Blick in den Mikrokosmos der Stadt Neue Serie auf Kultur regional: „Stadtteilkultur“



Osnabrück. Kultur passiert im Theater am Domhof, in der Osnabrück- oder in der Lagerhalle, in den Clubs wie Rosenhof oder Kleiner Freiheit. So weit, so richtig – so unvollständig. Denn Kultur findet auch jenseits der etablierten Orte statt, in Voxtrup, Eversburg, Schinkel, kurz: in den Stadtteilen. Das soll eine neue Serie „Stadtteilkultur“ beleuchten, immer dienstags auf der Seite „Kultur regional“.

Kultur konzentriert sich auf bestimmte Orte; das ist in Berlin nicht anders als in Osnabrück. Das Symphoniekonzert findet im Konzertsaal statt, den „ Faust “ gibt es im Theater, die Shout Out Louds spielen im Club, und die Ausstellung sehen wir im Museum. Was sich dort ereignet, prägt ganz wesentlich den kulturellen Makrokosmos einer Stadt. So geht in Osnabrück viel Strahlkraft vom Theater am Domhof aus, markieren im Kunstbereich Felix-Nussbaum-Haus und Kunsthalle das Maß der Dinge.

Nun spielt aber auch der kleine Posaunenchor auf dem Sommerfest der Stadtteilgemeinde, stellt die Laienschar ein paar Sketche für das Sommerfest auf die Beine – oder konzipiert der Bürgerverein eine kleine Fotoschau anlässlich des Jubiläums der Eingemeindung , so wie jetzt im Heinz-Fitschen-Haus im Heiligenweg in Schinkel.

Hier werden Bürgerinnen und Bürger in ihrer Freizeit tätig – aus eigenem Antrieb, nicht für Gage, sondern für ihre Mitbürgerinnen und -bürger. Und das funktioniert: Montagmittag ist einiges los in der Cafeteria des Heinz-Fitschen-Hauses. Der Bürgerverein Schinkel-Ost hatte die Idee zu der kleinen Fotoausstellung, die vor allem die Bauernhöfe auf Schinkelaner Gebiet zeigt – die diesen Stadtteil im Osten des Stadtzentrums ganz entscheidend geprägt haben und auch heute noch Akzente aus Fachwerk und Grün im Stadtbild setzen.

Diese Ausstellung steht beispielhaft für Kultur, die vom Bürger kommt und sich direkt an die Menschen vor Ort wendet: „Schau mal, wo bin ich hier wohl zu sehen?“, fragt Walter Leineweber, der Vorsitzende des Bürgervereins Schinkel-Ost, eine Besucherin der Schau und zeigt sich dann auf einem Klassenfoto aus den Fünfzigern. Wie jeder professionelle Kurator hat er Geld für das Projekt gesammelt: bei Alt-OB Hans-Jürgen Fip, der in seiner Eigenschaft als Vorstand der Stiftung Stahlwerk GMHütte Geld gegeben hat; im Gegenzug sind auch Bilder des alten Stahlwerks in Schinkel zu sehen. Und auch die Sparkasse hat die Ausstellung mitfinanziert, denn vor genau hundert Jahren hat die Sparkasse Schinkel ihre erste Filiale eröffnet.

Jetzt führt Leineweber Besucher durch die Ausstellung. Man kennt sich, wenigstens zum Teil, doch die Menschen kommen keineswegs aus Gefälligkeit, sondern aus Interesse. Und mit dem gleichen Engagement entsteht das Programm zum Stadtteilfest – hier, in Schinkel und sicher auch in Eversburg, Voxtrup, in der Dodesheide oder in Atter. Auch die Wüste lebt kulturell – und genau das soll Inhalt einer Serie sein, die sich dem kulturellen Mikrokosmos der Stadt widmet. Erscheinen wird sie dienstags auf dieser Seite „Kultur regional“. Zum Start schauen wir, was der Schinkel zu bieten hat.


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