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Schul-TÜV unerwünscht Kollegium der Käthe-Kollwitz-Schule wehrt sich gegen die angekündigte Schulinspektion

Von Rainer Lahmann-Lammert

Ihre Tage sind gezählt: Trotzdem wird die Käthe-Kollwitz-Schule im Februar 2011 vom Schul-TÜV untersucht.Foto: Elvira PartonIhre Tage sind gezählt: Trotzdem wird die Käthe-Kollwitz-Schule im Februar 2011 vom Schul-TÜV untersucht.Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Das Kollegium der Käthe-Kollwitz-Schule ist empört: Im Februar will der Schul-TÜV kommen, obwohl die Haupt- und Berufsschule spätestens 2015 geschlossen wird. „Geldverschwendung!“, kritisiert der Personalrat, aber die Schulinspektion sieht keine Veranlassung, den einmal gefassten Beschluss zu revidieren.

Mit der Schulinspektion will das Land die Qualität des Unterrichts untersuchen und verbessern. Für die betreffende Schule bedeutet das viel Arbeit. Allein die geforderte Statistik über Lehrerstunden, Unterrichtsversorgung und andere Kriterien werde ihn mehrere Wochen Arbeit kosten, sagt Werner Altenhoff, der Leiter der Käthe-Kollwitz-Schule (KKS).

Er sieht keinen Sinn darin, dass die Inspektoren ausgerechnet in seine Haupt- und Realschule am Schölerberg kommen, obwohl deren Ende schon besiegelt ist. Laut Erlass sei es Sinn des Schul-TÜVs, eine Schule zu evaluieren, um anschließend die Qualität zu verbessern.

Das Kollegium der Käthe-Kollwitz-Schule schrumpfe jedes Jahr um fünf Lehrer. Der Konrektor sei schon zur Integrierten Gesamtschule abgezogen worden, er stehe aber noch auf dem Dienstplan. „Wenn eine Schule kleiner wird, werden die Probleme nicht kleiner“, sagt Altenhoff.

24 von 35 Lehrern haben eine Protestnote des Schulpersonalrats unterschrieben, Altenhoff ist dabei. Achim Voigt, der Vorsitzende der Mitarbeitervertretung, zieht einen Vergleich zur Abwrackprämie: Bevor das Auto in die Schrottpresse komme, werde es noch vom TÜV „geprüft und nur mangelfrei mit grüner Umweltplakette zur Verschrottung freigegeben“.

Dem Schreiben des Schulpersonalrats ist die Verbitterung über die bevorstehende Schließung anzumerken. Die KKS hatte große Ambitionen und wollte Gesamtschule werden, aber der Stadtrat votierte für die IGS in Eversburg und besiegelte damit das unerwartete Ende. „Die Beine sind amputiert“, heißt es in der Resolution der Lehrerschaft, „jetzt fordert man auch noch zu einem Lauftest auf“.

„Beine amputiert“

Diesem Sarkasmus setzt die niedersächsische Schulinspektion ihren Auftrag des Kultusministeriums gegenüber. „Wir haben ausführlich über diese Fragen gesprochen“, sagt Bert Märkl, der noch bis zum Jahresende Präsident der Landeseinrichtung ist.

Die von der Schule vorgebrachten Bedenken seien zweimal gründlich geprüft worden. Aber aus Sicht seiner Behörde gebe es keine Gründe, die Käthe-Kollwitz-Schule von der Inspektion auszunehmen. Trotz der angekündigten Schließung würden die Schüler schließlich noch jahrelang zur KKS gehen.

„Jede Schule kommt dran“, sagt Märkl, über die Reihenfolge entscheide das Zufallsprinzip. Es sei nicht ungewöhnlich, dass sich eine Schule gegen die Inspektion stelle – aus ähnlichen Beweggründen wie bei der Käthe-Kollwitz-Schule. Etwa, weil sie ganz neu sei, weil eine Grippewelle grassiere oder weil gerade die Heizung renoviert werde.

Selbstverständlich werde die besondere Situation in jedem Fall berücksichtigt. Aufgabe der Inspektion sei es auch nicht, eine Schule „besonders aufs Korn zu nehmen“, betont der scheidende Präsident. Und die Prüfung müsse keinesfalls demotivierend sein – sie könne auch das Selbstwertgefühl eines Kollegiums bestätigen.