Am Erich-Maria-Remarque-Ring Architektur-Serie Osnabrück: Iduna-Hochhaus

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Osnabrück. So stellte man sich in den 1970er-Jahren die Zukunft vor. Das Iduna-Hochhaus steht für eine Architektur, die einmal als fortschrittlich galt, heute aber von vielen gern rückgängig gemacht werden würde. Mit seinen 65 oder 66 Metern Höhe – die Angaben schwanken – ist es weithin sichtbar und prägt das Stadtbild von Osnabrück. Wenn auch nicht im positiven Sinne.

Die Iduna bot der Stadt Ende der 60er an, das Hochhaus zu bauen. Allerdings machte die Versicherung auch deutlich, dass sie den Bau in Nordhorn errichten würde, sollte der Stadtrat nicht zugreifen. Die Kommunalpolitiker stimmten in dieser Situation lieber mit „Ja“, was manch einer später sicher bereut hat.

134 Wohneinheiten zwischen 33 und 160 Quadratmetern gibt es im Iduna-Hochhaus : 94 Ein-Zimmer-Wohnungen, 28 Zwei-Zimmer-Wohnungen und sechs Mehrraumwohnungen in den obigen Staffelgeschossen mit zwei bis sechs Räumen.

Sie sind auf 20 Stockwerke verteilt und spannen sich fächerartig um eine mittig emporragende runde Säule auf. Ein Highlight der Bauplanung waren Schwimmbad und Sauna im 19. Stock. Die Fassade aus graubraunem Waschbeton zeugt vom Charme der 70er und wird durch die weißen, vertikal gereihten Balkone aufgelockert. Gerade mal 560 Quadratmeter Grundfläche hat das Hochhaus, das auf sechs Meter hohen Stützen steht. Das lässt viel Platz für Grünflächen um das Gebäude herum. Betreten wird das Wohnhaus durch die Eingangshalle im Erdgeschoss.

In den vier Jahrzehnten seines Bestehens gab es viele Gerüchte um das Haus. Dass Prostituierte dort angeblich ihrem Gewerbe nachgingen, trug nicht gerade zum guten Ruf bei. Mitte der 90er-Jahre stand sogar ein Abriss zur Debatte, weil sich Risse durch den Stahlbeton zogen und die Fassadenplatten bröckelten. Die Eigentümergemeinschaft – die Iduna hatte das Haus 1986/87 verkauft – hatte zwar eine Sanierung beschlossen. Einige Eigentümer hatten aber Zahlungsschwierigkeiten.

Vor drei Jahren hätte sich das Äußere des Hochhauses fast grundlegend geändert. Denn da war geplant, die Betonfassade mit einer Fotovoltaikanlage zu bedecken. Aus dem Projekt wurde nichts, weil die Mehrheit der Eigentümer dagegen stimmte.

Im November dieses Jahres wird es 40 Jahre her sein, dass die ersten Mieter einzogen. Die Wohnungen, heißt es übrigens, seien gar nicht so schlecht. Eines ist jedenfalls unumstritten schön: der Ausblick von oben, der bis weit ins Osnabrücker Land reicht.

Böse Zungen sagen allerdings, er sei deswegen so attraktiv, weil dies der einzige Standpunkt in der Stadt ist, von dem aus das Iduna-Hochhaus nicht zu sehen ist.

Metropolencharakter 4 von 6 Sternen

Stadtbildfaktor 1 von 6 Sternen

Wohlfühlfaktor 1 von 6 Sternen


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