Uni-Projekt „Ess-Kimo“ beendet Besser motiviert gegen die Ess-Sucht

Wertschätzung für Essgestörte: Katrin Hötzel, Dr. Silja Vocks und Ruth von Brachel (von links) bilden die „Ess-Kimo“-Projektgruppe. Foto: Marie-Luise BraunWertschätzung für Essgestörte: Katrin Hötzel, Dr. Silja Vocks und Ruth von Brachel (von links) bilden die „Ess-Kimo“-Projektgruppe. Foto: Marie-Luise Braun

Osnabrück. Mädchen und Frauen mit Essstörungen sitzen in einer Falle. Einerseits leiden sie unter ihrer Erkrankung, andererseits fühlen sie sich durch ihr Dünnsein gestärkt und haben mit ihren Essanfällen einen Kanal für negative Gefühle. Die Folge ist, dass viele keine Hilfe suchen. Einen Ausweg aus diesem Dilemma sollte ihnen das Internet-Projekt „Ess-Kimo“ bieten. Eine Evaluation zeigt jetzt, dass der Ansatz richtig ist.

„Die Ambivalenz in der Einstellung gegenüber ihrer Essstörung führt dazu, dass die Betroffenen oft nur wenig motiviert sind, etwas dagegen zu unternehmen“, erläutert Silja Vocks. Die Psychologie-Professorin der Universität Osnabrück hat das Projekt geleitet, das vornehmlich dazu dienen sollte, Betroffene zu einer Therapie zu motivieren. „Ess-Kimo ist kein Therapie-Ersatz“, betont Vocks.

Um bei Ess-Kimo dabei zu sein, mussten sich Interessierte anmelden – das konnten sie auch unter einem Pseudonym tun. „Bei vielen Frauen ist die Scham groß, auch deshalb sind sie gehemmt, sich Hilfe zu holen. Die Anonymität des Internets ist hier also gut“, sagt die Professorin.

Sechs Sitzungen umfasste das Angebot, das die Teilnehmerinnen wöchentlich absolvieren sollten. Die Sitzungen informierten über die negativen Folgen der Essstörung – körperliche, seelische und psychische. Die Teilnehmerinnen sollten darüber nachdenken, wie sie Änderungen in anderen Lebensbereichen geschafft hatten, sich mit positiven und negativen Konsequenzen ihrer Krankheit auseinandersetzen und sich die Frage stellen, wie hilfreich – oder eben nicht-hilfreich – die Essstörung für das Erreichen ihrer Lebensziele ist.

Ruth von Brachel und Katrin Hötzel, zwei psychologische Psychotherapeutinnen, werteten die Angaben aus und gaben den Teilnehmerinnen individuelle Rückmeldungen. Zudem umfasste Ess-Kimo Übungen, die aus dem Internet heruntergeladen werden konnten, um sie bei einer Therapie mit dem zuständigen Psychologen besprechen zu können.

Durch die Evaluation – eine Bewertung des Programms – zeigte sich, dass die Frauen tatsächlich motivierter waren, ihre Situation zu verbessern. Sie nahmen die negativen Folgen ihrer Essstörung stärker wahr, als unbehandelte Frauen einer Vergleichsgruppe. Zudem stieg ihr Selbstwertgefühl, ihr Essverhalten normalisierte sich ein Stück weit. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis“, sagt Silja Vocks.

Sorge bereitet der Wissenschaftlerin nur der relativ hohe Anteil der Aussteigerinnen. Dies sei jedoch ein generelles Problem von Internetbehandlungen, da sie mit einem Mausklick beendet werden können. Um dem vorzubeugen, bräuchten die Frauen noch mehr Unterstützung, wie weitere Behandlungsmodule oder persönlichen Kontakt.

Trotz des Erfolg versprechenden Ansatzes wird das Projekt nicht fortgeführt. „Die Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft ist beendet“, erläutert die Psychologin.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN