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Kein Freund der Eingemeindung Straßenkunde in Osnabrück: Die Hardinghausstraße erinnert an den letzten Haster Bürgermeister

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Osnabrück. Hofbesitzer Ferdinand Hardinghaus (1879–1945) war der letzte Bürgermeister von Haste, bevor die Gemeinde 1940 ihre Selbstständigkeit verlor und Osnabrück zugeschlagen wurde. Die nach ihm benannte Straße ist eine wichtige Nord-Süd-Verbindung im Stadtteil. Sie führt von der katholischen Christus-König-Kirche vorbei an der evangelischen Paul-Gerhardt-Kirche bis hinauf in den Haster Berg.

Seit die Wege und Straßen in Haste Namen tragen, hieß die heutige Hardinghausstraße Schulstraße. Denn an ihr lag das erste Schulgebäude der Gemeinde, nördlich der Gaststätte Osterhaus ziemlich genau dort, wo heute der Supermarkt ist. Am nördlichen Ende der Schulstraße, an einem der schönsten Aussichtspunkte Hastes, wurde 1937 das nach dem SA-Kämpfer Johann Gossel benannte Heim der Hitler-Jugend errichtet. Da war es dann nur folgerichtig, dass auch die darauf zuführende Straße einen regimefreundlichen Namen bekam. Aus der Schulstraße wurde 1939 die Albert-Leo-Schlageter-Straße. Nach dem Zusammenbruch wurden alle belasteten Namen wieder entfernt. 1946 erhielt die Straße den Namen des im Jahr zuvor verstorbenen Bürgermeisters Hardinghaus. Aus dem HJ-Heim wurde ein Studentenwohnheim, was aber nicht verhindern konnte, dass der Haster Volksmund auch noch Jahrzehnte später vom „HJ-Heim“ sprach.

Familie Hardinghaus ist seit dem 16. Jahrhundert in Haste verwurzelt, wie in der Stadtteil-Chronik des Haster Autors Wido Spratte nachzulesen ist. Der Hof liegt östlich des Klosters Nette am Östringer Weg. Er gehört zu den ganz wenigen in Haste, die ohne Unterbrechung bis heute landwirtschaftlich genutzt werden – in den letzten Jahren mit einem Schwerpunkt auf der Unterbringung von Pensionspferden. Der heutige Hofbesitzer Friedrich Hardinghaus ist ein Enkel des letzten Haster Bürgermeisters.

Ferdinand Hardinghaus war 42 Jahre alt und ein angesehener Großbauer, als er am 18. September 1922 als Gemeindevorsteher vereidigt wurde. Er hatte im Ersten Weltkrieg an der Westfront und in Russland gekämpft und war mehrfach verwundet worden. Als Nachfolger von Heinrich Hanesch an der Gemeindespitze setzte er sich energisch für den Bau der Christus-König-Kirche und für das neue Gemeindehaus am Krümpel ein. Auch der Bau von Postamt und Sparkasse an der Ecke von Summerland und Bramscher Straße wurde von ihm gefördert, ebenso die Erweiterung der Volksschule, die Sportplatzanlagen und die Badeanstalt am Kanal.

Hardinghaus lehnte wie alle übrigen Ratsmitglieder und der größere Teil der Bevölkerung die Eingemeindung nach Osnabrück ab. „Wi sind Haster und willt nich nach Ossenbrügge“ – dieser leidenschaftliche Ausbruch der damals 70-jährigen Haster Bürgerin Helene Kuhlmann entsprach auch der Meinung von Ferdinand Hardinghaus.

Der Kommunalpolitiker sah die Gefahr, „dass die örtliche Verbundenheit der Einwohner nicht mehr gewahrt bleibt“, dass die Landflucht beschleunigt und die Selbstverwaltung ausgehöhlt werde. Nun war 1940 jedoch nicht die große Zeit der demokratischen Mitwirkungsrechte. Mit einem Federstrich verfügte der Oberpräsident in Hannover im Einvernehmen mit der NS-Parteiorganisation, der Stadt und der Wehrmacht die Eingemeindung Hastes zum 1. April 1940. Die infrastrukturelle Einbindung der Winkelhausen-Kaserne ließ in den Augen der Machthaber keine andere Lösung zu.

Hardinghaus und seine Frau Maria ereilte in den letzten Kriegsmonaten ein grausames Schicksal. Drei ihrer vier Söhne fielen innerhalb weniger Wochen an der Front. Ferdinand Hardinghaus selbst starb am 26. Mai 1945 im Alter von 65 Jahren an Herzversagen, als eine bewaffnete Bande ehemaliger russischer Kriegsgefangener den Hof überfiel.


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