Kulturtag in der Innenstadt Gehörlose veranstalten „Sign-Mob“ in Osnabrück

Von Nils Stockmann

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„Stumme Worte“ am Nikolaiort: Hörgeschädigte führten am Samstag bei einem „Sign Mob“ ihre Zeichensprache in der Osnabrücker Innenstadt vor. Foto: Hermann Pentermann„Stumme Worte“ am Nikolaiort: Hörgeschädigte führten am Samstag bei einem „Sign Mob“ ihre Zeichensprache in der Osnabrücker Innenstadt vor. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Mit Gästen aus ganz Deutschland haben Osnabrücker Gehörlose am Samstag einen Kulturtag in der Lagerhalle veranstaltet. Start der Aktion war ein „Sign-Mob“ am Nikolaiort.

Dabei wurde es für einige Minuten ungewohnt still in der Osnabrücker Innenstadt. Gespannt beobachteten Passanten und Anlieger, wie die rund 40 versammelten Nutzer der Gebärdensprache die Stille mit ihren ganz eigenen „stummen Worten“ füllten. „Gebärdensprache da – Osnabrück ist schön“ – mit nur vier Zeichen trugen sie ihre Freude über den Gehörlosen-Kulturtag, der im Anschluss im Kulturzentrum Lagerhalle stattfand, nach außen und bewegten viele Zuschauer dazu mitzumachen. „Die Hörenden sollen sehen, dass wir ein lustiges Völkchen sind und ihnen kulturell in nichts nachstehen, freute sich Organisatorin Simone Fischer. Gemeinsam mit einigen Mitstreitern engagiert die Gehörlose sich im „Power-Team“ in Osnabrück, das sich zum Ziel gesetzt hat, die Anliegen der Gehörlosen in der Stadt zu vertreten. Osnabrück habe eine sehr große Gehörlosen-Gemeinde, die aber in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen werde, erklärt Fischer. Das habe man mit dem „Sign-Mob“, wie sie die Veranstaltung am Nikolaiort nennt, sowie dem Kulturprogramm in der Lagerhalle ändern wollen.

Der Nachmittag und Abend in dem Kulturzentrum am Heger Tor war unter der Überschrift „Laute(r) Hände“ gefüllt mit zahlreichen Programmpunkten. Im Zentrum standen Workshops und Vorträge für Hörende und Gehörlose, wie zum Beispiel das beeindruckende Erlebnis einer Trommelstunde ohne Gehör. Zudem waren viele gehörlose Künstler aus ganz Deutschland der Einladung des „Power-Teams“ nach Osnabrück gefolgt und präsentierten ihre Arbeiten und Programme, die von Malerei bis Pantomime reichten.

In der Innenstadt wurden die Gehörlosen von einer Gruppe Studenten aus Enschede unterstützt. Unter dem Motto „Gehörlosen Gehör verschaffen“ machten die jungen Sozialpädagogik-Studenten stumme Musik. Auch sie wollten damit ein Zeichen für eine noch bessere Integration der gehörlosen setzen. Vieles sei schon geschehen um Gehörlosen eine Teilhabe am normalen Leben zu ermöglichen, freut sich Simone Fischer. Einiges könne aber noch getan werden, um gerade das kulturelle Angebot noch vielfältiger gestalten. Die Würdigung und Anerkennung der Gebärdensprache sei dafür ein wichtiges Element um etwa Übersetzungsproblemen beizukommen.


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