Unromantische Plätzchen Osnabrücker glauben nicht an Glückskeks-Botschaften



Osnabrück. Skeptisch hält Emily den wie ein Schiffchen gebogenen Keks in ihren kleinen Händen. Ihr Großvater muss helfen. Mit einem kurzen Knacken zerbricht er das Gebäck; zum Vorschein kommt ein weißer Zettel mit Nachricht. Ja, sie ist wahrlich sehr schön, lacht Johann Reinich. Doch nicht nur er und seine Enkelin, auch die anderen Besucher des Schlossgartens öffnen mit Spannung die Glückskekse. Mit dem Inhalt sind jedoch nicht alle zufrieden.

Eigentlich sei sie ja schon etwas abergläubisch, immerhin hebe sie jeden Glückscent auf, den sie auf der Straße finde. Doch der Nachricht, die sich in ihrem Glückskeks befindet, kann Sabrina Schulte-Derne wahrlich nicht zustimmen. „Da liegt der Keks aber ganz schön falsch. Der Samstag ist mein Glückstag. Nicht der Montag“, sagt die 25-Jährige kopfschüttelnd. Schlimmer noch: Die Studentin spricht den Schreibern der vermeintlich glücksbringenden Nachrichten gar den Sinn für die Realität ab. Wer mag schon den Montag, fragt sie mit einem Augenzwinkern.

Mit ihrer Skepsis ist sie nicht alleine. Auch Tobias Kuppens Groot glaubt nicht, dass die Sprüche in Erfüllung gehen werden. Und das, obwohl der Glückskeks ihm dieses Mal eine erfolgreiche kommende Woche prophezeit. „Als Student der Cognitive Science darf ich gar nicht abergläubisch sein. Das passt einfach nicht zusammen“, so der 25-Jährige. Eine positive Nachricht erhält ebenfalls Jule Kleine. Sie erwartet ein wahrer Geldsegen, glaubt man dem Schriftstück in dem Keks. Daumen drücken heißt es also nun für die 17-Jährige. „Ich brauche mehr Geld“, berichtet die Auszubildende zur Bürokauffrau. Im Gegensatz zu Kuppens Groot glaubt sie an solche Prophezeiungen: „Ich lese mir auch immer mein Horoskop durch“, sagt sie und lächelt.

Schmunzeln muss auch Thomas Jersch. Eigentlich mag er ja keine Glückkekse – er isst sie hin und wieder mal, wenn er in einem chinesischen Restaurant speist. „Aber eigentlich ist mir dort das richtige Essen wichtiger“, erzählt der 18-Jährige. Dieses Mal hält der Glückskeks einen besonderen Ratschlag für ihn parat: Er solle sich schnellstens ein Designer-Outfit zulegen. Dazu fällt dem Schüler auch gleich ein passender Kommentar ein: „Das ist doch ein alter Hut. Schon in der vergangenen Woche habe ich mir ein Louis-Vuitton-Outfit im Internet bestellt“, sagt er ironisch.

Nicht jede Nachricht ist aufmunternd. Hatte sie zuvor noch mit der Sonne um die Wette gestrahlt, verfinstert sich die Miene von Carolin Griepenstroh schlagartig, als sie den Glückskeks öffnet und die wenig romantische Botschaft liest. „Das finde ich schon sehr traurig. Was wird denn damit für ein Bild vermittelt? Mit Geld kann man sich keine Liebe kaufen“, glaubt die 20-jährige Studentin. Ihre kurzzeitig doch etwas getrübte Stimmung bessert sich jedoch beim Essen des leckeren Kekses.

Essen darf sie das Plätzchen zwar noch nicht, aber der Spruch scheint ihr dennoch zu gefallen. Emily lächelt ihren Opa an, als dieser die Botschaft vorliest. Wie könnte es auch anders sein? Immerhin steht auf dem kleinen Zettelchen geschrieben, dass sie ein innerlich und äußerlich schöner Mensch ist. „Ja, das passt perfekt zu Emily. Sie ist wirklich eine kleine Prinzessin“, sagt Großvater Johann Reinich voller Stolz.


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