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Affen wie wir Disneys „Schimpansen“ betont die Nähe von Mensch und Tier

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<em>Oscar schmust mit dem Adoptiv-Vater.</em>
               Foto: DisneyOscar schmust mit dem Adoptiv-Vater. Foto: Disney

Osnabrück. Ein Schimpansen-Kind verliert das Muttertier – und wird von einem Männchen adoptiert. Dieser spektakuläre Vorfall ist der wahre Kern eines erfundenen, aus dokumentarischen Bildern zusammengebauten Tierfilms: Disney‘s „Schimpansen“.

Der „Spiegel“ hat den Disney-Naturfilm „Schimpansen“ als „Menschenaffen-Märchen“ geschmäht. Es stimmt: Die Geschichte um ein verwaistes Schimpansen-Kind ist zwar aus dokumentarischem Material komponiert, aber fiktiv. Wahr ist, dass ein Schimpansenkind im Regenwald an der Elfenbeinküste nach dem Tod der Mutter von einem Männchen adoptiert wurde. Aber während er im Film überlebt, ist der reale Oscar irgendwo im Urwald verendet. Auch die Revierkämpfe der Geschichte gibt es nur dank der Montage: Tatsächlich leben die Schimpansen der Leinwand in unterschiedlichen Nationalparks.

Dass der Spielfilm nicht offensiver als Fiktion vermarktet wurde, ist sicher ein Fehler. Ein substanzieller Einwand lässt sich daraus nicht ableiten. Disneys „Schimpansen“ verfolgt das Anliegen, Kindern (und Eltern) Wissen über die bedrohte Art zu vermitteln. Mit wissenschaftlichem Anspruch führt der Spielfilm (!) die enge Verwandtschaft von Mensch und Menschenaffen vor: Er schildert die Mutter-Kind-Bindung der Tiere, ihre Fähigkeit zu Werkzeuggebrauch, kulturellem Lernen und planvollem, arbeitsteiligem Verhalten. Dabei wird das Grausame nicht ausgespart: Wenn die Filmhelden Stummelaffen töten, gerät das Gut-Böse-Schema des Kinderfilms durcheinander. Für die wissenschaftliche Akkuratesse der Naturfilmer Alastair Fothergill und Mark Linfield („Unsere Erde“, 2007) bürgen Forscher des Max-Planck-Instituts, die den Dreh begleitet haben.

Bei alldem ist „Schimpansen“ ein emotionaler, im Tonfall stark popularisierender Unterhaltungsfilm. Mit der Disney-Mythologie verschmilzt er schon durch seine Grundkonstellation: Als Tiergeschichte von Muttertod und Waisen-Abenteuer schließt er bruchlos an den Klassiker „Bambi“ (1942) an.

„Schimpansen“. Tansania, USA 2012. R: Alastair Fothergill, Mark Linfield. 78 Min. Ohne Altersbeschränkung. Hier geht es zum Trailer, zu Filmausschnitten, und zur Bildergalerie .

Ein Interview mit der Primaten-Forscherin Julia Riedel lesen Sie hier.


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