Männer als pädophil beleidigt Wallenhorster Unternehmer zeigt Alice Schwarzer an

Der Wallenhorster Frank Kochmann fühlt sich durch die Kommentare auf der Homepage von Alice Schwarzer beleidigt, weil damit alle Männer unter den Generalverdacht gestellt würden, pädophil zu sein.Foto: Jörn MartensDer Wallenhorster Frank Kochmann fühlt sich durch die Kommentare auf der Homepage von Alice Schwarzer beleidigt, weil damit alle Männer unter den Generalverdacht gestellt würden, pädophil zu sein.Foto: Jörn Martens

Wallenhorst. Der Wallenhorster Unternehmer Thomas Kochmann hat die Feministin Alice Schwarzer angezeigt. Weil Kommentatoren in ihrem Gästebuch Männer als pädophil beschreiben, hat der promovierte Biomediziner und Sohn des Wallenhorster Teppichhändlers Frank Kochmann Strafanzeige gegen die Journalistin gestellt. Der 47-Jährige wirft Schwarzer Beleidigung, üble Nachrede, Verleumdung und Verbreitung pornografischer Schriften vor. Schwarzer weigert sich, den Gästebucheintrag zu löschen.

Kochmann beschreibt, wie es dazu kommt, dass er die Herausgeberin der Frauenzeitschrift „Emma“ anzeigt. Als er im Internet surft, stößt er in einem Leserkommentar zur Affäre um den früheren SPD-Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy auf Werbung für die Webseite von Alice Schwarzer. Daraufhin klickt Kochmann auf ihre Webseite und liest in ihrem Gästebuch einen Beitrag, in dem von „Herrenhobbys wie Sex mit Kindern“ geschrieben wird und dass selbst Ermittler kinderpornografisches Material sexuell erregend fänden.

Kochmann empört nicht nur, dass die Ermittler des Bundeskriminalamts (BKA) so beschimpft würden, sondern er fühlt sich auch persönlich beleidigt. „Damit werden alle Männer unter einen Generalverdacht gestellt“, sagt er. Normalerweise hätte der 47-Jährige Schwarzer nach so einem Gästebuch-Eintrag nicht direkt angezeigt. „Frau Schwarzer hat als Frauenrechtlerin auch viel Positives bewegt. Und wenn man sie in Talkshows so reden hört, dann weiß sie eigentlich, was sich gehört“, so Kochmann. Doch dann zeigt er den Beleg eines Einschreibens, die Stirn legt sich in Falten und das mit seiner runden Professoren-Brille sonst so freundliche Gesicht wirkt finster. „Darin habe ich Frau Schwarzer aufgefordert, diesen Kommentar zu löschen. Doch sie hat nicht reagiert“, erklärt er. Somit müsse er davon ausgehen, dass auch sie solche Meinungen duldet, was ihn zu der Strafanzeige bewogen habe. „Es ist also in ihrem Sinne, dass diese Meinung weiterverbreitet wird“, verdeutlicht der promovierte Arzt, der ein Bioinformatik-Unternehmen betreibt. Er betont: „Meinungsfreiheit darf nicht zur Hetze werden.“

Als unsere Zeitung Schwarzer mit den Vorwürfen schriftlich konfrontiert, antwortet in ihrem Auftrag die „Emma“-Redakteurin Margitta Hösel, die für das Onlinestellen des betroffenen Gästebuch-Eintrages verantwortlich ist: „Ich habe darin kein Problem gesehen, und sehe es weiterhin nicht, da es um einen reinen Meinungsbeitrag geht und keine Person darin beleidigt wird.“

Anderer Auffassung ist dazu jedoch der renommierte Medienrechtler Professor Tobias Gostomzyk vom Dortmunder Institut für Journalistik . Die Aussage, dass selbst Ermittler kinderpornografisches Material sexuell erregend fänden, könne strafrechtlich relevant sein, „weil sowohl die Gruppe der BKA-Ermittler als auch der Staatsanwaltschaft im Fall Edathy sich angesprochen fühlen könnten“. Obwohl Schwarzer die Kommentare nicht selbst geschrieben habe, könne ein strafrechtliches Verhalten gegeben sein, weil sie Kenntnis davon habe und sie dulde. Eine individuelle Betroffenheit des Unternehmers Kochmann sei allerdings durch die Kommentare nicht gegeben. Beleidigungen gegen Gruppen seien aber nur dann strafrechtlich relevant, wenn eine Beleidigung hinreichend konkret zuzuordnen sei. Eine Beleidigung alleine als Mann - wie Kochmann meint - genüge dafür nicht. In jedem Falle müsse die Staatsanwaltschaft die Strafanzeige jetzt erst einmal ein Ermittlungsverfahren einleiten und prüfen, ob sie Anklage erhebt.

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Osnabrück, Alexander Retemeyer, sagt auf Anfrage: „Wir haben das Verfahren an die Abteilung für Kinderpornografie an die Staatsanwaltschaft Hannover abgegeben.“ Dort wurde die Strafanzeige nach Angaben einer Sprecherin aber noch nicht erfasst.


Der Dortmunder Medienrechtler Dr. Michael Fuß rät: „Für Foren-Betreiber und Homepage-Betreiber, die ihre Beiträge mit Kommentar-Funktion ausstatten, gilt die Grundregel: Es sollte erkennbar sein, dass es sich um Beiträge Dritter handelt, die man sich selbst nicht zu eigen macht. Wenn der Betreiber von einer persönlichkeitsrechtsverletzenden Äußerung eines Dritten in seinem Forum Kenntnis erlangt, sollte er diesen Beitrag unverzüglich löschen.“

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