Deutliche Bestandsrückgänge In Merzen suchen Forscher nach Fasanen

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Merzen. Im Landkreis Osnabrück suchen Forscher nach den Gründen, warum die Fasanenbestände fast überall in Deutschland dramatisch zurückgehen.

Nummer 14120 ist mit geschätzten zwei Jahren und gewogenen 1311Gramm ein stattlicher Fasanen-Hahn. Und ein geduldiger Diener der Wissenschaft, wenn auch nicht ganz freiwillig. Er ist Diplom-Biologen Ulrich Voigt und seinem Team vom Institut für Wildforschung an der Tierärztlichen Hochschule Hannover in die Falle gegangen. Und hilft nun herauszufinden, warum die Fasanenbestände fast überall in Deutschland dramatisch zurückgehen.

Mannhaft lässt 14120 die rund 30-minütige Untersuchung über sich ergehen, bei der er einige wenige Federn lassen, etwas Blut spenden, und Abstriche im Rachen und in der Kloake über sich ergehen lassen muss. Dann wird er vermessen, gewogen und beringt in eine ungewisse Zukunft entlassen.

Denn sicher ist: Die Fasanenbestände gehen zurück. Und das seit Jahren. Ein Indikator dafür sind die Strecken der Jäger. Martin Meyer Lührmann, Bezirksvorsitzender der Jägerschaft Bersenbrück, kennt die Zahlen für die Reviere in seinem Bereich: Bis 2007/2008 ist die Fasanenstrecke trotz gelegentlicher Einbrüche recht kontinuierlich auf über 12.000 Vögel jährlich angestiegen. Dann kam der Absturz. In der vergangenen Saison wurden nicht mal mehr 2.000 Fasane erlegt. Bersenbrück ist kein Einzelfall: Landes- und bundesweit gingen die Strecken im gleichen Zeitraum um rund zwei Drittel zurück.

Wurden die Bestände vielleicht einfach überjagt? Wohl kaum, auch Jäger wissen, was Nachhaltigkeit bedeutet. Und es trifft nicht nur Fasane, sondern auch andere Tiere. „Wir registrieren einen Rückgang bei allen feldbewohnenden Vogelarten“, erläutert Ulrich Voigt. Und nicht nur dort. Auch der Feldhase wird seltener. Mögliche Gründe für den Einbruch gibt es viele: Wetter, Krankheiten, Gifte, Parasiten, Intensivierung der Landwirtschaft und steigender Prädatorendruck.

Prädatoren? Jäger. Oder genauer: Jagende Tiere, eben die, die in der Nahrungskette eine Stufe höher thronen. Das Spektrum der Verdächtigen reicht vom „Raubzeug“ wie Krähen und Marder über „Raubwild“ wie Füchse bis hin zu freilaufenden Hunden und wildernden Katzen.

Seit 2011 wird in vier Revieren bei Merzen der Fasan und sein Schicksal intensiv beforscht. Tiere werden gefangen, wie 14120 erfasst und wieder freigelassen. Hennen werden außerdem mit einem Sender versehen. So können die Wissenschaftler sie später orten und ihre Gelege per Video überwachen. Denn bislang stehen die Forscher vor einem Rätsel, warum die Fasanbestände so einknicken.

Fehlende Hege, wie während und nach dem Zweiten Weltkriegs, ist es jedenfalls nicht. Seuchen, Krankheiten oder Parasiten wurden bislang ebenfalls nicht in einem besorgniserregenden Ausmaß entdeckt. Allerdings scheint die Zahl der Küken, die es bis zur Geschlechtsreife schaffen, deutlich abzunehmen. Ob und welche Prädatoren da vielleicht mitmischen, oder ob andere Ursachen den Bruterfolg trüben, sollen die Kameras dokumentieren.

Forscher und Jäger gehen inzwischen davon aus, dass eine Kombination verschiedener Ursachen dem Fasan die Lebenslust vergällt: Strukturveränderungen in der Landwirtschaft könnten sowohl das Nahrungsangebot als auch die Bruträume verringern und damit die Prädatoren bevorteilen.

Einfach auf die Ergebnisse warten wollen die Jäger allerdings nicht: In Zusammenarbeit mit dem Landkreis Osnabrück wurden in den vergangenen Jahren allein im Altkreis Bersenbrück rund 170 Hektar Blühsteifen als Rückzugsräume angelegt.

Am Waldesrand in Merzen kommt derweil Fasan 14121 auf die Waage der Biologen: eine 1041 Gramm schwere Henne. Mit dem Sender auf dem Rücken werden es ein paar Gramm mehr sein. Und wenn alles klappt, werden die Aufnahmen von ihrem Gelege irgendwann ab Mitte April helfen, das Rätsel vom Schwund der Fasane zu lösen.

Ein ähnliches Projekt läuft im emsländischen Werlte. Beziehungsweise lief: Der Bestand ist dort inzwischen soweit abgesunken, dass sich eine Fortsetzung mangels hinreichender Fasane kaum noch lohnt. 2013 gingen den Forschern dort gerade noch fünf Tiere ins Netz.

Von all dem ahnt Henne 14121 natürlich nichts. Und auch nicht davon, dass das auf fünf Jahre angelegte Forschungsprojekt rund 120000 Euro jährlich kostet, finanziert aus der Jagdabgabe, die mit der Ausstellung des Jagdscheines erhoben wird. Glücklich, die kurze Gefangenschaft und die intensive Untersuchung überstanden zu haben, verschwindet sie im Unterholz.


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