Vom Hotel zum Flüchtlingshaus? Osnabrück sucht weitere Unterkünfte für Flüchtlinge

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Das Nordhotel an der Hansastraße/Ecke Wachsbleiche ist als Flüchtlingsunterkunft ebenso im Gespräch wie das knapp 200 Meter entfernte Comba-Haus an der Pagenstecherstraße/Ecke Wachsbleiche. Foto: Jörn MartensDas Nordhotel an der Hansastraße/Ecke Wachsbleiche ist als Flüchtlingsunterkunft ebenso im Gespräch wie das knapp 200 Meter entfernte Comba-Haus an der Pagenstecherstraße/Ecke Wachsbleiche. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Auf der Suche nach neuem Wohnraum für Flüchtlinge hat die Stadt derzeit zwei Gebäude im Visier: das Nordhotel und das sogenannte Comba-Haus. Letzteres würde 200 Plätze bieten, ist aber wegen seiner Größe politisch umstritten.

Die Pläne wurden vor der Osterpause in nicht öffentlicher Sitzung dem Sozial- und Gesundheitsausschuss vorgestellt. Ende April soll die Verwaltung nach Informationen unserer Zeitung dem Rat eine Beschlussvorlage präsentieren.

Die Stadt muss dringend neue Unterkünfte für Flüchtlinge bereitstellen. Nach Schätzungen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge geht das niedersächsische Innenministerium von mehr als 13000 Asylanträgen in diesem Jahr aus. Hinzu kämen Asylfolgeanträge. Zum Vergleich: 2008 gab es noch 1710 Asylanträge, Ende 2013 fast 11000.

Auf der Suche nach Wohnraum wurde der Stadt das Nord-Hotel angeboten, das zum Verkauf steht. Es böte in zwei Wohnungen und Einzelzimmern Platz für bis zu 25 Menschen. „Der Standort ist zentral gelegen und bietet eine gute Infrastruktur für Flüchtlinge“, heißt es in dem Bericht für den Ausschuss.

Anmieten könnte die Stadt das Comba-Haus an der Pagenstecherstraße/Ecke Wachsbleiche, das knapp 200 Meter entfernt vom Nord-Hotel liegt. Eine Firma plant eine Grundsanierung des ehemaligen Verwaltungshauses und bietet an, das Gebäude nach den Wünschen der Stadt in Wohnungen und Einzelzimmer aufzuteilen. Dort könnten 200 Plätze entstehen.

Die Verwaltung weist schon in ihrer Vorlage darauf hin, dass bei einem Objekt dieser Größe die im Flüchtlingskonzept angestrebte dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen durchkreuzt würde. Um das Haus nicht allein mit Asylbewerbern zu belegen, könnten Gespräche „mit weiteren Interessenten“ geführt werden, schreibt die Verwaltung.

Da auch das Studentenwerk immer Wohnraum für die Studierenden an Universität und Hochschule sucht, hat die Verwaltung ihre Fühler in diese Richtung ausgestreckt, ist dabei aber nicht auf Begeisterung gestoßen.

Wenig begeistert zeigten sich auch die Mitglieder des Sozialausschusses über eine im Comba-Haus entstehende Konzentration von Flüchtlingen. Zudem gibt es noch eine weitere Frage zu klären: Das Grundstück des Comba-Hauses liegt in einem Gewerbegebiet. Ob eine Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge als Ausnahme zugelassen werden kann, ist unklar. Der Investor scheint aber an einer Vermietung an die Stadt interessiert zu sein und will nach Auskunft der Verwaltung eine Bauanfrage stellen.

Parallel dazu sucht die Stadt weiterhin privaten Wohnraum für Flüchtlinge, die aus den Gemeinschaftsunterkünften ausziehen dürfen. 50 Personen konnte die Stadt in den letzten Monaten unterbringen. Die Sozialverwaltung passt dabei die Kostenübernahme der Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt an: Im Jahr 2005 durfte eine 50 Quadratmeter große Wohnung für eine Einzelperson 331 Euro Kaltmiete kosten, inzwischen liegt die Kaltmiete bei 375 Euro.

Aktuell hat die Stadt Osnabrück 309 Plätze für Flüchtlinge an der Atterstraße (100), Bremer Straße (75), Meller Straße (24), An der Petersburg (55) und Heiligenweg (55). Im Oktober sollen 54 Plätze in der Landwehrkaserne dazukommen.


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