Serie Stadtteilkultur (3) Der Sonnenhügel: Kultur von Bürgern für ihren Stadtteil

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Osnabrück. Große Museen oder Konzerthallen sucht man auf dem Sonnenhügel vergeblich. Die Kultur offenbart sich anders: etwa bei den Sommerkulturtagen, die Bürger aus dem Stadtteil mit Leben füllen. Mitorganisator ist Hans-Jürgen Flesner. Als „Stadtteilfest mit besonderem Anspruch“ bezeichnet der heutige Vorsitzende des Bürgervereins die Veranstaltung in Sonnenhügel und Dodesheide.

Neben Schulen stellen bei den Sommerkulturtagen auch Kitas, Kirchen oder Mitarbeiter und Patienten der Ameos-Klinik etwas auf die Beine: Konzerte, Ausstellungen und Lesungen. Alles ehrenamtlich und mit Nicht-Profis versteht sich. „Wir haben kulturell etwas organisieren wollen und dann entschieden, wir bringen das auf den Weg“, sagt Flesner. Seit dem Jahr 2002 haben die Organisatoren um Ideengeberin Birgit Strangmann die Reihe veranstaltet. Alle zwei Jahre habe der Stab ein Programm aufgestellt und die Institutionen angesprochen, Künstler organisiert und Bürger beteiligt. „Das Anliegen ist natürlich auch, neue Künstler zu finden“, sagt Flesner. Etwa über die Nachwuchs-Band einer Schule.

Deutlich ruhiger hingegen ist die Kulisse Hasefriedhof inmitten des Sonnenhügels. Aber ein „Psst“ entfährt dem Besucher hier trotzdem nur in seltenen Fällen. Etwa, um den Klängen der klassischen Musik beim „Kulturspaziergang“ ungestört lauschen zu können.

Entgegen vielleicht aufkommenden Annahmen geht es auf dem Friedhof nämlich durchaus betriebsam zu. Eine Treuhandstiftung, erst vor gut einem Jahr gegründet , so wie verschiedene Projekte wollen das Gelände mitsamt all seinen Zeitzeugnissen als Kulturgut bewahren.

Der Friedhof besteht seit dem Jahr 1808 und unterliegt mittlerweile dem Denkmalschutz. Wegen der langen Bestattungsdauer – zuletzt im Jahr 1995 – lässt sich hier die Entwicklung der Grabkultur über die Zeit nachverfolgen. Ein Förderkreis bietet Führungen an, über zwei Audiostationen können Besucher die Parkanlage mit alten Grabmälern und Statuen erkunden.

Darüber hinaus ist der Friedhof mehrfach Austragungsort von Konzerten wie ebenjenen Kulturspaziergängen gewesen, die den Menschen das Kulturgut näherbringen sollen.

Auch der Architekturliebhaber kann im Sonnenhügel einiges entdecken. Viele Straßen werden von herrschaftlichen Villen aus dem 19. Jahrhundert gesäumt.

Teile des Klosters Gertrudenberg, insbesondere die noch in ihrer Form erhaltene Gertrudenkirche, sind sehenswerte Überbleibsel aus der Zeit der Benediktinerinnen. In der vor 1200 Jahren erbauten Kapelle sei noch heute der wohl älteste barocke Altar Osnabrücks zu sehen. Allerdings, das sagt Renate Frankenberg von Zeitseeing, sei das angemalte Holz nur vorne schön. „Wenn man dahintersteht, denkt man, man wäre auf einer Baustelle.“ Sie bietet Führungen rund um den Gertrudenberg an.

Eng mit dem ehemaligen Kloster Gertrudenberg verknüpft ist das heutige Ameos-Klinikum. Im dort angesiedelten Treffpunkt Kultur veranstaltet der Verein Kultur am Gertrudenberg an mehreren Sonntagen im Jahr Konzerte, auch mit Nachwuchskünstlern. Ziel ist, „Berührungsängste zwischen Patienten und Besuchern abzubauen“, sagt künstlerischer Leiter Kammerkonzerte Allan Ware. Der Saal habe eine besondere Atmosphäre – wie gemacht für Kammerkonzerte findet Ware. Der Verein habe es sich zur Aufgabe gemacht, jegliche Kultur in der Arbeit mit Patienten des Klinikums zu fördern. In der Vergangenheit seien das eben die Konzerte gewesen, aber auch Ausstellungen und Aufführungen.


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