zuletzt aktualisiert vor

Sozialtraining für Schulklassen Neue App gegen Cyber-Mobbing in Osnabrücker Jugendherberge getestet

Zu den ersten Testern der Cyber-Mobbing-App gehören (von links) Julia, Ilka und Kevin aus Wildeshausen. Foto: Egmont SeilerZu den ersten Testern der Cyber-Mobbing-App gehören (von links) Julia, Ilka und Kevin aus Wildeshausen. Foto: Egmont Seiler

Osnabrück. Wenn Jugendliche über soziale Netzwerke im Internet fertiggemacht werden, spricht man von Cyber-Mobbing; kaum ein anderes Thema wird in der Pädagogik derzeit so heiß diskutiert. An der Osnabrücker Jugendherberge haben nun Schüler eine App getestet, die sie mit den verschiedenen Rollen in einem Mobbing-Fall konfrontiert.

Der Anstachler, der Passant, der Draufgänger, der Freund des Opfers – sie alle gehören zu der Cyber-Mobbing-Anwendung, die eine Berliner Firma für den Landesverband Unterweser-Ems des Deutschen Jugendherbergswerks entwickelt hat. Bis Ende dieses Jahres bietet die Osnabrücker Jugendherberge exklusiv ein dreitägiges Programm, in dem Schulklassen und Jugendgruppen die App spielen können. Danach gibt es auch in anderen Jugendherbergen das pädagogische Paket, zu dem außerdem ein Team-Training gehört. „Darin sollen die Jugendlichen ein eventuelles Mobbing-Problem weiter bearbeiten können“, sagte Birgit Hägemann vom Deutschen Jugendherbergswerk. Hägemann entwickelt für den Landesverband Unterweser-Ems Programme, die Jugendherbergen noch stärker zu außerschulischen Lernstandorten machen sollen. Die Cyber-Mobbing-App ist Hägemanns aktuelles Projekt.

„Mir war wichtig zu zeigen, welche Mechanismen hinter dem Mobbing stecken“, sagte die Programmentwicklerin. Schülern sei manchmal gar nicht klar, was sie mit ihren Äußerungen bei Facebook anrichten würden. „Dadurch, dass man in der App verschiedene Rollen einnimmt, kann man besser verstehen, was da passiert.“

Wie geht es weiter?

Die Anwendung, die es bislang nur für Smartphones mit dem Android-Betriebssystem gibt, soll laut Hägemann idealerweise präventiv in Schulklassen eingesetzt werden. Das Programm könne aber auch genutzt werden, wenn es in einer Klasse bereits einen Mobbing-Fall gebe.

Die ersten Tester der App waren Siebtklässler eines Wildeshauser Gymnasiums. „Wir sind hier auf Klassenfahrt und wurden gefragt, ob wir die App ausprobieren wollen“, sagte Klassenlehrerin Ina Franz. In der Osnabrücker Jugendherberge wurden ihre Schüler mit einem Spiel konfrontiert, in dem jedem Teilnehmer durch die App eine Rolle und die entsprechende Rollenbeschreibung zugewiesen wurden. Als Anstachler, Passant oder auch Freund des Opfers sollten sich die Jugendlichen dann in einer von der App geschilderten Situation aufführen, als würden sie sich tatsächlich gerade über einen zuvor im Netz gemobbten Schüler lustig machen, ihn verteidigen oder das Treiben auch nur beobachten.

„Mir gefällt das Programm eigentlich sehr gut. Man sollte aber noch reinbringen, was mit dem Mobbing-Opfer danach passiert“, sagte Andre Strudthoff. Seine Mitschüler und er waren sich einig: Alle wüssten gerne, wie die Geschichte nach der durch die App geschilderten Situation weitergeht.

Beim ersten Durchspielen des Programms gab es noch einige technische Schwierigkeiten, die die Programmentwickler ausmerzen wollen. Danach, so Lehrerin Ina Franz, könne sie sich gut vorstellen, die App im Unterricht einzusetzen. „Die Schüler haben auch großen Spaß daran. In dem Rollenspiel dürfen sie mal so reden, wie sie es sonst vor ihren Lehrern nie tun würden.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN