IT-Branchentreff „noch keine reine Fachmesse“ Cebit: Aussteller aus Region Osnabrück und Emsland zufrieden


Hannover. Auf der weltgrößten Computermesse Cebit sind auch etliche Aussteller aus dem Nordwesten vertreten. Am vorletzten Tag ziehen sie ein positives Fazit.

Wer einen Blick durch Halle 12 auf dem Messegelände in Hannover schweifen lässt, könnte sich fast auf der Hannover Messe wähnen: Die Wallenhorster Firma Anlagenbau Andreas Pörschke hat ihren Stand mit einem Truck und containergroßen Stromaggregaten bezogen, ein paar Reihen weiter stehen ein Mähdrescher und ein Trecker vom Landmaschinenhersteller Claas aus Harsewinkel. Diese ungewohnten Exponate auf der Computermesse Cebit zeigen: Digitales und Industrie – diese beiden Welten sind miteinander verschmolzen: Aggregate zur Kraft-Wärme-Kopplung braucht es für den wirtschaftlichen Betrieb von Rechenzentren. Und in der Landwirtschaft trägt die Digitalisierung des Ackers zu einer stetig steigenden Effizienz bei.

Auch die Osnabrücker Werbeagentur „Die Etagen“ trifft auf der Cebit eigentlich nicht auf ihre Stammkundschaft – aber seitdem Augmented Reality, die computergestützte Erweiterung der Realität, auf Smartphones und Tablet-PCs läuft, bieten sich neue Möglichkeiten. „Das Thema ist deutlich spannender als vor ein, zwei Jahren“, sagt Stefan Springfeld, Projektleiter Mobile. „Wir wollen zeigen, was mit der neuen Technik möglich ist.“

Machbar ist einiges. So hat die 40-köpfige Agentur jüngst den Schaufenstern des Modehändlers Lengermann+Trieschmann digitales Leben eingeflößt, ebenso den Produktpräsentationen des Landtechnikherstellers Amazone. Damit bieten sich den Vertriebsabteilungen neue Möglichkeiten, erklärt Springfeld. Ein österreichischer Swimmingpoolbauer kann mit dem Programm der Osnabrücker seinen Kunden auf Knopfdruck ein realitätsgetreues Bild der Becken im Garten generieren.

Zu den klassischen Ausstellern der Cebit zählt ConSecur aus Meppen. Das Unternehmen sorgt für den Schutz von Unternehmensnetzwerken, etwa durch Firewalls. Bislang spielte das eher in Konzernen – auch wegen der hohen Kosten – eine Rolle. „Wir wollen es für den Mittelstand anbieten“, sagt Christoph Kronabel, Berater für Informationssicherheit. „Das Thema gewinnt bei kleineren Unternehmen an Bedeutung.“

Die nächste Generation des papierlosen Büros zeigt die Osnabrücker Sievers Group. Die Firma vertreibt Software für Dokumentenmanagement, die Rechnungen nach dem Einscannen erfasst und schließlich automatisch buchen kann. Die Zuverlässigkeit liege bei 98 bis 99 Prozent, erklärt Vertriebsmitarbeiter Jan Grundmann. Sievers ergänzt die Software um eigens programmierte Module, wie einem Bewerbermanagement.

Wie sich Fortbildungen für Mitarbeiter ins digitale Zeitalter holen lassen, zeigt das Zentrum für Informationsmanagement und virtuelle Lehre der Universität Osnabrück. Gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut wird an einem „persönlichen Lernassistenten“ gearbeitet. Dieser soll Mitarbeitern jederzeit kurze Lerneinheiten zu Themen ermöglichen, die sie gerade interessieren. Dazu greift die Anwendung auf interne Datenbanken und auf Wunsch auf Quellen aus dem Internet zu. „Dieses Format ist für die Weiterbildung sehr interessant“, sagt die wissenschaftliche Mitarbeiterin Anne Fuhrmann-Siekmeyer. Zum Abschluss der Messe am Freitag hält das Institut zu diesem Thema eine Podiumsdiskussion ab.

Ob sich der stete Besucherschwund der Cebit 2014 fortgesetzt hat, wird die Messegesellschaft erst heute bekannt geben. Das Fazit der Aussteller aus dem Nordwesten fällt jedenfalls positiv aus. Sie konnten ihre Ansprechpartner gut erreichen.

Am Stand der Agentur „Die Etagen“ etwa hätten 80 bis 90 Prozent der Besucher mit konkreten Anliegen vorbeigeschaut. Ähnlich beim Anlagenbauer Pörschke: Der erste Auftritt auf der Computermesse sei noch viel besser gelaufen als erhofft. Doch der Anspruch der Veranstalter, gezielter die Branchenkenner auf die Messe zu holen, habe sich nicht verwirklicht. Von der Losung „100 Prozent Business“ ist die Cebit noch weit entfernt. „Das hat aus unserer Sicht nicht geklappt“, sagt ConSecur-Berater Christoph Kronabel.

Noch immer schlendern Schaulustige und Schulklassen durch die Gänge – trotz der kräftig gestiegenen Eintrittspreise von 40 auf 60 Euro. .Das mag daran liegen, dass etliche Aussteller die Karten verschenken. „Im Grunde nicht verkehrt“, merkt Jan Grundmann von der Sievers Group an. Aber: „Ein Tick mehr Exklusivität wäre wünschenswert. Eine reine Fachmesse ist es noch nicht.“

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