Bergmann kontra Rauschen Millionenschacher am Osnabrücker Nikolaiort


Osnabrück. Hinter den Fassaden des Nikolaiortes in Osnabrück spielt sich eine Geschichte ab, die Stoff für eine Räuberpistole bietet. Die handelnden Personen: ein reicher Amtsrichter, der mit Millionen hantiert, der Osnabrücker Immobilienkaufmann Theodor Bergmann, der sich betrogen fühlt, und L+T-Chef Mark Rauschen, der entspannt zuschaut. Lokal-Monopoly auf hohem Niveau.

Die Geschichte beginnt in einer süddeutschen Landesbank. Die stellt 2012 einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens über das Vermögen Bergmanns und einige seiner Gesellschaften. Der Antrag kommt für Bergmann völlig überraschend und aus seiner Sicht ohne erkennbaren Grund. Der Immobilienkaufmann muss unter hohem Druck seine Finanzierungen neu ordnen. Da taucht unverhofft ein an einem Amtsgericht tätiger Richter auf, der nach eigenen Angaben das Vermögen seiner Familie in Immobilien anlegt.

Bergmann sagt heute, er habe in dem Richter eine vertrauenswürdige Amtsperson gesehen, die sich überdies als absolut solvent dargestellt habe. Deshalb zögert Bergmann nicht, mit dem Richter Geschäfte zu machen. Er leitet den Verkauf mehrerer Immobilien ein, darunter zweier Häuser am Nikolaiort.

So verkauft Bergmann im Juli 2013 an die S & W Immobilienbesitz GmbH – alleiniger Gesellschafter ist der Richter – das Haus am Nikolaiort 5a zum Preis von 3,4 Millionen Euro. 404 000 Euro zahlt der Käufer pünktlich. Eine Versicherung ist bereit, 2,5 Millionen Euro zu finanzieren. Es fehlen also dem Käufer, dem Richter, noch 500 000 Euro zur Gesamtfinanzierung.

Monatelang bewegt sich nichts, es fließt kein Geld. Bergmann drängt, der Richter vertröstet. Schließlich trägt der Richter am 3. Oktober 2013 Bergmann die Idee vor, die Versicherung gemeinsam hinters Licht zu führen. Wenn Bergmann das Geld schnell haben wolle, solle er quittieren, dass die fehlenden 500 000 Euro schon geflossen seien, damit die Versicherung die 2,5 Millionen Euro sofort freigebe. Er, Bergmann, werde die restlichen 500 000 Euro natürlich bekommen, versichert der Richter und bittet um einen Vertrauensvorschuss. Ansonsten brauche er noch ein bis zwei Wochen, bis er die Gesamtsumme beisammen habe. Das Ganze spricht der Richter auf Bergmanns Mailbox.

Bergmann geht nicht auf diesen Vorschlag ein. Denn das Vertrauensverhältnis ist für ihn längst zerstört - und das hat auch mit einem Vorgang zu tun, der sich zeitlich parallel abspielt. Und darin taucht die Firma L+T auf.

Bergmann wollte zeitgleich auch sein zentrales Haus am Nikolaiort 1/2 an eine andere Gesellschaft des Richters verkaufen. Der Preis: zwölf Millionen Euro. Der Interessent, die Zweite S & W Immobilien GmbH (in Gründung) - alleiniger Gesellschafter ist auch hier der Richter - gibt am 15. August 2013 ein notarielles Kaufangebot ab. Bergmann verlangt eine „verbindliche, unwiderrufliche und unbedingte Finanzierungsbestätigung einer Bank mit Sitz in der Bundesrepublik Deutschland oder Sparkasse“. Tatsächlich wird der Kaufpreis von zwölf Millionen Euro in bar bei einer Bank hinterlegt, wie die Beteiligten bestätigen. Alles scheint geregelt.

Doch dann bekommt Bergmann Wind davon, wer die zwölf Millionen tatsächlich hinterlegt hat: nicht sein vermeintlicher Geschäftspartner, der Richter, sondern zu 20 Prozent die Lengermann und Trieschmann Grundbesitz GmbH & Co KG und zu 80 Prozent eine andere Osnabrücker Gesellschaft. Der Richter, so sagt Bergmann heute, sei wohl nur ein Strohmann gewesen.

L+T-Chef Mark Rauschen, Gesellschafter der L+T-Immobiliengesellschaft, macht aus der Geschäftsbeziehung zu dem Richter und seinem Interesse am Nikolaiort kein Geheimnis. Natürlich müsse sein Unternehmen einen Blick auf eine Immobilie werfen, die den direkten Anschluss des L+T-Komplexes an den Nikolaiort ermöglichen würde. Er habe es nicht für nötig befunden, Theodor Bergmann darüber in Kenntnis zu setzen und sehe auch keinen Grund zur Aufregung. Schließlich habe Bergmann ihm das Gebäude schon 2010 zum Kauf angeboten.

Das sei nicht er, sondern ein Makler gewesen, sagt Bergmann, der überhaupt nicht begeistert ist, dass nun ausgerechnet jene Firma Zugriff auf sein Haus hat, die ihm bei seinem Investment am Neumarkt so heftig in die Parade gefahren ist. L+T kaufte 2012 – wie bekannt – völlig überraschend drei Häuser an der Johannisstraße , die dem geplanten Einkaufszentrum im Wege stehen. Bergmann vermutet sogar eine undichte Stelle in seinem Umfeld, glaubt, dass einer seiner Mitarbeiter Informationen weitergegeben hat. Dieser Angestellte wechselte später zu einer auswärtigen Immobiliengesellschaft, die ein weiteres Sperrgrundstück an der Johannisstraße besitzt. Alles nur ein Zufall?

Das Monopoly ist noch nicht beendet: Die Zweite S & W Immobilien GmbH (mit L+T im Rücken) ist an ihr notarielles Kaufangebot für den Nikolaiort 1/2 gebunden. Bergmann kann bis zum 15. Mai 2014 entscheiden, ob er die Zwölf-Millionen-Offerte annimmt. Stimmt er zu, kann L+T sein Immobilienensemble an der Herrenteichsstraße abrunden und zum Nikolaiort öffnen. Lehnt Bergmann ab, muss er einen anderen Käufer finden.

Bergmann und sein Anwalt sehen in der Mailbox-Nachricht des Richters einen Versuch, die Versicherung als Kapitalgeber zu täuschen. Für die beiden ist es ein unerhörter Vorgang, der geahndet werden müsse. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Osnabrück bestätigt, dass eine entsprechende Anzeige eingegangen ist und Ermittlungen laufen. Ergebnisse gebe es noch nicht. Der Richter weist den Vorwurf zurück. Er habe Bergmann helfen und das Geschäft voranbringen wollen. Für die 500000 Euro, deren scheinbaren Eingang Bergmann hätte quittieren sollen, hätte er ihm „Verpflichtungen erlassen“ wollen, sagt der Richter auf NOZ-Anfrage. Die Mailbox-Nachricht des Richters enthält keinen Hinweis auf etwaige Gegenleistungen oder Verpflichtungen Bergmanns.

Bergmann wartet noch immer auf die drei Millionen Euro aus dem Verkauf von Nikolaiort 5a. Der Kaufpreis ist nach seinen Angaben im August 2013 notariell fällig gestellt worden. Der Richter erklärt nach wie vor, Bergmann müsse zunächst seine „Verpflichtungen“ erfüllen, die er nicht näher erläutern will. Bergmann sagt, solche gebe es nicht.

Die wenig glücklichen Geschäfte mit dem Richter setzen Bergmann wirtschaftlich unter Druck. Zwischenzeitlich habe ein „Totalverlust“ gedroht, sagt Bergmann - und vermutet dahinter Methode: Jemand wolle ihn geschäftlich ruinieren.


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