Serie Stadtteilkultur (2) In Eversburg mischen sich die Kulturen



Osnabrück. Im Osnabrücker Stadtteil Eversburg begegnen sich unterschiedliche Kulturen und Konfessionen freundlich und mischen sich kreativ im Jugendzentrum Westwerk.

Das kulturelle Gesicht eines Stadtteils formt sich auch aus seinen geschichtlichen und strukturellen Gegebenheiten. Diese umreißt in groben Zügen Friedhelm Groß für Eversburg. Er betreute bis vor Kurzem 22 Jahre lang als Vorsitzender des Bürgervereins die Geschicke des mit rund 8000 Einwohnern recht großen Stadtteils. Und lebt seit 1967 in Eversburg, überblickt also viele Entwicklungen vor Ort aus eigener Anschauung.

Als prägend für das Stadtbild nennt er die Bruchstein-Häuser von Bergleuten, die am Piesberg arbeiteten. Eversburg sei kein Stadtteil der geballten großen Häuserblocks, sondern eher der Reihen- und Einfamilienhäuser des Mittelstands. „Soziale Brennpunkte gehören der Vergangenheit an, der Stadtteil hat sich längst beruhigt“, erzählt er. Eversburger Hafen , Kläranlage und Rubbenbruchsee als Naherholungsgebiet zählen Bewohner noch heute zu Eversburg, obwohl die offiziellen Grenzen längst enger verlaufen. Industrie gibt es laut Groß höchstens am Rande, seitdem die Eisengießerei Borgelt nicht mehr existiert.

Von diesen und anderen Fakten lebt eine Kultur, deren Begriff man für Eversburg nicht zu eng fassen darf. „Weil es so lang etablierte Kultureinrichtungen wie die Lagerhalle hier nicht gibt“, sagt Groß. Kulturangebote entfalten sich aus der Lebenskultur und den sozialen Bedürfnissen im Stadtteil. Beiderseits wohlwollend und freundlich verläuft seiner Erfahrung nach der Kontakt zwischen deutschen Bewohnern und Libanesen oder Pakistanern, die schon lange in Eversburg leben. Doch zu gemeinsamen kulturellen Aktivitäten des Bürgervereins etwa mit der Basharat-Moschee in der Atterstraße, die sich die Pakistaner erbaut haben, ist es trotz anfänglicher Versuche noch nicht gekommen.

Etwas mehr Berührungspunkte ergeben sich mit der serbisch-orthodoxen Kirchengemeinde in der Wersener Straße, weil sich die in Eversburg ansässigen Familien serbischer Offiziere, die im Zweiten Weltkrieg Kriegsgefangene waren, auch für die Rettung der alten, denkmalgeschützten Baracke in Atter engagieren.

Neben den üblichen kommunalpolitischen und geselligen Aktivitäten bietet der Bürgerverein etwa mit seinen regelmäßigen Seniorennachmittagen ein kulturelles Unterhaltungsprogramm mit Gesangsgruppen, Zauberei, Rentnerband, Geschichten auf Platt oder Tanztee für ältere Leute. Der Nachbarschaftsverein „ Brücken bauen “ bietet Ähnliches: Spiele, Fahrradtouren, Fahrten und Freizeiten auch für Jugendliche, vernetzt mit der Arbeit des Jugendzentrums Westwerk. Bei den beiden Kirchen, der evangelischen Michaeliskirche und der katholischen Liebfrauenkirche , kommen (kirchen-)musikalische Angebote hinzu. Auch die Eversburger Grundschule und die Integrierte Gesamtschule am Grünen Weg gehen mit kulturellen Veranstaltungen in die Öffentlichkeit.

Unabhängig von Schulen, Vereinen oder Konfessionen versucht das Jugendzentrum Westwerk als städtische Einrichtung, die Bewohner Eversburgs auch kulturell anzusprechen. Indem es sie möglichst selbst bestimmen lässt, wie und womit sie ihre Freizeit gestalten möchten. Das gilt besonders auch für die vielen Familien mit Migrationshintergrund oder Flüchtlingsgeschichte. Neben Lerngruppen für Schüler ohne ausreichende Deutschkenntnisse oder Behördenhilfe für Eltern, so berichtet Sozialpädagogin Margret Fehren, können die Jüngeren bis 13 Jahre frei spielen, mit Holz werken, Eishockey spielen oder tanzen. „Manchmal erschaffen gerade die Kleineren auf spielerische, nicht einstudierte Weise aus unterschiedlichen kulturellen Stilen Neues.“

Jugendliche können unter Marco Hornigs Obhut das offene Jugendcafé oder aber Kurse besuchen, vom Rap- oder Näh-Workshop über die Modewerkstatt bis zur Gitarrengruppe, den Breakdance- oder den Comic-Zeichenkurs. Nicht zuletzt ist das Westwerk einer der Konzertveranstalter auch für Nachwuchsbands in der Stadt.

Wichtig ist Fehren wie Hornig: Die Hemmschwelle zum Mitmachen niedrig halten. Dann bleibt das Miteinander von unterschiedlichen Kulturen, Nationalitäten und Altersgruppen attraktiv und lebendig.


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