Ein Besuch „In der Gartlage“ Das Passivhaus-Konzept im Schnell-Check

Im Baugebiet „In der Gartlage“ im Osnabrücker Stadtteil Dodesheide entstehen derzeit reihenweise Passivhäuser. Für die Häuser gelten strenge Standards.

            

               Foto: Jörn MartensIm Baugebiet „In der Gartlage“ im Osnabrücker Stadtteil Dodesheide entstehen derzeit reihenweise Passivhäuser. Für die Häuser gelten strenge Standards. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Wenn es zurzeit um private und öffentliche Gebäude geht, hört man immer häufiger das Wort: Passivhaus. Auch in Osnabrück hält dieser Trend jetzt Einzug. Im neu erschlossenen Baugebiet „In der Gartlage“ im Stadtteil Dodesheide sind 34 der insgesamt 84 Grundstücke für ebendiese Passivhäuser reserviert. Doch was verbirgt sich hinter dieser Bauweise?

Von Nils Stockmann

Im Grunde ist ein Passivhaus ein ganz normales Haus mit Fenstern, Küche, Bad und Keller – mit allem, was dazugehört. Allerdings ist es dank spezieller Wärmedämmung und ausgeklügelten Lüftungsanlagen im Idealfall ohne Heizung bewohnbar. Die nötige Wärme liefert die Abwärme von Bewohnern und technischen Geräten, außerdem wird die Sonneneinstrahlung effizient genutzt. Auch der Energieverlust durch das bewährte Durchlüften entfällt – die aufwendige Lüftungsanlage des Passivhauses sorgt für ein angenehmes, ausgeglichenes Raumklima, versprechen die Hersteller. Und keine Sorge: Sollten auch unsere Breiten einmal von einem arktischen Winter getroffen werden, dann springt auch im Passivhaus eine konventionelle Heizung ein.

Am Ende sollen vom Passivhaus alle profitieren, denn neben dem Bauherrn, der sich über eine enorme Energieeinsparung freuen darf, wird durch diese Einsparung auch die Umwelt geschont. Laut Herstellerangaben liegt die Einsparung bei Heizenergie bei rund 75 Prozent – das ist in Zeiten steigender Energiepreise und dem langsamen Zuneigegehen fossiler Rohstoffe eine verlockende Zahl. Doch der Weg zu diesem Vorteil ist schwieriger als gedacht.

Denn längst nicht jedes Haus, das in Deutschland energiesparend geplant und schließlich gebaut wird, darf sich ohne weiteres Passivhaus nennen. Das eigens geschaffene deutsche Passivhausinstitut mit Sitz in Darmstadt hat klare Richtlinien ausgegeben, nach denen die Häuser in Deutschland zertifiziert werden. Die notwendige Menge an Heizenergie darf die Größe von 15 Kilowattstunden pro Jahr nicht überschreiten – das entspricht etwa eineinhalb Liter Heizöl.

Um sich dermaßen über die inzwischen etablierten Energiesparstandards E 85 und E 70, gemeint ist ein Energieverbrauch von 85 beziehungsweise 70 Prozent eines Standardhauses, zu heben, muss für einen Hausneubau deswegen schnell mit 10 bis 15 Prozent über dem konventionellen Preis gerechnet werden. Das ist für viele Bauherren viel Geld, zumal sich die Investition erst nach einigen Jahren rechnet. Trotz der Unterstützung des Passivhausbaus durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau scheuen viele dieses Risiko und beschränken sich lieber auf die E-85- und 70-Standards.

Private Investoren

Gerade mal ein privates Passivhaus gibt es zum Beispiel derzeit in Osnabrück. Eine Studie der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen in Kiel will herausgefunden haben, dass sich der Passivhausbau für private Investoren derzeit kaum lohnt. Demnach würden sich die Mehrkosten gegenüber einem Haus mit geringerem Energiesparstandard nur rentieren, wenn der Energiepreis in den nächsten 10 Jahren um 15 Prozent jährlich stiege.

Und auch die entstehenden Folgekosten sind dank eines erhöhten Stromverbrauchs und ständiger Instandhaltungskosten bei einer spürbaren Einsparung im Punkt Heizkosten kaum geringer als beim E-70-Energiesparhaus.

Gerade mal zwei Euro pro Monat ist das Passivhaus laut der Studie im Schnitt billiger. Verbände kritisieren deswegen die stärkere Unterstützung für Passivhäuser im Vergleich zu niedrigeren Standards. Vielmehr sollte jeder, der sich zu energieeffizientem Bauen oder Sanieren entscheidet, entsprechend unterstützt werden.

Denn eines bleibt wohl klar: Nur durch den Bau eines Passivhauses oder eines vergleichbaren Energiesparstandards ist nichts gewonnen. Wird die Immobilie in der Folge nicht entsprechend genutzt, dann bleibt der positive Effekt für Hausherr und Umwelt schnell aus. Das Passivhausinstitut weist etwa darauf hin, dass, wer in einem Passivhaus trotz Lüftungsanlage manuell über die Fenster und Türen lüftet, ein enormes Einsparungspotenzial verschenkt. Und ebendiese Lüftung bedarf auch nach Fertigstellung einer stetigen Wartung und Pflege – Instandhaltungskosten, die nicht von der Hand zu weisen sind und beim konventionellen Haus so nicht anfallen.

Dennoch gelten auch hier klare Regeln: Wer von energieeffizienten Baustandards profitieren will, muss persönliche Nachsorge betreiben.

Lohnenswert ist das allemal: Denn moderne Dämm- und Lüftungstechniken rechnen sich nach nicht allzu langer Zeit finanziell, und auch für Umwelt und Klima ist jede Energieeinsparung Gold wert. Eine Investition, die egal ob auf Passivhausstandard oder geringer, der Allgemeinheit zugutekommt.


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