Amtszeit wird nicht verlängert Osnabrücker Feuerwehrchef geht enttäuscht von Bord

Jürgen Knabenschuh steht seit 1995 an der Spitze der Berufsfeuerwehr Osnabrück. Am 31. Mai um 24 Uhr geht er in den Ruhestand – äußerst ungern. Foto: MinnerupJürgen Knabenschuh steht seit 1995 an der Spitze der Berufsfeuerwehr Osnabrück. Am 31. Mai um 24 Uhr geht er in den Ruhestand – äußerst ungern. Foto: Minnerup

Osnabrück. Feuerwehrchef Jürgen Knabenschuh wird Ende Mai in den Ruhestand gehen. Genauer gesagt: Der 61-Jährige muss gehen. Und darüber ist er „enttäuscht“.

Knabenschuh kam 1987 als stellvertretender Leiter zur Berufsfeuerwehr Osnabrück. 1995 übernahm er die Leitung. Er ist außerdem Vorsitzender des Stadtfeuerwehrverbandes und ein Freund klarer Worte – besonders, wenn es um die Belange der Feuerwehr und Rettungsdienste geht. Da scheut Knabenschuh auch den Konflikt mit der Politik nicht.

In Niedersachsen ist für „Beamte im feuertechnischen Dienst“ in der Regel mit dem 60.Lebensjahr das Berufsleben zu Ende. Das Gesetz lässt aber einen kleinen Spielraum, den auch Branddirektor Knabenschuh nutzte: Auf Antrag des Beamten kann der Dienstherr die Dienstzeit um zunächst ein Jahr und dann noch einmal um zwei Jahre verlängern. Auf die erste, einjährige Zugabe hat ein Beamter sogar einen Anspruch.

Knabenschuh meldete diesen Anspruch an und blieb über sein 60. Lebensjahr hinaus Chef der Feuerwehr. Im Herbst des vergangenen Jahres signalisierte er dem Oberbürgermeister Wolfgang Griesert, dass er seine Arbeit gern zwei weitere Jahre, also bis Ende 2015, fortsetzen würde.

Daraus wird nichts. Griesert schlug im Februar dem Verwaltungsausschuss vor, den schon vor zwei Jahren als Knabenschuh-Nachfolger geholten Dietrich Bettenbrock ab Juni zum Chef zu befördern. Der Verwaltungsausschuss, das höchste städtische Gremium nach dem Rat, stimmte mit zehn Ja-Stimmen bei einer Enthaltung zu.

Er sei „enttäuscht“, sagt der künftige Pensionär. Enttäuscht über die Art, enttäuscht, dass seine Erfahrung nicht mehr gefragt sei. Knabenschuh betont ausdrücklich, dass er ein „ausgezeichnetes Verhältnis“ zu seinem Nachfolger Bettenbrock habe und Zusammenarbeit und Arbeitsteilung bestens funktionierten. Aber der Abschied aus dem Dienst falle ihm schon schwer: „Berufsfeuerwehr, das ist mehr als hundert Prozent“, sagt der 61-Jährige. „Man ist 365 Tage im Jahr im Dienst, und ich werde mich erst daran gewöhnen müssen, dass ich bei jeder Katastrophenmeldung im Fernsehen nicht sofort reflektiere: Und wenn das in Osnabrück passiert ...“

Wolfgang Griesert begründet den personellen Schnitt mit dem Wunsch, die Feuerwehrspitze zu verjüngen. Dietrich Bettenbrock (44) sei als künftiger Feuerwehr-Chef eingestellt worden und habe jetzt alle wichtigen Stationen der Osnabrücker Truppe durchlaufen. Der Zeitpunkt zum Wechsel sei gekommen, auch weil Bettenbrock die Erarbeitung des Rinke-Gutachtens begleitet habe. Das Gutachten analysierte die Einsatzkraft der Feuerwehren und gibt Empfehlungen für die weitere Entwicklung. Eine Empfehlung ist: der Bau einer zweiten Feuerwache im Osten der Stadt.

Jürgen Knabenschuh verzichtet auf eine offizielle Verabschiedung durch die Stadt. Der Dienstplan will es so, dass er an seinem letzten Wochenende Dienst hat. Der Branddirektor beendet am Samstag, 31. Mai, um 24 Uhr seine Laufbahn und will sich auf der Wache im kleinen Kreis verabschieden.

Er könnte doch als freiwilliger Feuerwehrmann weitermachen? Knabenschuh winkt ab. Nein, das will er nicht. Und den Vorsitz des Stadtfeuerwehrverbandes (des Verbandes aller Feuerwehren in Osnabrück) werde er auch aufgeben.

In dieser Funktion hatte Knabenschuh erst vor wenigen Wochen Teile des Stadtrates verstimmt. Beim Neujahrsempfang im Januar kritisierte Knabenschuh, dass die Anschaffung eines Fahrzeugs für die Freiwillige Feuerwehr Sutthausen vom Rechnungsprüfungsamt und der rot-grünen Ratsmehrheit gestoppt worden war. Rechnungsprüfer und Politiker hatten die Ausschreibung gerügt, weil diese nur auf einen Anbieter spezialisiert schien. Knabenschuh hatte das als übertriebene Bürokratie kritisiert – und viel Zuspruch aus Feuerwehrkreisen erhalten.


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