„Sehnsucht ohne Ende“ Raphael Walter zum Symphoniekonzert-Motto

Zu Gast: Cellist Nicolas Altstaedt. Foto: Marco BorggreveZu Gast: Cellist Nicolas Altstaedt. Foto: Marco Borggreve

Osnabrück. „Sehnsucht, ja“, sagt Raphael Walter und lacht. Dann setzt der Solocellist des Osnabrücker Symphonieorchesters zur Erklärung des Mottos für das sechste Symphoniekonzert an: „In der Romantik geht es ja eigentlich immer um die unerfüllbare oder unerfüllte Liebe, sowohl in der Musik als auch in der Literatur. Das geht einher mit Sehnsucht ohne Ende, ganz im Gegensatz zur Klassik, wo ja letzten Endes immer die erfüllte Liebe die große Rolle spielt.“

Auf dem Programm des Konzerts stehen die erste Sinfonie und das Cellokonzert von Robert Schumann. Der hat, bewusster wohl als andere Komponisten, sich auf die Romantik bezogen, man denke nur an seine Verarbeitung von E.T.A. Hoffmann . In seinem Leben habe er immerhin auch die andere Seite kennengelernt, meint Raphael Walter, die der erfüllten Liebe: „Er hatte ja in seinem Leben zumindest eine Zeit lang, wenn man seinen Tagebüchern glauben kann, eine erfüllte Liebe mit seiner Clara. Aber auf lange Sicht ging das ja auch nicht so gut, woran das auch immer gelegen haben mag. Da gibt’s ja viele Gerüchte über Brahms und Clara Schumann ...“

Doch schließlich geht es um seine Musik, nicht um seine Biografie. „Er hat eben diese Sehnsucht, blaue Blume und so, das ist eben das Wesen der Romantik. Und das drückt sich auch bei Schumann ganz stark aus, obwohl es natürlich eine andere Art von Sehnsucht ist als bei Franz Schubert, bei dem man ja immer vermutet, dass er noch viel weiter weg ist von irgendeiner erfüllten Liebe.“ Robert Schumann war immerhin verheiratet, und bei Schubert war ja nun gar nichts.“

Als Cellist weist Raphael Walter besonders auf die romantische Gedankentiefe des Cellokonzerts hin: „Das Schumann-Konzert ist das tiefgründigste Cellokonzert, das es gibt. Von allen romantischen Konzerten ist es emotional am substanziellsten. Aber es ist kein Selbstläufer. Da geht es nicht nur um das reine und authentische Spielen, sondern auch darum, die Idee rüberzubringen.“ Solist des Abends ist der Cellist Nicolas Altstaed t. Er studierte bei Boris Pergamenschikow und Eberhard Feltz in Berlin. Seit 2012 leitet er das Lockenhaus Kammermusikfest.

Außer Schumann steht eine Suite aus der Oper „Scylla et Glaucus“ des Barock-Komponisten Jean Marie Leclair auf dem Programm. Raphael Walter erklärt: „Im Barock ist das Klischee der unerfüllbaren oder unerfüllten Liebe eher untypisch. Die Oper beruht ja auf einer mythologischen Geschichte aus dem alten Griechenland, und da ging es ja oft mehr um Galantes. Man kann natürlich nicht ausschließen, dass es auch da zu tiefer Leidenschaft gekommen ist.“

Die Handlung sei, wie so oft in barocken Opern, kompliziert. Raphael Walters beherzt gekürzte Zusammenfassung: „Letztlich hat das Paar nicht zueinandergefunden. Sie ist ja dummerweise in einen Felsbrocken verwandelt worden, der an der kalabrischen Küste liegt, gegenüber von Sizilien. Das war das Ende dieser unseligen Liebesgeschichte. So weit passt eben auch das zu dem Motto Sehnsucht.“

Das 6. Sinfoniekonzert findet am kommenden Sonntag, 11.00 Uhr und am Montag, 20.00 Uhr, in der Osnabrückhalle statt.


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