischen Grenze gestrandet sind, hatten Menschenrechtler aus Osnabrück im Blick, als sie vor einem Jahr die Initiative „50 aus Idomeni“ gründeten. Im Mittelpunkt stand die Überlegung, dass eine Stadt wie Osnabrück genug Kapazitäten habe, um 50 Menschen aufzunehmen – und dass andere Städte diesem Beispiel folgen könnten. Generalvikar Theo Paul, der Verein Exil und andere Organisationen schlossen sich an. Über eine Online-Petition wurden bundesweit Unterschriften gesammelt.

Zeltstadt an der S-Bahn

Diese Unterschriften wollte die Initiative jetzt an das Innenministerium übergeben. Der Termin fand draußen statt. Unter einer S-Bahn-Überführung hatten die Aktivisten aus Osnabrück und Potsdam eine kleine Zeltstadt aufgebaut, um das passende Ambiente zu schaffen. Die Ärztin Renate Vestner-Heise, die vor einem Jahr den Anstoß zur Gründung der Initiative „50 aus Idomeni“ gegeben hatte, überreichte die Petition an Günter Thiermann, den Leiter des Stabs „Koordinierung der Flüchtlings- und Asylbewerberaufnahme“.

Im Namen der Unterzeichner forderte sie, dass Deutschland mehr als die derzeit monatlich 1000 Geflüchteten aufnehmen solle. „Wir sind sicher, dass ein Land wie Deutschland 27500 Menschen mehr sehr gut innerhalb von sechs Monaten verkraften kann. Für eine Stadt wie Osnabrück wären es 50 Personen mehr“, meinte Renate Heise.

Kritik an Abschottung

Bei einer Pressekonferenz hatte Pro-Asyl-Geschäftsführer Günter Burkhard kurz zuvor kritisiert, dass die im September 2015 EU-intern beschlossene Verteilung von 160000 Flüchtlingen aus Italien und Griechenland viel zu langsam laufe. Deutschland habe von seinem Anteil – den besagten 27500 Flüchtlingen – erst 2042 aufgenommen. Mit dieser Politik entwickle sich die Bundesrepublik „zu einem Motor der Abschottungsgemeinschaft Europa“, klagte Burkhardt. Die Zahlen seien erbärmlich. Landesweit stünden Unterkünfte leer. Es fehle der politische Wille.