ELSI-Institut Osnabrück: Jura-Studenten an Institut unerwünscht?


Osnabrück. Es ist ein Vorzeigeprojekt der Universität Osnabrück: das European Legal Studies Institute (ELSI). Das Institut mit eigenem Gebäude ist Teil des Fachbereiches Rechtswissenschaften. Studenten würden dort gerne weiterhin ihre Examensklausuren schreiben, denn das Gebäude ist neu, geräumig und zentral gelegen. Der Leiter des Institutes, Christian von Bar, hält davon allerdings wenig. „Ich kann das Institut nicht für den Studentenverkehr öffnen“, sagt von Bar.

Durch den juristischen Nachwuchs sieht er das ELSI als Denkfabrik für gestandene Juristen gefährdet. Die Prüfungsräume seien zugemüllt hinterlassen worden. Das Ergebnis: Das Gebäude stand nach dem Prüfungsdurchgang im Oktober nicht mehr zur Verfügung. Mit seinen Aussagen überrascht von Bar allerdings sogar die Fakultätsleitung. Ist das Institut, das zu einer der wichtigsten Forschungseinrichtungen auf seinem Gebiet aufgebaut werden soll, in der Praxis ein Elfenbeinturm?

Noch im Oktober 2013 hatten Studenten im ELSI-Gebäude einen Teil des ersten juristischen Staatsexamens absolviert. Derzeit müssen die angehenden Juristen allerdings auf das Museum am Schölerberg und andere externe Räume ausweichen. Das ELSI-Gebäude stand bis zu dieser Woche offiziell nicht mehr zur Verfügung. „Publikumsverkehr und Nachdenken passen nicht zusammen“, sagt von Bar auf Anfrage der Neuen OZ.

Der mehrfach mit Ehrendoktorwürden ausgezeichnete Professor führe am Institut, das vor rund zehn Jahren gegründet wurde, ein strenges Regiment, so schildern es die Beteiligten: „Da kann nicht mal ein Getränkeautomat aufgestellt werden, ohne dass er sein ,Okay‘ gibt“, kommentiert ein Uni-Mitarbeiter.

Die Studenten haben das Gefühl, der renommierte Professor wolle die angehenden Juristen grundsätzlich nicht an seinem Institut haben. Sie vermuten: Examen dürfen nicht mehr geschrieben werden, weil die Prüflinge den Raum im Oktober angeblich unsauber hinterlassen hätten. „In Wahrheit räume ich hier die Essensreste weg“, beklagt sich von Bar gegenüber unserer Zeitung über den fehlenden Ordnungssinn der Examenskandidaten.

Die Fachschaft Jura weist diese Vorwürfe von sich. Ein Fachschaftsmitglied, das selbst im ELSI-Gebäude geschrieben hat, sagt: „Wir haben alles wieder mitgenommen.“ Vor der Prüfung seien die Studenten explizit darauf hingewiesen worden, alles ordentlich zu hinterlassen. Das habe auch funktioniert. „Ich habe nicht gesehen, dass da Essensreste herumlagen“, so der Prüfling. Offensichtlich ein weiteres Problem für die Institutsleitung: Der Prüfungsraum wird bereits Monate im Voraus geblockt. Das ELSI-Institut wolle vermeiden, dass wichtige Vorträge im Gebäude nicht stattfinden können, weil der Raum bereits mit einem Examen belegt ist, erklärt ein Uni-Mitarbeiter.

Beim Landesjustizprüfungsamt (LJPA), das die Examen organisiert, sind bisher keine Probleme dieser Art bekannt. Allerdings musste das Amt bis zu dieser Woche zur Kenntnis nehmen, dass das ELSI-Gebäude nicht zur Verfügung steht. Die offizielle Begründung war, dass es anderweitig belegt ist. Das bestätigt auch der Dekan des Fachbereiches Rechtswissenschaften, Arndt Sinn. Von anderen Gründen wisse er nichts. Am Telefon konfrontiert mit den Aussagen des Institutsleiters von Bar über die Studenten, schweigt Sinn sekundenlang. „Das kann ich mir nicht vorstellen“, erklärt er schließlich.

Silberstreifen am Horizont für die Examenskandidaten: ELSI-Chef von Bar hat in einem Gespräch mit der Fakultätsleitung am Montagmorgen angeboten, das ELSI-Gebäude wieder für die Examensklausuren zur Verfügung zu stellen – unter der Voraussetzung, dass die Räume ordentlich hinterlassen werden.


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