Für Studenten und Behinderte Inklusives Wohnprojekt in Osnabrück

Für ein bundesweit einmaliges Wohnprojekt für Menschen mit Behinderung und Studierende machen sich (v.l.) Birgit Bornemann, Thomas Schmidt-Benkowitz, Gisela Bohnenkamp, Georg Hein (Förderstiftung HHO), Franz-Josef Hillebrandt und HHO-Geschäftsführer Heiner Böckmann stark. Foto: Michael MünchFür ein bundesweit einmaliges Wohnprojekt für Menschen mit Behinderung und Studierende machen sich (v.l.) Birgit Bornemann, Thomas Schmidt-Benkowitz, Gisela Bohnenkamp, Georg Hein (Förderstiftung HHO), Franz-Josef Hillebrandt und HHO-Geschäftsführer Heiner Böckmann stark. Foto: Michael Münch

Osnabrück. Wer wen demnächst wecken wird – die Stundeten die Behinderten oder doch vielleicht eher umgekehrt – wird sich noch zeigen. Gegenseitige Hilfe aber soll Programm sein im bundesweit einmaligen Wohnprojekt „WirQuartier“, in dem Studenten und Menschen mit Behinderung gemeinsam leben.

Die Idee zu diesem Bauvorhaben auf einem Grundstück an der Ernst-Sievers-Straße/Ecke Borkumweg stammt in ihrem Kern von der Lebenshilfe Osnabrück. Ausgangspunkt ist nach den Worten des stellvertretenden Vorsitzenden der Lebenshilfe, Thomas Schmidt-Benkowitz, gewesen, dass die Eltern behinderter Kinder sich oftmals Gedanken darüber machen, was mit ihren Kindern geschieht, wenn sie selber nicht mehr die Versorgung gewährleisten können oder wenn der behinderte Mensch einfach auch nur aus dem Elternhaus ausziehen und ein so eigenständiges Leben wie irgend möglich führen möchte.

Inklusion und Selbstbestimmung sind zwei der Begriffe, mit denen das Sozialgesetzbuch die Ansprüche von Menschen mit Behinderung definiert. Diese Ansprüche soll auch das Wohnumfeld erfüllen. Diese theoretischen Festlegungen wollten die Eltern der Lebenshilfe mit Leben erfüllen und haben sich dafür auf die Suche nach den passenden Partnern gemacht. Fündig wurden sie zuerst bei beim Studentenwerk. „Ich war sofort Feuer und Flamme für die Idee einen gemeinsamen Wohnraum für Studenetn und Menschen mit Behinderungen zu schaffen“, sagt Stundentenwerkschefin Birgit Bornemann. Mit der Heilpädagogischen Hilfe Osnabrück (HHO) war schnell der zweite Partner gefunden. Die Idee allerdings reicht nicht, es bedarf auch der notwendigen finanziellen Mittel, um den guten Gedanken in die Realität zu überführen. Die Förderstiftung der HHO und die Friedel und Gisela Bohnenkamp-Stiftung machten die Runde komplett.

Insgesamt 4,3 Millionen Euro nehmen die Projektpartner in die Hand, um im „WirQuartier“ 46 Appartements zu errichten. Davon stehen 28 Wohnungen den Studierenden und 18 Wohnungen den Menschen mit Behinderung zu Verfügung. Als Bauherren treten die HHO, die Bohnenkamp-Stiftung und die Lebenshilfe auf. Das Studentenwerk schließt für die 28 Studierenden-Appartements einen langfristigen Mietvertrag über 20 Jahre ab, während die Förderstiftung HHO das Grundstück zur Verfügung stellt.

„Ich bin überzeugt, dass dieses Vorzeigemodell ein voller Erfolg wird“, sagt Bornemann. Die Studierenden erhielten die Chance, sich sozial zu engagieren und dabei bereichernde Erfahrungen zu machen, ergänzt Franz-Josef Hillbrandt, in Personalunion Vorsitzender des Kuratoriums der Bohenkamp-Stiftung und stellvertretender Vorsitzender im Verwaltungsrat des Studentenwerks. Dabei sollen die Studierenden keine pflegerischen oder ähnliche Tätigkeiten übernehmen. Vielmehr geht es zum Beispiel um gemeinsame Aktivitäten wie Kinobesuche, Spiele oder andere Unternehmungen. Gleichzeitig sollen die Studierenden eine Rufbereitschaft und Assistenzleistungen erbringen, was für sie im Gegenzug den Wohnraum erschwinglicher macht.

Der Start der Bauarbeiten ist für den Juni geplant. Im August 2015 soll das Haus fertig sein, im September dann die ersten Bewohner einziehen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN