Studienfahrt zum Nussbaum-Haus Osnabrück: Museen und das Thema Migration

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Experten für Migrationsgeschichte im Felix-Nussbaum-Haus. Von links: Jochen Oltmer, Sarah Metzler, Thorsten Heese, Christoph Bongert. Foto: Regine BrunsExperten für Migrationsgeschichte im Felix-Nussbaum-Haus. Von links: Jochen Oltmer, Sarah Metzler, Thorsten Heese, Christoph Bongert. Foto: Regine Bruns

Osnabrück. Wie können Museen der bundesdeutschen Einwanderungsgesellschaft Rechnung tragen? Mit dieser Frage haben sich jetzt zwölf Museumsfachleute auf einer Studienfahrt zum Thema Migrationsgeschichte beschäftigt. Das Deutsche Auswanderermuseum in Bremerhaven, das Museum Meyer-Haus in Berge und schließlich das Felix-Nussbaum-Haus/Kulturgeschichtliches Museum Osnabrück standen auf dem Besuchsprogramm.

„Die Themen Migration und kulturelle Vielfalt werden im Kulturgeschichtlichen Museum Osnabrück auf spannende Weise umgesetzt“, so die Meinung von Sarah Metzler vom Deutschen Museumsbund. Der partizipative Ansatz der Ausstellung sei besonders. Dabei hob sie speziell das „Forum Migration“ hervor, das sich regelmäßig an jedem dritten Donnerstag im Monat im Museum trifft, um über die Osnabrücker Migrationsgeschichte zu sprechen und interessante Geschichten von Einwanderern zu dokumentieren. „Migration wird hier als Normalfall der Stadtentwicklung über viele Jahrhunderte verstanden und entsprechend dargestellt“, so Metzler.

Jochen Oltmer vom Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) an der Uni Osnabrück, das gemeinsam mit dem Kulturgeschichtlichen Museum im Arbeitskreis „Migration“ im Deutschen Museumsbund engagiert ist, pflichtete dieser Auffassung bei. „Oft wird in Kommunen und Fachkreisen diskutiert, dass es doch sehr schwierig sei, Migration und Integration im musealen Kontext zu präsentieren“, bemerkte der Historiker, da Menschen, die aus den verschiedensten Gründen unterwegs seien, relativ selten Dinge von musealem Wert mitnähmen. In jüngster Zeit habe da aber ein Umdenken stattgefunden, indem Migrationsgeschichten verstärkt anhand der bereits im Museum vorhandenen Objekte vermittelt werden.

Als Beispiel dafür, wie dies in der Osnabrücker Ausstellung gelingt, nannte Thorsten Heese, Kurator für Stadtgeschichte im Kulturgeschichtlichen Museum, die Zeugnisse der ersten jüdischen „Gastarbeiter“, die um 1300 nach Osnabrück kamen, weil der Bischof in finanziellen Nöten steckte und auf Geldleiher angewiesen war. Den christlichen Bewohnern der Stadt war diese Berufsausübung aufgrund des Zinsverbots nicht erlaubt. „Die jüdischen Zuwanderer wurden in der damaligen Schweinestraße, der heutigen Marienstraße, einquartiert, wo sie erhöhte Mieten zahlen mussten. Zugleich wurden sie von großen Teilen der christlichen Urbevölkerung angefeindet.“ Solche Prozesse wiederholen sich in der Geschichte immer wieder, so der Kurator. „Es geht uns darum, das Thema Migration als integralen Bestandteil der Stadtgeschichte dazustellen und positiv zu besetzen.“

Im Unterschied dazu verfolgt das Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven ein anderes Konzept, wie sein wissenschaftlicher Mitarbeiter Christoph Bongert erläuterte: „Das Deutsche Auswandererhaus ist das einzige deutsche Museum, das sich ausschließlich dem Thema Migration widmet. Die Sammlung wurde nicht aus vorhandenen Objekten zusammengestellt, sondern ganz neu entwickelt.“

Ebenfalls in der Entwicklung befindet sich das Virtuelle Osnabrücker Migrationsmuseum, das unter www.osnabrueck.de/vom im Internet zu finden ist. Hier werden Objekte der Osnabrücker Migrationsgeschichte dokumentiert. Wer ein eigenes Exponat vorstellen möchte, kann einen Fragebogen ausfüllen und seine persönliche Geschichte erzählen.


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