KiWi-Vertriebsleiter Reinhold Joppich zu „Schlump“ Diskussion über Antikriegsromane in Osnabrück

Stellt „Schlump“ vor: Reinhold Joppich. Foto: privatStellt „Schlump“ vor: Reinhold Joppich. Foto: privat

Osnabrück. 1928 ist der Antikriegsroman „Schlump“ von Hans Herbert Grimm zum ersten Mal erschienen. Erst 85 Jahre später ist er jetzt in einer Neuauflage des Verlags Kiepenheuer und Witsch (KiWi) wieder im Handel. Am Welttag des Buches, 23. April, wird Reinhold Joppich, Vertriebs- und Verkaufsleiter des Verlags, mit Remarque-Experte Tilman Westfalen in Osnabrück über die Antikriegsromane von Remarque und Grimm diskutieren.

Gewisse Parallelen gebe es zwar, ein direkter Vergleich mit „Im Westen nicht Neues“ sei aber schwierig, meint Joppich im Interview.

Herr Joppich, warum sind Schlumps’ Erlebnisse im Ersten Weltkrieg erst jetzt wieder in einer Neuauflage erhältlich?

Der Hintergrund ist, dass Volker Weidermann vor ein paar Jahren ein Buch über die 1933 von den Nationalsozialisten verbrannten Bücher veröffentlicht hat. Damit setzte er eine neue Diskussion über diese Bücher in Gang, die verbrannt wurden und entweder später wieder aufgelegt wurden oder nicht und damit in Vergessenheit gerieten. Dazu gehört „Schlump“. Über diesen Roman hat Weidermann im vergangenen Jahr einen großen Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) veröffentlicht. Er schrieb, dass es ein herausragendes Buch sei, dass der Autor sich um eine Neuauflage nach dem Zweiten Weltkrieg auch nicht mehr richtig gekümmert habe und bereits 1950 gestorben ist. Der Artikel hat die Aufmerksamkeit vieler Verlage hervorgerufen. Die Nachkommen von Hans Herbert Grimm, die Schwiegertochter und die Enkeltochter, haben schließlich uns den Zuschlag gegeben, das Buch zu veröffentlichen.

Ihr Verlag hat gerade sämtliche Romane Remarques zum Ersten Weltkrieg in einer Taschenbuch-Neuauflage herausgebracht. Wie passt nun „Schlump“ dazu?

Es gibt gewisse Parallelen zu „Im Westen nichts Neues“. Der Roman „Schlump“ hat zwar nicht für dieses Aufsehen gesorgt, aber er hat eine große Bedeutung gehabt. Darum haben wir uns entschieden, den Roman mit den Remarque-Neuausgaben zum 100. Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges zu veröffentlichen. Es hat uns die Geschichte des Schlump interessiert und sie im Vergleich zu „Im Westen nichts Neues“ der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. „Schlump“ ist ja auch ein Antikriegsroman, nicht in der Radikalität, wie das bei Remarque der Fall ist, aber von daher glauben wir, dass sich die beiden Bücher sehr gut ergänzen.

Aber sind beide Romane wirklich miteinander vergleichbar? Allein die Erzählhaltung ist doch völlig unterschiedlich.

Man kann beide Bücher eigentlich nicht so direkt vergleichen. „Im Westen nichts Neues“ ist ein aufsehenerregendes, eindeutig gegen den Krieg geschriebenes Buch. Bei „Schlump“ ist es dagegen so, dass dieser Titel teilweise etwas Burleskes hat. Er stellt also nicht nur die Grauen des Ersten Weltkrieges dar, sondern auch die Abenteuer des jungen Soldaten Schlump. Das hat etwas Schwejkhaftes , und das hebt den Roman deutlich ab von „Im Westen nichts Neues“. Der Kern des Buchs ist natürlich auch antinationalistisch, es ist menschenfreundlich, es hat auch pazifistische Züge, es ist europäisch und franzosenfreundlich: Das sind alles Aspekte in „Schlump“.

In manchen Gesprächen, die Schlump mit anderen Frontsoldaten führt, spiegelt der Roman Klischees und Ressentiments gegen Polen und Juden wider.

Das ist ebenfalls das Interessante an diesem Roman, dass er den damals herrschenden Zeitgeist sehr authentisch wiedergibt. Das macht noch einmal deutlich, dass der Antisemitismus nicht in der Nazizeit entstanden ist, sondern gerade auch schon in der Wilhelminischen Zeit noch geschürt wurde und in der Armee sehr verbreitet war, obwohl auch deutsche Juden im Ersten Weltkrieg gekämpft haben.

Hans Herbert Grimm: „Schlump“. Roman. 348 Seiten, Kiepenheuer Hans Herbert Grimm: „Schlump“. Roman. 348 Seiten, Kiepenheuer & Witsch, 19,99 Euro.amp; Witsch, 19,99 Euro.


Am Mittwoch, 23. April, um 19 Uhr werden Reinhold Joppich aus „Schlump“ und Tilman Westfalen aus „Im Westen nichts Neues“ im Remarque-Friedenszentrum lesen und über beide Romane diskutieren. Der Eintritt zu dieser gemeinsamen Veranstaltung von vier Osnabrücker Buchhandlungen in Kooperation mit der Erich-Maria-Remarque-Gesellschaft Osnabrück ist frei. Weitere Informationen und Platzreservierung unter Tel. 0541/3508810.

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