Stadtspieler in Osnabrück Als Kirche und Rat noch die Klingen kreuzten

Von Ulrike Schmidt


Osnabrück. Die Osnabrücker Stadtspieler bereiten sich auf die neue Saison vor. Mit humorvollen Szenen führen sie durch die Stadtgeschichte, in der es auch Kämpfe gab. Damit die Fechtszenen glaubwürdig wirken, wird unter den wachsamen Augen eines Lehrers für Theaterfechten geprobt.

Die Wache des Bischofs begehrt Einlass in die Stadt. Die Stadtwächter stellen sich ihnen entgegen: Der Rat hat ihnen den Zutritt untersagt. Die Männer greifen zu ihren Degen und liefern sich einen Kampf auf Leben und Tod. „Gut“, lobt Karsten Hoffmann: „Vieles sitzt noch vom vergangenen Jahr.“

Im Jahr 2012 hatte der Lehrer für Szenisches Fechten erstmals die Stadtspieler beim Einstudieren unterrichtet. Der Geograf war damals als wissenschaftlicher Mitarbeiter an die Universität Osnabrück gekommen und wurde von der Laien-Truppe mit offenen Armen empfangen. „Wir sind froh, dass wir ihn haben“, sagt Organisatorin Margret Renzenbrink.

Hoffmann ficht seit 1997 . Von Anfang an hatte er sich für das Theaterfechten entschieden. Daneben gibt es noch das von Olympischen Spielen bekannte Sportfechten und historisches Fechten. 2008 errang Hoffmann einen Weltmeistertitel im Szenischen Fechten. In der Akademie der Fechtkunst Deutschlands machte er die Ausbildung zum Lehrer auf seinem Spezialgebiet.

Auch wenn von Hoffmanns Training im vergangenen Jahr noch vieles hängen geblieben ist – nichts ist so gut, dass man es nicht noch besser machen könnte. Und so übt er jetzt mit der Truppe Fechtstellung, Ausfallschritt, einen Schritt nach vorn und so weiter. Dann wird der „Kampf auf Biegen und Brechen“ zwischen Bischof und Rat noch einmal ausgefochten.

Eine Rolle wird immer mehrfach besetzt, weil nicht immer alle an allen Terminen teilnehmen können. Die Stadtspieler , derzeit acht Frauen und sieben Männer, sind eben Laien. Einige von ihnen sind schon seit Beginn vor mehr als zehn Jahren dabei – zum Beispiel Ralph Vorbach, inzwischen Rentner. Aus Spaß am Theaterspiel hat er vor einigen Jahren berufsbegleitend Theaterpädagogik studiert.

Bis auf eine kleine Winterpause wird jeden Dienstag trainiert. Dass das Hobby Spaß macht und sich die Truppe gut versteht, zeigt sich auch daran, dass Claudia Wälte an diesem Dienstag den Fechtschritt probt. In wenigen Tagen wird sie Mutter, der Geburtstermin ist für den 27. April errechnet.

Das ist genau zwei Tage nach der Premiere in dieser Saison. Am Freitag, 25. April, treten die Stadtspieler um 19.30 Uhr erstmals mit der Führung „Westfälischer Frieden“ an. Sonntag, 4. Mai, geht es um 16 Uhr mit der großen historischen Stadtführung weiter. Alle Termine im Internet unter www.stadtspieler-os.de/termine.php . Treffpunkt ist jeweils an der Rathaustreppe, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Saisonschluss ist am 5. Oktober. Wer schlau ist, wartet nicht so lange. Nach Margret Renzenbrinks Erfahrungen kommen anfangs nicht ganz so viele Teilnehmer. Aber bei der letzten Führung einer Saison wurden schon mal 100 Besucher gezählt.